Rallye Monte Carlo Historique Altmetall im Drift

Die Rallye Monte Carlo wird in diesem Jahr hundert Jahre alt. Das Flair von früher aber spürt man am ehesten bei der Rallye Monte Carlo Historique, deren 14. Auflage in den frühen Morgenstunden nach der berüchtigten "Nacht der langen Messer" an Monacos Hafen endete. 

Von Jürgen Pander


Mit der Aufgabe schien Rallye-Legende Rauno Aaltonen zunächst unterfordert. Den Anstieg zum Col du Turini, die letzte Etappe der legendären Rallye Monte Carlo mitten in der Nacht, galt es nicht etwa mit maximalem Tempo zu absolvieren, sondern möglichst mit gleichmäßigem Tempo. Und zwar mit 50 Kilometern pro Stunde.

Auf den ersten Blick eine gemütliche Geschwindigkeit. Doch am Col du Turini? "Damals ging es um die höchste Geschwindigkeit", erinnert sich der Monte-Sieger von 1967. "Doch die geforderten 50 Kilometer pro Stunde waren auf manchen Abschnitten sehr schwer zu erreichen."

Am Ende ging es dem Rallye-Veteran jedoch nur um den Spaß und darum, dem berühmtesten Autorennen der Welt zum 100. Jubiläum Ehre zu erweisen. Mit seinem Beifahrer Helmut Artacker belegte er im Mini Cooper S den 109. Rang im Gesamtklassement. Auf der letzten Etappe, der Nacht der langen Messer, hatte er noch 16 Plätze verloren. Sieger wurden die weit weniger bekannten Mario Sala und Maurizio Torlasco mit einem Porsche 911.

Die Rallye Monte Carlo gilt seit Jahrzehnten als Inbegriff des Motorsport-Spektakels überhaupt. Verwegene Rennfahrer, halsbrecherische Gebirgssträßchen, unkalkulierbares Wetter und Volksfeststimmung an wichtigen Streckenpunkten wie dem 1607 Meter hoch gelegenen Col de Turini im Hinterland des Fürstentums Monaco. Seit 14 Jahren veranstaltet der "Automobile Club de Monaco" in Erinnerung an die Heydays der irrwitzigen Wettfahrt, als Erik Carlsson in einem Saab 96 mit Zweitaktmotor gewann (1962, 1963), als eine Horde wildgewordener Mini die Monte auf den Kopf stellte (Siege 1964, 1965, 1967) oder als Walter Röhrl 1982 mit einem heckgetriebenen Opel Ascona die Quattro-Allradler von Audi düpierte und zum zweiten Mal nach 1980 die Rallye gewann.

Sternfahrt nach Monaco

Gemäß dem Reglement sind bei der "Histo-Monte" ausschließlich solche Fahrzeuge zugelassen, die einerseits den gesetzlichen Verkehrsbestimmungen entsprechen und von denen ein ähnliches Modell an einer Rallye Monte Carlo zwischen 1955 und 1977 teilnahm. In diesem Jahr gingen 328 Autos von 42 Marken aus 24 Ländern an den Start, darunter Klassiker wie Porsche 911 Carrera RS, Alpine A 106 oder Ford Escort RS, aber auch exotische Racer vom Schlag eines Denzel 1300, eines Lloyd Arabella oder eines Trabant 601.

Wie früher auch, ist die historische Rallye zunächst als Sternfahrt nach Monaco organisiert. Startorte waren in diesem Jahr Marrakesch, Glasgow und Warschau. Autos der Baujahre vor 1966 oder Rennwagen mit Motoren von weniger als 1150 Kubikzentimeter mussten nicht ganz so weit und strapaziös anreisen, für sie waren die Startorte Barcelona oder Reims ausersehen. Die Regelung, die Fahrzeuge mit kleinvolumigen Motoren bevorzugte, wurde übrigens kurz nach der Monte von 1960 verabschiedet; damals hatten drei Mercedes "Heckflosse" das Rennen auf den Plätzen eins, zwei und drei beendet, und es war Zeit für die französisch-monegassischen Veranstalter für etwas Patriotismus. Prompt gewann im Jahr darauf der Franzose Maurice Martin auf einem Panhard.

Der frühe Trend zum Downsizing bei der Rallye Monte Carlo rief aber vor allem ein englisches Auto auf den Plan, mit dem keiner gerechnet hatte: den Mini. Ab 1964 dominierten die wendigen Racer von der Insel zwischen den Schneewehen der Seealpenpässe. Dreimal gewann ein Mini, und eigentlich lagen auch 1966 im Ziel vier Mini-Fahrer auf den ersten vier Plätzen - ehe sie wegen angeblich unerlaubter Scheinwerfer disqualifiziert wurden und der bis dahin Fünftplatzierte den Sieg davontrug. Es war der Finne Pauli Toivonen auf Citroën DS.

Hersteller nutzen die Bühne des legendären Rennsportspektakels

Schon im Jahr darauf war der Skandal wieder vergessen, und Rauno Aaltonen siegte, zum dritten und letzten Mal, auf Mini.

Die inzwischen zu BMW gehörende Marke Mini stellt am Rande der Rallye den neuen WRC-Rennwagen vor, der noch im Laufe dieser Saison an den Start gehen und die alte Vollgas-Tradition der englischen Kleinwagen wieder aufleben lassen soll.

Überhaupt engagieren sich immer mehr Hersteller bei Veranstaltungen wie der Histo-Monte. Denn besser als bei solchen Ereignissen lässt sich die eigene Unternehmensgeschichte, zumal die Motorsporttradition der Marke, kaum in Erinnerung halten. Für ein starkes Image ist in der Autobranche ein Anekdoten-sattes Erbe kaum zu unterschätzen. Deshalb ja investieren viele Hersteller Millionen von Euro in pompöse Museumspaläste, engagieren sich als Mitveranstalter von sogenannten Concours d'Elegance, also automobilen Schönheitswettbewerben, oder lassen rasantes Altmetall aus dem Autoarchiv bei historischen Rennen starten.

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Aeris 02.02.2011
1. Rallye Monte... Roulette de Karamabolage
Falls es gestattet ist, möchte ich auf mein Thema im Motorblöckchen hinweisen. Neben vielen Fotos vom Start in Bad Homburg, hat hier u.a. mein Freund und ehemaliger AVD - Pressesprecher Johannes Hübner in unnachahmlicher Art einige Etappenberichte geschrieben. http://motorbloeckchen.com/?p=20067 .
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