Rallye Dakar 2008 Zum Jubiläum eine Premiere

Fast 600 Fahrzeuge fahren in vier Kategorien um den Sieg: Am Samstag startet in Lissabon die 30. Auflage der wohl härtesten Rallye der Welt - die Dakar 2008. Mit dabei: Vier Race Touaregs, mit denen Volkswagen erstmals einen Sieg einfahren möchte.


Rund 580 Fahrzeuge werden am Samstag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon an den Start gehen und sich auf den Weg in die senegalesische Stadt Dakar machen. Auf insgesamt 9273 Kilometern und 15 Etappen über holprige Schotterpisten und durch feinen Wüstensand werden die Besten in den vier Kategorien Pkw, Motorräder, Quads und Race-Trucks ermittelt. Bei den Pkw will Volkswagen an alte Erfolge anknüpfen: 1980 konnten der Schwede Freddy Kottulinsky und der Deutsche Gerd Löffelmann in einem VW Iltis die Rallye gewinnen, die damals noch Paris-Dakar hieß.

Danach haben die Wolfsburger keinen Sieg mehr erringen können. Seit 2004 nimmt Volkswagen wieder an der Dakar teil. Ein dieselgetriebener Touareg soll nun die Dominanz des Mitsubishi-Teams beenden, das die letzten sieben Ausgaben des Wüstenklassikers gewann. "Was Mitsubishi in den letzten Jahren bei der Dakar geleistet hat ist schon bemerkenswert", sagt Uwe Baldes, Motorsport-Sprecher bei Volkswagen, "aber wir fühlen uns bereit für den Sieg."

Bereits 2007 konnte der Touareg zehn Etappen gewinnen, doch über die Distanz war das Auto nicht zuverlässig genug. Die größten Chancen im Volkswagen-Team haben der Spanier Carlos Sainz und sein französischer Co-Pilot Michel Périn so wie Giniel de Viliers aus Südafrika mit seinem deutschen Beifahrer Dirk von Zitzewitz.

2000 Menschen auf dem Weg nach Dakar

Für den Sieg sollen nicht nur die Fahrer und Co-Piloten in den vier überarbeiteten Race Touaregs 2 sorgen, die jeweils mehrere 100.000 Euro kosten. Um bei der Dakar zu gewinnen, braucht man auch ein starkes Team, das im Hintergrund arbeitet. Volkswagen wird mit einer Karawane aus rund 80 Personen nach Dakar ziehen.

Die Mechaniker, Ingenieure, Ärzte und zahlreiche Helfer erreichen die Etappenziele auf einer speziellen Service-Route und errichten dort jeweils das Lager für das gesamte VW-Team. Damit die insgesamt knapp 2000 Zelt-Dorfbewohner der Rallye-Organisation und aller Teams optimal versorgt werden, stehen 20 Flugzeuge, zehn Hubschrauber, 54 Ärzte und pro Tag 1,5 Tonnen Nahrungsmittel zur Verfügung, die zu 70 Prozent vor Ort eingekauft werden.

Energy-Gels und Würstchen

Besonders die Ernährung der Fahrer auf den bis zu 829 Kilometer langen Etappen ist ein Problem. Bei Temperaturen bis zu 40 Grad müssen die Piloten viel trinken, Mineralien und Energie aufnehmen. Deshalb haben die Wolfsburger zusammen mit Ernährungswissenschaftlern ein spezielles Programm erarbeitet. Unterwegs sollen etwa spezielle Gels für ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr sorgen.

Dennoch essen einige Rennfahrer zwischendurch auch ganz alltägliche Snacks, wie es sie auch an jeder Tankstelle gibt: Sie stärken sich mit Keksen, Würstchen oder Gummibärchen. "Schließlich gibt es in der Wüste keine Restaurants", sagt Baldes. Orangensaft, Salate, ungeschältes Obst oder rohes Fleisch sind jedoch wegen der Infektionsgefahr für das gesamte VW-Team tabu.

Die diesjährige Rallye Dakar führt durch Portugal, Spanien, Marokko, Mauretanien und den Senegal. Bei der 30. Ausführung sind viele Etappen entweder gänzlich neu oder wurden seit mehreren Jahren nicht mehr gefahren, so dass sie den meisten Fahrern unbekannt sind. Diese Abschnitte sind auch die größten Herausforderungen für die Teams, "besonders die in Mauretanien", sagt Baldes. Dort ist das Navigieren im Meer aus Sand besonders schwierig, weil es so gut wie keine Orientierungspunkte gibt. Außerdem bleiben die Fahrzeuge leicht den Dünenbergen stecken, die schon 1994 zahlreichen Fahrern zum Verhängnis wurden.

Eine Motorhaube als Hilferuf

Über tückische Streckenabschnitte dürfen Teamkollegen einander nicht informieren, während des Rennens ist es verboten, über Funk oder Telefon zu kommunizieren. Zwar hat jedes Fahrzeug ein Satelliten-Telefon an Bord, doch das darf nur im Notfall benutzt werden - und selbst dann wird der Fahrer aus der Wertung genommen. Sollte während einer Etappe ein Defekt auftreten, den die Fahrer nicht ohne Hilfe beseitigen können, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als auf einen der Race-Trucks aus dem eigenen Team zu hoffen, die mit bis zu 1,5 Tonnen Reifen, Werkzeug und Ersatzteilen beladen sind.

Doch die müssen das havarierte Fahrzeug erst finden, weshalb die Unglücks-Fahrer schon mal mit einer im Sand aufgestellten Motorhaube auf sich aufmerksam machen. Solche Probleme will man bei VW jedoch gar nicht erst haben, sondern am 20. Januar als schnellster über die Ziellinie in Dakar fahren. Damit würden die Wolfsburger auch gleich eine Premiere feiern, denn es wäre das erste Mal, dass ein Auto mit Dieselmotor die Rallye Dakar gewinnt.



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