Renault Clio, Baujahr 1998 Die Zeit beißt sich die Zähne aus

Für Renault ist der Clio so wichtig wie für VW der Golf. Deshalb haben die Franzosen in den R5-Erben viel investiert. Mit Erfolg: Bei der Testfahrt von SPIEGEL ONLINE kann selbst ein acht Jahre alter Gebrauchter mit einigen Neuwagen von heute mithalten.


"Für mich muss ein Auto vor allem sicher und komfortabel sein." Das waren die Forderungen, die vor acht Jahren zum Kauf eines Clio geführt haben. Denn 1998, als die Franzosen die zweite Generation ihres Kleinwagens auf den Markt brachten, war es mit der Ausstattung bei Kompaktautos noch nicht sonderlich weit her. Von einem ESP war noch nicht die Rede - auch nicht bei Renault. Doch immerhin waren in der gehobenen Ausstattungsversion RXE schon Front- und Seitenairbags serienmäßig an Bord. Und während man bei vielen deutschen Wettbewerbern die Türen noch von Hand verriegeln musste, gab es hier die Funkfernbedienung ohne Aufpreis.

Außerdem ab Werk verbaut wurden ein Drehzahlmesser, elektrische Fensterheber, der Bordcomputer und ein damals wirklich fortschrittlicher Radio-Bediensatellit am Lenkrad. Wer dann noch Musik- und Klimaanlage sowie den Metallic-Lack bestellt hatte, der fuhr ein Auto, das zwar außen klein war, es innen aber auch mit einigen Großen aufnehmen konnte und selbst heute noch ganz ordentlich auf der Straße steht – nicht umsonst wird der "alte" Clio von 1998 nach verschiedenen Designauffrischungen weiterhin gebaut und verkauft, obwohl seit ein paar Monaten eine völlig neue Generation auf dem Markt ist.

Das Design des '98er Modells allerdings wirkt heute nicht mehr ganz so frisch. Während damals natürliche Formen kolossal cool waren, lassen ihn die großen Glubschaugen-Scheinwerfer, die breiten Hüften und die halbrunde Glashaube am Heck mittlerweile ziemlich pummelig aussehen. Von der Dynamik heutiger Kleinwagen ist noch nicht viel zu spüren. Dafür wirkt der Innenraum auch acht Jahre nach der Produktion noch ganz adrett: Die Platzverhältnisse waren schon damals in Ordnung, die aufklappbaren Kopfstützen zeugen vom frühen Engagement gegen das Schleudertrauma und das hellgraue Cockpit könnte auch im Jahrgang 2006 noch vom Band laufen. Allerdings nur, wenn man den Staub aus den Ritzen wischt und von einigen Fugen absieht, die im Lauf der Jahre etwas breiter geworden sind.

Unter der Haube nagt er dann doch, der Zahn der Zeit

Trotz allem sieht der in unserem Fall silberne Clio so aus, als hätte sich die Zeit an ihm die Zähne ausgebissen. Dafür jedoch nagt dieser Zahn unter der Motorhaube. Während der Lack noch glänzt und das Interieur noch fleckfrei ist, sieht man dem Motor seine Betriebsjahre an. Die Versiegelung ist längst abgeblättert, so dass hie und da angelaufenes Metall zu sehen ist. Rost allerdings sucht man auch hier vergebens.

Beim Fahren merkt man dem 1,4-Liter sein Alter noch nicht an. Er startet nach wie vor ohne Probleme, schnurrt wie am ersten Tag und ist mit seinen 75 PS allemal stark genug für den Clio. Der Vierzylinder ist quirlig und drehfreudig, hängt gut am Gas und treibt den Fünftürer, wenn es sein, muss laut Tacho mit fast 180 Sachen über die Autobahn. Doch so eilig ist dieser Clio nur selten unterwegs, weil er meist nur die Kurzstrecke zum Arbeitsplatz bewältig. "In der Stadt genieße ich den kleinen Wendekreis und komme in jeden Parkplatz", sagt die Besitzerin stolz. Wenn man ihn mit geizigem Ehrgeiz fährt, ist er im Mittel mit 5,9 Liter Treibstoff zufrieden. Tritt man kräftig aufs Gas, werden es auch mal acht oder mehr.

Große Reparaturen hat dieser Clio noch nicht hinter sich: Hier eine kleine Beule in der Tür, dort ein neuer Auspuff. Wären da die nicht die hungrigen Marder und Eichhörnchen in der Nachbarschaft, die Werkstatt sähe den Wagen nur zum Ölwechsel, zur AU und zur Hauptuntersuchung – und auch dort gab es bislang keine nennenswerten Klagen. "Mal waren die Bremsbeläge verschlissen, und mal mussten die Stoßdämpfer ausgewechselt werden. Aber größere Reparaturen haben die Prüfer bislang nicht verlangt", sagt die Besitzerin.

Mängel sind Mangelware bei der Hauptuntersuchung

Diese positiven Erfahrungen bei TÜV & Co sind offensichtlich kein Einzelfall, bestätigt Christoph Diwo, der technische Leiter der Sachverständigen-Organisation KÜS: "Der Renault Clio wird häufiger als der Durchschnitt ohne festgestellte Mängel geprüft", zitiert er die Statistik. Allerdings gibt es drei Ausnahmen: "Bei der Hauptuntersuchung fällt der französische Kompaktwagen mit Problemen an der Staubmanschette links am Lenkgetriebe auf." Außerdem werde öfter ein Bruch der rechten Hinterachsfeder festgestellt. "Und immer wieder mal bescheinigen die Prüfingenieure Ölverlust an Motor und Antrieb."

Als Neuwagen war der Clio mal ein richtig teures Auto: Mit Null Kilometern hätte der Wagen vor acht Jahren rund 28.000 Mark gekostet, erinnert sich die Besitzerin, die ihn mit 12.000 Kilometern Vorlauf als günstigen Gebrauchten aus erster Hand erwerben konnte. Heute dagegen ist er nach einer aktuellen Berechnung von EurotaxSchwacke im Einkauf nur noch 4450 Euro und im Verkauf 5400 Euro wert – und das, obwohl er mit 45.000 Kilometern überdurchschnittlich wenig gelaufen ist und außer dem Glasdach jedes Extra von der Klimaanlage bis zum CD-Radio mitbestellt wurde. Aber "Altmetall" ist ein Bergriff, mit dem die Besitzerin trotz allem ihre liebe Mühe hat.

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Jens-Kiel, 17.07.2006
1. Renault Clio Bj. 2000 - Nie wieder Renault
Mein Renault Clio Bj. 2000 hält sich nicht an die Lobpreisungen im Artikel auf Spiegel-Online. Vielmehr kostet er mich jährlich zwei Werkstattaufenthalte und mittlerweile zwei gerichtliche Auseinandersetzungen mit (Vertags-)Werkstätten, die für viel Geld Fehler beheben, die nach zwei Wochen wieder auftreten. Angeblich sind es dann aber andere. Ich dachte erst, es wäre ein Montagsauto, aber angesichts der Tatsache, dass ich ihn gebraucht nicht zu einem vernünftigen Preis los werde, haben wohl auch andere schon die Erfahrung gemacht, dass es sich um einen Saison-Wagen handelt, dessen Saison allerdings noch nie war und auch nicht mehr kommen wird.
Adler4ever, 17.07.2006
2. Renault Clio
Ich habe einen Renault Clio, Baujahr 1998, und ich bin super zufrieden mit ihm. Ich würde mir jederzeit wieder einen kaufen. Mein Clio hat jetzt auch schon über 50.000 km auf dem Buckel, aber ich hatte bisher noch nie wirkliche Probleme oder Reparaturen. Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem Clio!
Easyrider1958, 17.07.2006
3. Ich fahre
selbst einen Renault R19, Bj. 1992, mit mittlerweile über 220000 Kilometern auf dem Buckel, ein Benziner, versteht sich! Natürlich waren im Laufe der Jahre Reperaturen fällig, aber unterm Strich muss ich sagen, dass ich mit dem Auto mehr als zufrieden bin, er hat mich nie im Stich gelassen, Sommer oder Winter, andere Autos sprangen nicht an, Neuwagen teilweise, mein Renault war immer da. Zudem hat er "gearbeitet, hat Umzüge mitgemacht, sich gut beladen lassen, lange Urlaubsreisen vollgepackt mit "Uns" Vieren und Gepäck alles Duldsam ertragen! Als ich ihn damals kaufte, war für mich die Optik ausschlaggebend, Athrazitschwarz metallic, für mich heute noch relativ breite 185er Alufelgen, schöne gemütliche Innenausstattung, Fernbedienung der Türen, des Fensterhebers, der Außenspiegel, des Radios. Damals nicht selbstverständlich. Front- und Heckspoiler...was sag ich...er war und ist toll...uns trennt nur der Schrottplatz...zum feilschen mit einem möglichen Käufer, Händler oder Privat, ist er mir zu schade...möchte nicht hören, da ist noch ne Macke, und da auch, ist wie mit Alten Menschen: Sie haben sich ihre Schwächen verdient und müssen deshalb nicht gedemütigt werden. Bis dann Gruss Randolf
wolfgangl, 17.07.2006
4.
---Zitat von sysop--- Der Verkehr auf deutschen Straßen wird von Altwagen dominiert, die fünf, zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Renault-Modellen? ---Zitatende--- Um Probleme zu haben reicht es völlig aus, einen neuen Espace zu kaufen. Diesen Fehler habe ich 1999 begangen. Ein wirklich schönes Auto, das in 4 Jahren mit über 20 Werkstattbesuchen und enormen Kosten zum Alptraum wurde. Motoraufhängung und Stoßdämpfer wurden in vielen Reparaturversuchen bearbeitet. Der Ölkühler war undicht und wurde für schlappe 2500 DM repariert. Garantie - Nein, wir wissen ja nicht ob sie damit ausgesessen sind. Zum Schluß war das Rohr zum hinteren Auspofftopf durchgerostet. Gibt es naturlich nur als Monsterersatzteil für knappe 1000 Euro. Der Fehler am Radio ließ sich trotz Demontage des gesamten Amaturenbretts (nach Ausbau der Winschutzscheibe) nicht finden. Bin ich froh, dass die Kiste meinen Geldbeutel nicht mehr leer frißt... ;-)
Sozialkonsilib, 17.07.2006
5. Renault 21 (vor Laguna)
Hatte 8 Jahre einen R 21 Fließheck. Bei 50 Tkm Kühler im Eimer, bei 95 Tkm Kopfdichtung, kurz danach Kabelbrand vom Nebelscheinwerfer bis ins Tachogehäuse, keine Sicherung gekommen. 4 Wochen auf den neuen Kabelbaum gewartet u.s.w. Ich fahre jetzt mit einem VW kostengünstiger. Renault noch mal schließe ich aus. Obwohl die Karosse für damalige Verhältnisse sehr zweckmäßig war. Der Verkaufserlös war katastrophal.
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