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03. Oktober 2005, 10:01 Uhr

Reifenluftdruck

Aufpumpen zum Spritsparen

Je höher die Kraftstoffpreise, desto höher die Bereitschaft der Autofahrer zu Sparmaßnahmen. Zwar steckt das größte Sparpotential im rechten Fuß des Fahrers, doch es gibt weitere Möglichkeiten, den Verbrauch zu senken: etwa durch die Erhöhung des Reifendrucks.

Die Rechnung scheint einfach zu sein: Ein erhöhter Luftdruck im Reifen senkt den Rollwiderstand und damit den Kraftstoffverbrauch des Autos. Wie schön! Einfach die Reifen bis zum Maximalwert aufpumpen, und schon ist die letzte Benzinpreiserhöhung wieder ausgeglichen - mit ein bisschen Luft, die es umsonst an der Tankstelle gibt. Ganz so schlicht ist der Zusammenhang aber leider nicht. Und es stimmt zwar, dass mit steigendem Fülldruck der Rollwiderstand sinkt, doch dafür erhöht sich der Verschleiß des Reifens, und damit kann von einer Sparmaßnahme keine Rede mehr sein. Was also ist zu tun?

Reifendruck-Kontrolle: Durch leichtes Erhöhen des Fülldrucks lässt sich der Spritverbrauch senken
DPA

Reifendruck-Kontrolle: Durch leichtes Erhöhen des Fülldrucks lässt sich der Spritverbrauch senken

Zunächst einmal sollten sich Autofahrer darüber im Klaren sein, welche Konsequenzen eine Veränderung des Reifendrucks hat. Maximilian Maurer, Technikexperte des Automobilclubs ADAC, empfiehlt, zuallererst die in der Betriebsanleitung des Autos angegebenen Drücke zu beachten. "Diese Druckangaben des Herstellers sind in der Regel der beste Kompromiss zwischen den Anforderungen, die das Fahrzeuggewicht, die Beladung, die Haftung, der Rollwiderstand und der Fahrkomfort an den Reifen stellen." Ein Unterschreiten dieser Werte führt in jedem Fall zu Nachteilen; fällt der Reifendruck deutlich ab, wird dies zum ernsten Risiko: Sowohl die Tragfähigkeit als auch die Fahrstabilität und Hochgeschwindigkeitstauglichkeit sinken dramatisch - die Unfallgefahr wird größer.

Es ist daher unbedingt notwendig, in regelmäßigen Abständen - am besten bei jedem zweiten oder dritten Tankstopp - den Reifenfülldruck zu kontrollieren. Das gilt uneingeschränkt, denn jeder Reifen verliert Luft. Selbst wenn dieser Druckverlust extrem langsam vonstatten geht - irgendwann wird die kritische Grenze unterschritten, und so weit sollte man es auf keinen Fall kommen lassen.

Welche Folgen aber hat nun das Überschreiten des empfohlenen Luftdrucks? "Auch in diesem Fall gibt es mehrere Konsequenzen, die ein Autofahrer berücksichtigen muss", sagt Maurer. Wird der Luftdruck erhöht, sinkt auf jeden Fall der Rollwiderstand, was beim Spritsparen hilft. Gleichzeitig aber wird auch die Aufstandsfläche des Reifens auf der Straße etwas geringer, wodurch einerseits die Haftung abnimmt und andererseits der Reifen in der Mitte überdurchschnittlich stark abgenutzt wird. In Extremfällen kann dieser Verschleiß die Lebensdauer des Reifens deutlich verkürzen. Eine weitere Folge von überhöhtem Luftdruck ist der verminderte Fahrkomfort. Die Reifen werden härter, sie können Fahrbahnunebenheiten, Stöße und Vibrationen nicht mehr so gut abfedern.

Was also ist zu tun? ADAC-Mann Maurer schlägt vor, den Luftdruck bis maximal 0,5 bar über den vom Hersteller angegebenen Wert anzuheben. "Wenn in der Betriebsanleitung beispielsweise 2,0 bar angegeben sind, so sind 2,2 oder 2,3 bar sicher ein vernünftiger Wert, wenn man möglichst spritsparend fahren möchte", erklärt Maurer. Man müsse sich allerdings im Klaren darüber sein, dass die Ersparnis durch eine solche Druckerhöhung "sich natürlich nicht in Kürze in Litern messen lässt". Dass Reifenhaftung und Komfort bei einer solchen Fülldruckerhöhung etwas abnähmen, nehme er in Kauf, sagt Maurer. "Da ich ein eher langsamer Fahrer bin und mir der Fahrkomfort auch bei etwas härteren Reifen vollkommen ausreicht, gebe ich der verbesserten Wirtschaftlichkeit den Vorzug."

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