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Bio-Autoreifen: Die Kräutermischung macht's

Foto: Bridgestone

Reifen aus nachwachsenden Rohstoffen Grünzeug auf der Felge

Die Reifenindustrie ist abhängig - und sucht nach Ersatzstoffen für Rohöl, aus dem heutige Autoreifen zum Großteil bestehen. Die Ersatzdrogen sind Sojaöl, Löwenzahnwurzeln und Saft aus Wüstensträuchern. Klingt irre? Erste Tests machen Hoffnungen auf den baldigen Einsatz von Bio-Pneus.

Mit kaum einer anderen Maßnahme lässt sich beim Auto auf einen Schlag so viel beim Verbrauch einsparen wie bei der Wahl des richtigen Gummis. Bis zu fünf Prozent weniger Spritkonsum lässt sich durch den Einsatz sogenannter Leichtlaufreifen erzielen. Kein Wunder, dass die Hersteller gerne zu den Pneus greifen, um ihre CO2-Ziele zu erreichen.

Die Reifenhersteller jedoch arbeiten selbst daran, die Pneus umweltfreundlicher und nachhaltiger herzustellen. Ihr Ziel: Den Rohölverbrauch bei der Pneuproduktion drastisch zu reduzieren - und zugleich einen Ersatz für den knappen Rohstoff Naturkautschuk zu finden.

Naturkautschuk stammt derzeit fast immer vom mittelamerikanischen Kautschukbaum, dessen Rinde angeritzt wird. Der dann hervortretende, weißliche Saft wird aufgefangen und später zu Gummi verarbeitet. Das Problem: Die Bäume wachsen langsam, frühestens im Alter von fünf Jahren dürfen sie zum ersten Mal angeritzt werden und ihr Bestand lässt sich nicht wie benötigt vergrößern.

Auf Bio-Reifen ins post-petrochemische Zeitalter

Die Folge: Inzwischen wird ein großer Teil des weltweiten nachgefragten Kautschuks synthetisch hergestellt - und dazu braucht es Rohöl. Die Reifenindustrie ist damit stark abhängig vom Rohölpreis, denn Öl macht rund 65 Prozent der Bestandteile eines normalen Pkw-Pneus aus.

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Altreifenverwertung: Schutz mit alten Gummis

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Das soll sich radikal ändern. Der Reifenhersteller Bridgestone hat kürzlich einen Reifen präsentiert, der komplett aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt ist. Der synthetische Kautschuk und der Ruß für die Gummimischung wurden nicht mehr aus fossilen Rohstoffen, sondern aus Biomasse gewonnen. Der in dem Prototypen verwendete Naturkautschuk beispielsweise stammt von der Guayule-Pflanze, einem Zwergstrauch aus den Wüstengegenden Mexikos und dem Südwesten der USA. Der Ruß wiederum wurde aus pflanzlichem Öl gewonnen und die Gewebeschichten, die normalerweise aus Synthetik-Fasern bestehen, fertigte Bridgestone aus Zellulosefasern.

Rohöl wird für diesen Reifen nicht mehr gebraucht. Mit solchen Pneus könnte die Branche deswegen in die post-Petrochemische Ära rollen. Zumal die ersten Praxisversuche laut Herstellerangaben verheißungsvoll verliefen. Der Naturreifen sei in seinen Eigenschaften vergleichbar mit den derzeit auf dem Markt befindlichen Reifen. Rollwiderstand, Bremseigenschaften und Straßenhaftung sind demnach genauso gut wie bei herkömmlichen Gummis. Bridgestone kündigt daher an, der Pneu solle ab 2020 auf den Markt kommen.

Löwenzahnsaft und Sojaöl im Autoreifen der Zukunft

Auch andere Hersteller haben die Notwendigkeit von alternativen Materialien erkannt. Continental beispielsweise forscht an der Herstellung von Kautschuk aus den Wurzeln des sibirischen Löwenzahns. Wann ein derartiger Reifen mit Gummi aus Blümchenextrakt auf den Markt kommt, steht aber noch nicht fest. "Wir sind der Meinung, dass man einen Prototypen erst dann präsentieren sollte, wenn dieser nahezu marktreif ist. Die Verfahren an denen wir arbeiten sind derzeit aber noch nicht reif für die Industrialisierung", sagt Continental-Sprecher Klaus Engelhart.

Der amerikanische Konzern Goodyear wiederum arbeitet zusammen mit der Firma DuPont Industrial Bioscienses an der Entwicklung biologischer Isoprene, aus denen ebenfalls ohne Verwendung von Erdöl Kautschuk hergestellt werden kann. Darüber hinaus fanden die Goodyear-Entwickler heraus, dass sich die Verwendung von Sojaöl positiv auf die Eigenschaften von Autoreifen auswirkt.

Sojaöl erhöht nämlich die Laufleistung und damit die Lebensdauer der Pneus - und ist zudem ein Beitrag, um den Rohölanteil im Reifen zu reduzieren. Derzeit werden die Soja-Reifen auf einem Versuchsgelände in Texas getestet. Falls die Tests die positiven Erwartungen bestätigen, könnte der Pneu ganz schnell ins Rollen kommen. Goodyear rechnet mit einer Markteinführung im Jahr 2015.

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