Twingo-Premiere Renault hat was ausgeheckt

Was verbindet den Twingo mit dem Porsche 911? Ab sofort der Heckantrieb. Denn der neue Kleinwagen, der auf der gleichen Plattform wie der kommende Smart basiert, trägt den Motor hinten. Auch sonst ist der Knirps ein überraschender Typ.

Renault

Große Überraschungen dauern manchmal etwas länger. Sechs Jahre lang haben die Renault-Entwickler den neuen Twingo - Codename "Edison" - konzipiert, Pläne erstellt und wieder verworfen, konstruiert und designt. Jetzt endlich gibt es ein Ergebnis. Auf dem Autosalon in Genf (6. bis 16. März) wird die dritte Auflage des Kleinwagens stehen. Ein Auto, das mit spektakulären Neuerungen aufwartet: Der neue Twingo erhält einen Heckmotor und Hinterradantrieb.

Vor allem an dieser 180-Grad-Wende beim Antriebskonzept lag es, dass der neue Twingo so lange auf sich warten ließ. Die zahlreichen Verzögerungen des Projekts gehen auf das Konto der Kooperation mit Daimler. Ein wesentliches Ziel der im April 2010 gestarteten deutsch-französischen Partnerschaft war, dass die Schwaben aus dem neuen Twingo den kommenden Smart ableiten wollten. Und so wurden gleich zwei Kleinwagen in einem Aufwasch entwickelt.

Es sieht aus, als habe sich das gelohnt. Im Ringen zwischen Stuttgart und Paris ist ein Konzept entstanden, das in der modernen Autowelt ziemlich einzigartig ist: Motor und Antrieb hinten, das kennt man vom Porsche 911 und vom bisherigen Smart. Für den kann es gar keine andere Lösung geben, wenn die Fahrzeuglänge 2,70 Meter nicht überschreiten soll. Doch es dauerte offenbar ein Weilchen, bis auch die Renault-Entwickler sich mit diesem Konzept angefreundet hatten.

Außen kleiner, innen trotzdem größer

Dessen Vorteile jedoch sind unbestritten: Wenn vorn kein Motor im Weg ist, können die Räder weiter einschlagen und das Auto wird noch handlicher. Für den täglichen Kampf um die letzte Lücke im Stadtverkehr kündigt Renault mit weniger als neun Metern den kleinsten Wendekreis in dieser Klasse an. Durch den Heckmotor kann zudem der Innenraum weiter nach vorn rücken.

Im Vergleich zum Vorgängermodell schrumpft der neue Twingo um zehn Zentimeter auf eine Länge von rund 3,60 Meter - doch drinnen soll es trotzdem geräumiger zugehen, denn der Radstand wurde gestreckt und die Karosserie ist erstmals viertürig. Passé ist dagegen die verschiebbare Rückbank. "Das lässt sich mit dem Heckmotor leider nicht vereinen", sagt Renault Designchef Laurens van den Acker. Dafür könne man jetzt die Lehne des Beifahrersitzes flachlegen und mit dem Twingo sogar Regale transportieren: "Billy von Ikea passt rein."

Nachdem der Twingo ab 1993 mit Charme und Chuzpe schon einmal das Feld der Kleinwagen aufmischte, könnte er mit Schützenhilfe aus Stuttgart erneut eine französische Revolution anzetteln. Längst jedoch ist er kein Alleinunterhalter mehr in der Liga der originellen Kleinst- und Kleinwagen. Zu diesem Kreis zählen beispielsweise auch Fiat 500, Opel Adam, VW Up und natürlich auch der Smart.

Und dazu kommt jetzt ein ebenfalls in Genf debütierendes Kleinwagen-Trio: Die neuen Minimodelle von Peugeot, Citroën und Toyota. Die konventionell konzipierten Wägelchen sind zwar nicht so revolutionär wie der Twingo, aber immerhin werden Peugeot 108, Citroën C1 und Toyota Aygo sehr viel bunter als ihre Vorgänger.

Ganz gleich also für welchen Kleinwagen die Kunden sich künftig entscheiden werden: Es kommt endlich wieder etwas mehr Farbe in den Stadtverkehr.



insgesamt 76 Beiträge
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Randgruppe 17.02.2014
1. Glückwunsch
Das ist mal endlich ein gelungenes Auto. Leider kooperiert Renault mit dem falschen Partner:In der Karosserie die Technik vom BMW i3 und ich hätte ganz schnell ein neues Auto. Bin nun nur noch gespannt auf die ersten Innenraumbilder und die Frage, wer das Getriebeöl umrühren muss: das FahrerIn oder eine zeitgemässe Automatik.
susiwolf 17.02.2014
2. 'Twingo' und 'Billy' ... Haha !
Süsse kleine Kiste ... und: 4 (in Worten 'vier') Türen in Serie ... Das muss sein. Aber 'Billy' da hinein ? ... Naja jeden Tag geht's nicht ins Möbelhaus. Jetzt werden die Wirtschaftlichkeitsvergleiche in dieser 'Klasse' interessant ... und letztlich die Anschaffungspreise. Die Anfangsliebe soll doch etwas länger halten ? Und auch die Farbe ist nicht unwichtig, wird doch die Suche nach diesen 'Kleinen' im immer grösser werdenden Parkplatzgetümmel eher schwieriger. "Twingo" - wo bist Du ? Nur - warum 'Edison' ? Bitte um Erklärung.
Pless1 17.02.2014
3. altes Konzept, altes Design
Netter Werbetext, allerdings frage ich mich, was an diesem Auto wirklich neu ist. Kleinwagen mit Heckmotor gab es schon öfters. Hatte nicht VW auch mal sowas im Angebot? Wenn ich mich recht erinnere, haben die sogar einige von verkauft... Das Design ist nicht schlecht. Aber dass man auf Retro-Elemente verzichtet hätte sehe ich nicht so. Retro ist ja nicht nur, wenn man das eigene, alte Design wiederverwendet, sonder auch das der Anderen. Bin ich der Einzige, der zunächst dachte, der Artikel sei fälschlicherweise mit Fiat 500-Fotos bebildert worden? Was das Auto aber beispielhat zeigt ist das Zusammenwachsen der Automobilindustrie: Renault baut einen Smart im Fiat-Design... Es kommen schwierige Zeiten für Autoliebhaber mit klarem Marken-Focus: Design-Einerlei einerseits und internationale Kooperationen andererseits sorgen zunehmend dafür, dass es "sortenreine" Markenfahrzeuge kaum noch geben wird. Das paradoxe dabei: trotz immer mehr Automodellen gibt es immer weniger echte Vielfalt.
Alternator 17.02.2014
4. Wo kommt der Motor her?
Ich hoffe mal, Renault hat den Motor konstruiert? -Die kleineren Vierzylinder von Renault gehören zu den besten Motoren überhaupt! Zumindest, was die Benziner angeht.
patrick6 17.02.2014
5. Nix neues
...Heckmotor? Gab's doch alles schon. Ich sehe hier nichts Innovatives. Außer, dass der Kofferraum eingeschränkt wird. Und so nebenbei: Wieso sollte ein VW UP oder ein Opel Adam originell sein? Das sind doch nur einfache Keksdosen...
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