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Fahrbericht Renault Clio R.S. Trophy: Renaults Rennsemmel

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Fahrbericht Renault Clio R.S. Trophy Vollgas für Dummies

Einmal Rennfahrer sein! Mit dem Renault Clio R.S. Trophy kann man diesen Traum gut ausleben: Kein anderes Auto dieser Klasse ist so konsequent auf Rennwagen getrimmt, Vollgasfahrschule inklusive.

Der Renault Clio R.S. Trophy hat eine Funktion, die in den Autofahreralltag ungefähr so gut passt wie ein Kanonenschlag ins Tischfeuerwerk - die Launch-Control. "Für aufregende Starts, die auch den allerbesten Fahrern würdig sind", heißt es auf der Renault-Homepage dazu etwas schief. Konkret sieht es so aus: Ein gleichzeitiges Heranziehen der Schaltpaddels am Lenkrad aktiviert das System. Dann den linken Fuß auf die Bremse stemmen, mit dem rechten das Gaspedal durchtreten. Die Motordrehzahl schießt auf 2500 Touren. Jetzt den linken Fuß lupfen - und das Auto schnellt unter infernalischem Lärm voran.

Es fühlt sich schon fast gewalttätig an, und es ist ganz leicht. Die elektronische Getriebesteuerung und Antriebsschlupfregelung dosieren die Kraft genau so, dass der Wagen ohne durchdrehende Räder maximal beschleunigt. Die weiteren Gänge werden automatisch und ohne Schlupf an den Vorderrädern durchgeschaltet, auf Wunsch bis zur Höchstgeschwindigkeit, theoretisch jedenfalls.

Beim Praxistest gehe ich nach ein paar Sekunden wieder vom Gas, denn ein Polizeiauto kommt in Sicht. Ob es meinetwegen hier ist, kann ich nur vermuten, aber was sonst sollten die Beamten in einer abgelegenen, unbewohnten und menschenleeren Sackgasse suchen? So viel aber steht nach diesem Kurztest fest: Die Launch Control gehört eigentlich auf die Rennstrecke. Und damit ist das Wesen dieses Autos eigentlich schon präzise zusammengefasst.

Der Bordcomputer rät: "Entfernen Sie die Spoiler"

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Kleinwagen oder Kompaktwagen, die vom Hersteller in die werkseigene Muckibude geschickt und als Rennsemmeln für den Alltag verkauft werden. Renault meint es damit aber offenbar besonders ernst. Das zeigt sich schon, noch bevor überhaupt der Motor brummelt: Über das Display des Multimediasystems flimmert nämlich der "R.S.-Monitor."

Das Ding ist eine Art Vollgas-Fahrschulprogramm für Rennsport-Novizen. Wird es im Menü des Bordcomputers aktiviert, erteilt es Schritt für Schritt Lektionen, was man wie zu tun hat, wenn man schnell Auto fahren möchte. Kostprobe: "Wenn Sie zum ersten Mal auf einer Rennstrecke unterwegs sind, fahren Sie in einem höheren Gang als sonst, um die Kurven einige Runden lang zu testen. Sobald Sie sich an die Strecke gewöhnt haben, wählen sie einen niedrigeren Gang und Sie werden Kurven leichter bewältigen können." Oder: "...wenn sich ihre Bremsen auf der Strecke überhitzen, entfernen Sie die Spoiler, um die Bremskühlung zu verbessern." (Wie dieser Tipp umzusetzen ist, klärt sich am Ende des Textes).

Der Renault Clio R.S. Trophy im Video

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Der Lehrgang ist nur eine von mehreren Funktionen des R.S.-Monitors, der 290 Euro Aufpreis kostet. Außerdem lassen sich - ähnlich wie in einem Formel-1-Cockpit - diverse Leistungsdaten in Echtzeit abrufen. Das zentrale Display informiert dann unter anderem über Turboladedruck, Belastung der Bremsen sowie Quer- und Längsbeschleunigung. Eine Stoppuhr misst Rundenzeiten und den Spurt von 0 auf 100 km/h.

Straßentauglicher Kompaktrenner

Damit der persönliche Rundenrekord auch wirklich gelingt, verbergen sich hinter dem Namenszusatz "Trophy" gegenüber dem normalen R.S.-Modell 20 PS mehr Leistung. Die machen sich bemerkbar: Ein kleiner Tritt aufs Gaspedal lässt den 1,6-Liter-Turbobenziner mit 220 PS aufheulen. In 6,6 Sekunden sollen damit 100 km/h erreicht sein, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 235 km/h. Damit auch Außenstehende merken, um was für einen Wuthocker es sich hier handelt, haben die Franzosen beim optischen Tuning tief ins Regal gegriffen: Tief gezogene Frontschürze, extrabreiter Lufteinlass, Diffusor, Dachspoiler und eine zweiflutige Abgasanlage unterstreichen die Ambitionen des Clio.

Trotz aller Sportlichkeit ist das Auto mit vier Türen und akzeptablem Gepäckraum von 300 Litern alltagstauglich. Die meisten Kompaktsportwagen sind aus optischen Gründen mit drei Türen ausgerüstet und auch der Clio sieht auf den ersten Blick so aus, denn die hinteren Türgriffe sind im Winkel der hinteren Seitenscheibe verstecktet. Im Fond hat man mit einer Größe von 1,83 Meter noch gut fünf Zentimeter Kopffreiheit.

Im normalen Fahrmodus kann man - mal abgesehen von der gelb leuchtenden Perleffekt-Lackierung unseres Testwagens - auch im innerstädtischen Verkehr relativ unauffällig und geräuscharm mitschwimmen. Wechselt man per Knopfdruck in den R.S.-Drive-Modus, ändert sich das: Auf dem zentralen Display wechselt die Hintergrundfarbe auf rot und die eigeblendete Grafik von zwei Händen, die das Lenkrad umklammern, signalisiert: festhalten, jetzt geht es los.

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Im rechten Fuß spürt man, wie sich der Gegendruck des Gaspedals erhöht, das nun viel sensibler reagiert. Behutsames Fahren im Stadtverkehr ist so kaum möglich. Bei durchgetretenem Gaspedal wählt das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe erst im roten Bereich bei etwa 5500 Umdrehungen den nächsthöheren Gang, was die Abgasanlage mit einem kurzen "Plopp" der austretenden Abgase bestätigt. Wahlweise können die Gänge manuell per Lenkradschalter gewechselt werden. Dass der angegebene Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern bei einem derartigen Leistungsabruf nicht einzuhalten ist, kann man sich denken. Im Schnitt verbrauchte unser Testwagen etwa acht Liter auf 100 Kilometer.

Mehr Leistung für weniger Geld gibt's nicht

Im Clio R.S. ist es mit der Zurückhaltung so eine Sache. Durch das extrastraffe Sportfahrwerk hat er auch bei hohen Geschwindigkeiten gute Traktion und lässt sich präzise lenken. Die harte Federung ist ein Segen für Autobahn und Rennstrecke, aber ein Alptraum für den Stadtverkehr. Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster hinterlassen einen bleibenden Eindruck in der Wirbelsäule.

Und es gibt noch etwas, das den Fahrspaß im Clio R.S. dämpfen könnte: die anderen Verkehrsteilnehmer. Denn obwohl das Geschoss eher weniger Sprit verbraucht als ein SUV, dürfte man mit dem Auto in Zeiten von Elektromobilität und Emissionsgrenzen auf wenig Verständnis treffen. Der Clio R.S. spielt - im Gegensatz zu seinen immer begehrteren SUV-Brüdern - mit offenen Karten und zeigt ganz unverhohlen seine Unvernunft. Daran findet nicht jeder Gefallen.

Wen das nicht stört: Der Renault-Renner ist ab einem Preis von 24.490 Euro zu haben und kostet damit ähnlich viel wie die Konkurrenten, hat mit 220 PS aber deutlich mehr Leistung als beispielsweise der Opel Corsa OPC (24.790 Euro, 207 PS) oder der VW Polo GTI (22.275 Euro, 192 PS). Mehr Rennwagen-Charakter und Leistung für weniger Geld findet man in dieser Klasse nicht. Dass unser Testwagen 29.560 Euro kostet, ist Sonderausstattungen wie etwa dem Infotainment-Paket, der Lackierung und der zweiflutigen Abgasanlage geschuldet.

Und was ist nun mit dem Tipp, die Spoiler zu entfernen, um die Bremskühlung zu verbessern? Auf Nachfrage bei Renault heißt es zunächst, dass natürlich nicht die Frontschürze gemeint sei, die abmontiert werden müsse, sondern kleine Luftleitbleche an selbiger. Aber auch die sind nicht so einfach zu demontieren, sondern "vernietet und ohne Werkzeug nicht zu entfernen". Und wie stellt man es dann an? Darüber rätselt auch die Presseabteilung. "Wir empfehlen, dafür einen Renault-Händler aufzusuchen", heißt es später. Den findet man an der Rennstrecke allerdings eher selten.

Hersteller:Renault
Typ:Clio R.S. Trophy
Karosserie:Kompaktwagen
Motor:1,6-Liter-Turbobenziner
Getriebe:Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb:Front
Hubraum:1.618 ccm
Leistung PS:220 PS
Leistung kW:162 kW
Drehmoment:280 Nm
Von 0 auf 100:6,6 Sek.
Höchstgeschw.:235 km/h
Verbrauch (ECE):5,9 Liter
CO2-Ausstoß:135 g/km
Kraftstoff:Benzin
Kofferraum:300 Liter
Gewicht:1.279 kg
Maße:4090 / 1732 / 1434
Preis:24.490 €
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