Realere Spritverbräuche EU einigt sich auf strengere Abgastests

Seit Jahren diskutiert die EU über einen strengeren Abgastest für Neuwagen, nun haben sich wichtige Institutionen grundsätzlich auf eine Lösung geeinigt. Für Autofahrer zeichnet sich ein Vorteil ab.

Auto-Abgase
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Auto-Abgase


Die Europäische Union will mit einem neuen, globalen Abgastest die Lücke zwischen realem Verbrauch und den utopischen Prospektangaben der Hersteller schließen, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Ab September 2017 soll der sogenannte WLTP (Worldwide harmonised Light Vehicle Test Procedure) zunächst für Fahrzeuge mit neuer Typgenehmigung Anwendung finden. Ein Jahr später solle das Verfahren für alle Neuwagen gelten.

Der aktuelle Test (NEFZ) war in die Kritik geraten, weil er den Herstellern zahlreiche Schlupflöcher bietet. Mit legalen Tricks erzielt die Autoindustrie derzeit noch niedrige Verbräuche, die von den Kunden in der Praxis oftmals nicht annähernd erreicht werden. Die Lücke zwischen Labor und Realität war zuletzt auf acht bis mehr als 40 Prozent angewachsen.

Nach Ansicht der EU-Kommission bildet das neue Testverfahren einen großen Anreiz für Autobauer, neue Technologien für einen geringeren CO2-Ausstoß und damit spritsparende Autos zu entwickeln. Das EU-Parlament und der EU-Rat müssen den Plänen noch zustimmen.

Test zur Ermittlung von Stickoxiden

Die Umweltschutzorganisation Transport and Environment (T&E), die auch den VW-Abgasskandal ins Rollen brachte, begrüßte die grundsätzliche Einigung, welche die EU-Mitgliedsstaaten, die Kommission und das Parlament in der Nacht von Dienstag erzielten. "Das ist ein Sieg für Autofahrer, denn sie erhalten realistischere Angaben zum Spritverbrauch", sagte T&E-Direktor Greg Archer laut einer T&E-Mitteilung.

Neuwagen dürfen nach 2020 im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 ausstoßen. Die EU wird voraussichtlich dieses oder kommendendes Jahr neue Standards für den CO2-Ausstoß und den Kraftstoffverbrauch für die Zeit nach 2020 präsentieren.

Im Februar hatte Brüssel bereits einen neuen Fahrtest zur Ermittlung von Stickoxiden (NOx) unter realen Straßenverkehrsbedingungen verabschiedet - den sogenannten RDE (Real Driving Emission). Hohe Stickoxid-Emissionen sind vor allem ein Problem von Dieselfahrzeugen.

mhu/Reuters



insgesamt 91 Beiträge
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KaWeGoe 15.06.2016
1. Es braucht gar keine Tests für realere Spritverbrauchsangaben !
Vorschlag: Die Hersteller können selbst benennen, wie viel Sprit ihr Fahrzeug im Realbetrieb im Durchschnitt verbrauchen wird. Dieser Wert bildet die Grundlage für die Typzulassung. Sobald Fahrzeuge im Realbetrieb sind, wird bei jedem Werkstattbesuch und bei jedem TÜV-Termin der Bordcomputer ausgelesen und Fahrtstrecke und Spritverbrauch an die Zulassungsbehörde gesandt. Mit der so gewonnen realen Gesamt-Fahrtstrecke und dem Gesamt-Verbrauch aller Fahrzeuge diesen Typs wird der reale Verbrauch (Summe aller Verbräuche / Summe aller Fahrtstrecken * 100) ermittelt und veröffentlicht. Überschreitet der ermittelte Wert den vom Hersteller genannten Wert um mehr als 10 % erlischt mit sofortiger Wirkung die Betriebserlaubnis aller Fahrzeuge dieses Fahrzeugtyps. Für den Schaden haftet der Hersteller. Ich bin mir rel. sicher, dass mit einem derartigen Verfahren die Betrügerei ein schnelles Ende hätte.
magicveloce 15.06.2016
2. Potemkin
Ein Gesetz, das nicht kontrolliert und sanktioniert wird ist leider nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht.
dasauge17 15.06.2016
3. das geht dann nur elektrisch
eine 3t-Sicherheitslimosine zu bewegen. Denn an der Sicherheit sollte man nicht sparen.
kasam 15.06.2016
4. Ein Anfang ist gemacht, wenn sich die Abgas-Mafia daran hält
ist es ok..... Nur wer 1000 mal lügt, dem glaubt man nicht so leicht. Ich trau der verschworenen Gemeinschaft nicht plötzlich ehrlich zu werden......Mal schauen.......
sheesh 15.06.2016
5. Riesen Vorteil für Autofahrer
Dann müssen aber auch die Co2-Grenzen neu verhandelt werden. Man kann nicht einfach die Bemessungsgrundlage ändern und die "alten" Grenzwerte beibehalten. Für den Autofahrer zeichnet sich der super Vorteil ab, dass die Kfz-Steuer steigen kann.
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