Renault Traffic Award Rasanz am Bau

Manche Autohersteller sponsern Fußballklubs, andere unterstützen Konzerttourneen. Die französische Marke Renault kümmert sich um die deutsche Verkehrsarchitektur. Jetzt wurden die Preisträger des "Traffic Design Awards 2006" bekannt gegeben.


Die Idee, dass ein Autohersteller sich um Verkehrsarchitektur kümmert, liegt eigentlich nahe. Trotzdem musste erst das französische Unternehmen Renault kommen, um sie hierzulande aufzugreifen. Seit sieben Jahren veranstaltet der "Createur d'Automobiles" nun schon einen Architekturwettbewerb, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. In diesem Jahr - die "Renault Traffic Awards" wurden bereits zum siebten Mal vergeben - wurden 133 Vorschläge eingereicht, und es agierte erstmals Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee als Schirmherr der Veranstaltung.

Die Preise werden in drei Kategorien vergeben. Die Auszeichnungen im Architektenwettbewerb 2006 gingen an Bauwerke in Berlin, Herzogenaurach und im sächsischen Königstein. Rang eins belegten der Architekt Meinhard von Gerkan und sein Team, die den neuen Hauptbahnhof in Berlin entwarfen und realisierten. Die gewaltige Schienenwegkreuzung auf mehreren Ebenen würdigte die achtköpfige Jury als "herausragendes Beispiel für die Renaissance der Bahnhöfe in Deutschland".

Auf den zweiten Platz kamen die Stuttgarter Architekten Wulf & Partner mit dem Parkhaus des sogenannten Factory Outlets des Sportartikelherstellers Adidas in Herzogenaurach. Das Gebäude erinnert an ein Stadion und wird bei Dunkelheit spektakulär beleuchtet. Auf Rang drei gewertet wurde die neue Aufzuganlage der Braunschweiger Architekten Schulitz und Partner an der Festung Königstein im Elbsandsteingebirge. Das filigrane, in der Felswand verankerte Bauwerk zeichne sich besonders durch seine "Verbindung von Tradition und Moderne" aus, urteilte die Jury.

Sonderpreis für die Stadtbahn in Bochum

Den Sonderpreis Kommunen erhielt die Stadt Bochum für das Gesamtkonzept einer neuen Stadtbahnlinie, wobei die Jury vor allem die ebenso futuristische wie ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung der beiden Haltestellen Rathaus-Süd und Lohring hervorhob.

Die dritte Kategorie der Auszeichnung sind die Hochschulpreise, in diesem Jahr lautete die Aufgabe: Future Roads - Straße als räumliches System neu definieren. Prämiert wurde das Projekt "intelligent street service system" der Aachener RWTH-Studenten Marcel Kühner und Robert Wild, das in den Augen der Jury "asiatische Leichtigkeit und Improvisationskunst mit der streng reglementierten Organisation in deutschen Großstädten" verbindet. Den zweiten Platz belegte Alexander Görg von der Universität Siegen mit seinem Nutzungskonzept für den Bereich unter einer Schnellstraßen-Hochtrasse; der dritte Platz ging an Konrad Regel von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach für "Roadffiti" - also eine Art Graffiti auf der Fahrbahn, das auf künstlerische Art zur Temporeduzierung beitragen soll.

jüp



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