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Renault-Studie Dezir: Rotierende Türen

Renault Dezir Liberté, égalité, électricité

Mit den Prototypen elektrischer Sportwagen machten jüngst Audi und Mercedes Furore. Weil aber Renault in Sachen Elektromobilität am liebsten vorneweg fahren würde, stellen die Franzosen nun eine spektakuläre Elektro-Sportwagen-Studie auf die Räder.

Die Entwicklung des Autodesigns einzelner Marken gleicht oft einer Pendelbewegung. In regelmäßigen Abständen gibt es Ausschläge in Richtung Extravaganz, die dann wieder von Ausschlägen in Richtung Langeweile und Beliebigkeit relativiert werden. Besonders schön lässt sich das am Beispiel von Renault verfolgen.

In der Hochphase von Designchef Patrick Le Quément war die Formensprache der Marke derart exaltiert, dass neben dem futuristischen Van-Coupé Avantime sogar Massenmodelle wie der Kompaktwagen Mégane mit extrem polarisierenden Formen gebaut wurden. Renault sah sich als "Créateur d'Automobiles" - zuckte dann aber ins optische Mittelmaß zurück und gestaltet nun Autos unter dem englisch-unverbindlichen Motto "Drive the Change".

So richtig erfolgreich war das alles nicht, und so warb Renault vor knapp einem Jahr den damaligen Mazda-Designchef Laurenz van den Acker ab und machte ihn zum neuen Chefkreativen. Mittlerweile hat der sich in Paris eingelebt, eine neue Formensprache entwickelt - und das erste Auto für Renault fertiggestellt: Auf dem Autosalon in Paris Ende September gibt van den Acker offiziell seinen Einstand mit der Studie Dezir, was nach Verlangen und Begehrlichkeit klingt.

Wie bei Showcars üblich, ist auch dieses Modell überzeichnet. Man sieht einen futuristischen Zweisitzer, der leidenschaftlicher kaum sein könnte: Flügeltüren, die auf der linken Seite in Fahrtrichtung und auf der rechten Seite entgegengesetzt öffnen, eine abenteuerliche Frontpartie mit Scheinwerfern, die durch die Karbonhülle strahlen, eine muskulöse Flanke und ein hohes Heck, das mit einem mächtigen Luftauslass an den Rachen eines Wals erinnert, sollen die Studie in Paris zum Blickfang machen. Dazu gibt es einen in fließenden Formen gestalteten Innenraum mit - offenbar zur Betonung der Zweisamkeit - ineinander verwobenen Sitzen.

Der unter dem Projektcode Z24 entwickelte Dezir ist aber nicht nur ein stilistisches Signal, sondern birgt auch eine technische Botschaft. Nachdem Audi mit dem E-Tron und Mercedes mit dem SLS E-Cell die freudvolle Seite der Elektromobilität besetzt haben, drängt nun auch Renault in diese Position. Schließlich will die Marke gemeinsam mit Allianzpartner Nissan zum Weltmarktführer für Elektromobilität aufsteigen und dabei ausschließlich nur Massenware wie den Kastenwagen Kangoo oder die Stufenhecklimousine Fluence mit E-Antrieb ausliefern.

Leichtbaukarosserie um einen 150 PS starken Elektromotor

Also verkünden die Ingenieure für den 4,23 Meter langen und lediglich 1,16 Meter hohen Zweisitzer Dezir buchstäblich elektrisierende Fahrleistungen. Dank Karbon-Karosserie wiegt der Wagen trotz schweren Akkus nur 830 Kilo. Und so reichen 150 PS der im Heck montierten E-Maschine völlig aus für schnelle Sprints. Mit 226 Nm Drehmoment zischt das Auto in zwei Sekunden auf Tempo 50 und in fünf Sekunden auf 100 km/h. Schluss ist - mit Rücksicht auf die Reichweite - bei Tempo 180. Dafür jedoch kommt der Strom-Sprinter mit einer Akkuladung immerhin 160 Kilometer weit.

Ist die Energie der 24 kWh-Batterie aufgezehrt, muss der Wagen für acht Stunden an die Steckdose oder an eine Schnellladestation. Dann genügen angeblich 20 Minuten Ladezeit, um den Akku zumindest zu 80 Prozent zu füllen. Wem auch das zu lange dauert, der kann an eine Wechselstation von Better Place fahren: Der Dezir ist der erste Renault mit "Quickdrop-System". Das soll sicherstellen, dass die Akkuwechsel-Roboter der Zukunft das Batteriepaket in minutenschnelle automatisch wechseln können.

Spezieller Elektro-Sportwagen-Sound

Ein weiterer Clou der Studie ist der Sound: Gemeinsam mit einem Forschungsinstitut hat Renault eine akustische Signatur entwickelt, die perfekt zum Auto passen soll. Die Geräuschkulisse warnt andere Verkehrsteilnehmer und gibt dem Fahrer die Möglichkeit, jederzeit seine eigene Klangwelt zu programmieren.

Für Designer Laurenz van den Acker ist diese Studie besonders wichtig. Es ist nicht nur sein erster Entwurf für Renault, nachdem er vor Jahresfrist von Mazda gewechselt ist, sondern es ist auch der Vorbote einer neuen Designsprache. Schon bei seinem japanischen Arbeitgeber hatte er mit der Formensprache Nagare hohe Erwartungen geweckt. Doch bevor das erste Serienmodell mit der entsprechenden Formgebung fertig wurde, war der Designer schon wieder weg. Damit ihm das bei Renault nicht noch einmal passiert, sollte es diesmal flotter gehen. Gut möglich also, dass in der Studie Dezir schon sehr viel mehr von einem Serienauto steckt, als man im ersten Augenblick vermutet.

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