Raddesign-Trends Hauptsache groß und glänzend

Die Deutschen lieben nicht nur ihre Autos an sich, sie lieben vor allem auch die Räder ihrer Autos. Gut aussehen sollen sie, schick, schnieke. Und weil die richtige Rad-Reifen-Kombination mit einem Anteil von 28 Prozent inzwischen auf dem ersten Platz der gefragtesten Tuning-Produkte liegt, gibt es immer neue Mode-Trends.


Die Trends beim Rad-Design: glänzend und größer
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Die Trends beim Rad-Design: glänzend und größer

Düsseldorf/Esslingen - Der Verband Deutscher Automobiltuner (VDAT) in Düsseldorf berichtet, dass die Trends für die vier optischen Zierstücke eines Automobils derzeit in Richtung Glanz und bisher ungeahnte Durchmesser gehen.

So unterschiedlich die angebotenen Räder auch geformt sind - eines haben sie bislang in der Regel gemein: Die Oberflächen sind durchweg mit einer silberfarbenen Lackschicht überzogen. Nun allerdings kommt bei immer mehr Anbietern und Käufern der Wunsch auf, sich auch farblich vom Rest der Autowelt zu unterscheiden. "Der Trend geht weg von der einheitlich silbernen Felge", sagt Otmar Kup, Sprecher des Zubehör-Herstellers Zender in Mülheim-Kärlich (Rheinland-Pfalz). "Man sieht öfter Räder in Wagenfarbe." Dabei handele es sich aber oft um Eigeninitiative des Autobesitzers, der die Räder lackieren lasse.

Die Rad-Hersteller setzen auf eine andere Idee, um dem Wunsch nach einem veränderten Erscheinungsbild entsprechen zu können. Vor allem geht es um Glanz, der mit Speziallacken oder auch dem fast vergessenen Chrom erreicht wird. "In den USA werden 80 bis 90 Prozent der Nachrüsträder mit Chromglanz verkauft", sagt Hans-Jürgen Tücherer, Sprecher des italienischen Rad-Herstellers OZ mit Deutschlandsitz in Biberach (Baden-Württemberg). Und was in den USA gefragt ist, entwickelt sich häufig auch hier zum Trend.

"Verchromte Räder gibt es schon lange, sie haben aber oft nicht lange gehalten"

Zunächst muss sich allerdings der Ruf des glänzenden Metalls als Rad-Zierde verbessern. Denn der hat in der Vergangenheit gelitten. Immer wieder gab es Versuche, Räder zu verchromen - mit der Folge, dass eine abblätternde Beschichtung das Erscheinungsbild nach einiger Zeit stark schädigte. "Verchromte Räder gibt es schon lange, sie haben aber oft nicht lange gehalten", so Steven Apro vom Rad-Anbieter Oxigin aus Esslingen bei Stuttgart. Der Grund liege darin, dass das steife Schwermetall Chrom und das "arbeitende" Leichtmetall der Räder sich nicht immer vertragen.

"Ein Rad unterliegt während der Fahrt gewissen Verwindungen", erklärt Apro. "Die Verchromung ist aber extrem hart." Die Folge waren Spannungen zwischen Chrom und Grundmaterial, die alsbald zu Rissen in der Beschichtung führten. So konnte Feuchtigkeit eindringen, die Chromschicht bröckelte. Bei Oxigin will man dem Phänomen nun mit einer anderen Methode Herr werden. Die Räder werden hier nicht - wie sonst typisch - in einem galvanischen Bad verchromt. "Unsere Methode ist eine Chrombedampfung." Nach dieser Behandlung wird die Oberfläche noch mit einem Klarlack geschützt.

Standard sind 17 Zoll: "Die Entwicklung bei den Größen geht permanent weiter"
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Standard sind 17 Zoll: "Die Entwicklung bei den Größen geht permanent weiter"

Während die Lust auf Glanz sich gerade erst durchsetzt, steht ein andere Trend in voller Blüte: der Trend zu immer größeren Rädern. "Die Entwicklung bei den Größen geht permanent weiter", sagt Joachim Joost, Vertriebsleiter des Radfabrikanten BBS in Schiltach (Baden-Württemberg).

Während Autohersteller vor wenigen Jahren vor allem Rädern mit Durchmessern von 15 oder 16 Zoll montierten, sind heute schon 17 Zoll Standard. Zubehör-Lieferanten unterscheiden ihre Produkte schon traditionsgemäß nicht nur durch anderes Design von den Werksrädern, sondern auch durch andere Größen. Mit der Folge, dass man hier zunehmend die Dimensionen 19 und 20 Zoll anbietet.

Solche Extras kommen nicht mehr nur bei Oberklasse-Modellen zum Einsatz. "19-Zoll-Räder gibt es schon für Mittelklasse-Modelle wie einen 3er-BMW oder den Audi A4", so OZ-Sprecher Tücherer. Die Obergrenze der Durchmesser ist damit jedoch noch nicht erreicht. Vor allem an stark motorisierten Geländewagen werden schon Räder mit Durchmessern von 21 oder 22 Zoll montiert. "Ohne Autos wie einen BMW X5 oder einen Porsche Cayenne würde man an Räder mit solchen Durchmessern noch gar nicht denken."

Je größer die Felge, desto dünner der Reifen: Bald nur noch Felgenschoner
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Je größer die Felge, desto dünner der Reifen: Bald nur noch Felgenschoner

So erstrebenswert die Riesenrad-Optik manchem Autofahrer erscheinen mag - sie hat auch Nachteile. Schließlich ist der mögliche Durchmesser eines Rades im Radhaus nicht unbegrenzt. Und wenn das metallene Innenteil größer wird, muss der Reifen dünner werden. "Die Reifen werden immer flacher - irgendwann sind sie nur noch eine Art Felgenschoner", warnt Ruprecht Müller, Techniker des ADAC in München. Ein extrem flacher Reifen kann kaum mehr helfen, Stöße von Fahrbahn-Unebenheiten abzufangen. Zusätzlich belastet werden in der Folge das Material der Felge, das Fahrwerk - und auch der Rücken des Insassen, der die Stöße abfangen muss.

Neben Glanz und Größe gibt es bei Rädern noch einen Trend: nämlich den, dass es in Sachen Design keinen einheitlichen Trend mehr gibt. Laut Otmar Kup von Zender wechseln Trendrichtungen immer schneller - mit der Folge, dass im Grunde erlaubt ist, was gefällt. Abseits schnelllebiger Mode-Designs findet laut Kup derzeit eine Renaissance beliebter Felgenformen vergangener Jahrzehnte statt - denn die wirken nicht so schnell alt, sondern eher klassisch.

Heiko Haupt, gms



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