Renault Dezir Der Sportwagen mit den Scherentüren

Renault setzt für die Zukunft auf Elektroautos. Die müssen alltagstauglich, effizient und sicher sein, damit sie eine Chance gegen Fahrzeuge herkömmlicher Art haben. Dass auch ein E-Auto stilvoll aussehen sollte, wird leider oft vergessen. Nicht so bei der Studie Dezir.


Um das Thema Elektromobilität mit Emotionalität aufzuladen, ohne die in der Autobranche scheinbar gar nichts mehr geht, greifen die Hersteller gern zum einfachsten Mittel. Das Elektroauto wird als Sportwagen konzipiert. So geschehen bei Audi und dem Modell E-Tron sowie bei Mercedes mit dem Modell SLS E-Cell. Auch der französische Hersteller Renault zog kürzlich nach - mit dem Elektro-Renner Dezir.

Allerdings war die Ausgangslage bei Renault ein wenig anders. Das Unternehmen gilt als Vorreiter in Sachen Elektroauto, im kommenden Jahr soll die Serienproduktion von gleich drei E-Modellen beginnen. Dafür fehlt den französischen Stromern bislang jeder ästhetische Reiz. Unauffälligkeit kann eine Tugend sein, wenn es um die Themen Fahrverhalten und Technik geht - beim Thema Design ist sie verheerend.

Die Unscheinbarkeit zu vertreiben, ist die Aufgabe des neuen Renault-Designchefs Laurens van den Acker. Und die Studie Dezir ist das erste Modell, das unter seiner Verantwortung entstand. Die Gestaltung des Autos lag allerdings in den Händen von Axel Breun, der die Konzeptfahrzeuge der Marke kreiert. "Französische Marken pendeln stilistisch immer zwischen Deutschland und Italien", sagt Breun, "und zuletzt war Renault viel zu deutsch, zu nüchtern und zu geradlinig." Jetzt soll das Pendel in die andere Richtung schwingen - leidenschaftlichere Formen sind gefragt, es gilt das Motto Kurven statt Kanten. Das einzig Gerade am Dezir sind die waagrechten Streben in den Lüftern an Front und Heck sowie die beiden Aluminiumblenden, die durch die Flanken schneiden und aus dem Vollen gefräst sind. "Von einem Block von 250 Kilo sind so Bleche von je 20 Kilogramm übrig geblieben", erläutert Breun.

Der neue Schwung der Karosserie-Ideallinie ging so weit, dass sogar die Modellbauer umlernen mussten. "Solche Formen hatten die nach zwanzig Jahren Geradlinigkeit gar nicht mehr drauf", verrät Breun. Es hat dann aber doch noch prima funktioniert, und jetzt, da das rund 4,20 Meter lange Coupé auf der Teststrecke im Morgenlicht glänzt, macht es seinem Namen Dezir alle Ehre: Das Auto weckt das Verlangen einzusteigen und loszufahren wie schon lange kein Renault mehr.

Die Wiederentdeckung des Cockpits und der Langsamkeit

Also einsteigen. Breun ist in seinem Element, erklärt die, wie er es nennt, Wiederentdeckung des Cockpits, freut sich über die spleenige Idee mit den gegenläufigen Flügeltüren, weist auf die pulsierenden Ledernoppen der Sitze hin und auf den Bordcomputer, dessen Touchscreen wie ein iPad gleich neben dem Lenkrad platziert ist. Der Elektroantrieb, normalerweise derzeit das große Thema in der Autowelt, tritt angesichts der Kreativität der Renault-Gestalter zurück. "Für uns ist das ja auch beinahe schon Großserientechnik", sagt Breun.

So spektakulär das von einem kleinen Team gebaute Auto aussieht, so trivial ist die erste Ausfahrt. Mit Rücksicht auf den immensen Wert des Einzelstücks - Breun spricht von "mehreren Millionen Euro" - ist das Tempo auf etwa 30 km/h limitiert. Und so surrt der Dezir davon wie ein altersschwacher Golfkarren. Ohne die elektronische Begrenzung jedoch wäre das Auto ein Heißsporn. 150 PS und 229 Nm leistet der Motor, der aus dem Elektromodell Renault Fluence stammt. Und der mit einem hohen Karbon-Anteil gefertigte Studie wiegt lediglich 900 Kilogramm. Das bedeutet in der Theorie die Fähigkeit, in weniger als fünf Sekunden von 0 auf Tempo 100 zu beschleunigen sowie eine Reichweite von rund 160 Kilometer.

Angeblich erwägt Renault eine Kleinserie des Dezir

Es heißt, Renault prüfe derzeit tatsächlich, ob sich der Bau einer Kleinserie des Elektro-Flitzers Dezir rentieren könnte. Ein Auto wie dieses wäre natürlich ein Hammer und für die Marke ein Imagebeschleuniger sondergleichen. Die Chancen aber sind wohl eher gering. Aber auch wenn die Studie ein Einzelstück bliebe - sie hat jetzt schon das Designteam neu motiviert und sie soll auf jeden Fall als Stilvorlage dienen für kommende Renault-Modelle.

Bereits in zwei Jahren, behauptet Breun, werde man erkennen, was damit gemeint sei. Ende 2012, darauf spielt der Designer an, feiert der künftige Renault Clio Premiere. Das ist ein Kleinwagen, und ganz gleich ob der nun eine ähnlich markante Frontpartie wie der Dezir, ebensolche kräftig modellierten Kotflügel, einen derart aufregenden Innenraum oder ein so schwungvolles Heck bekommt - er wird dann auf jeden Fall ein Hingucker werden.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
dipl_arch 03.11.2010
1. Schön aber....
... mir fehlt der Auspuff am Heck
Hovac 03.11.2010
2. Eine
recht schöne Studie, aber da die besonderen Details immer um 10 Cent zu teuer sind und daher nie in die Serie kommen, leider auch nur das. Das Autoeinerlei hat in den letzten 10 Jahren nichts mehr gebracht das sich irgendwie abhebt, auch wenn die Studien genug zu bieten hatten.
Sapientia 03.11.2010
3. Da war der Lancia Stratos
Zitat von sysopRenault setzt für die Zukunft auf Elektroautos. Die müssen alltagstauglich, effizient und sicher sein, damit sie eine Chance gegen Fahrzeuge herkömmlicher Art haben. Dass auch ein E-Auto stilvoll aussehen sollte, wird leider oft vergessen. Nicht so bei der Studie Dezir. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,726122,00.html
schon vor Jahrzehnten weiter...
smallbit, 03.11.2010
4. Nicht uninteressant
für eine Studie. Obwohl er mich vorne ein wenig an eine Corvette erinnert. Aber dre Blick nach hinten ist wieder mal vergessen worden und das Innenleben sieht arg nach Rückbeschwerden aus. Trotzdem irgendwie schick - weil mal nicht Einheitsbrei mit "markanter Sicke in der Tür" und sonstige Schönrederei der Designer (Createur klingt auch schöner).
schockkierter ! 03.11.2010
5.
ist das ein geiles Design ! Endlich mal wieder ein "Hinkucker" da gehört ein 300PS-Benziner rein und nicht dieser unausgegorene Elektro-Kram
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