Renault Twingo RS Gordini Alter Name, neuer Flitzer

Legendäre Schrittmacher: Mini hat John Cooper, Fiat hat Carlo Abarth - nach diesem Muster will nun auch Renault die Tuningmarke Gordini wiederbeleben. Den Anfang macht das Modell Twingo. Der Kleinwagen kommt jetzt mit dem Namenszusatz RS Gordini auf den Markt.


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Renault Twingo RS Gordini: Ein Tuner kehrt zurück
Für den Deutschen ist es ein Opel von Irmscher oder ein Mercedes von Brabus. Für einen französischen Autofan war lange Jahre ein Renault aus der Werkstatt von Amédée Gordini das ultimative Tuningmodell. Kein anderer machte die kleinen Wagen des Herstellers derart flott wie der 1899 geborene Italiener, der sogar in der Formel 1 mitmischte.

Um den PS-Pionier zu ehren und den Absatz der Motorsportabteilung anzukurbeln, wird der Name Gordini künftig exklusive Sonderserien aus dem werkseigenen Renault-Tuning-Studio in Dieppe zieren. Den Anfang macht im kommenden April der Renault Twingo Gordini RS, dem im Sommer dann ein entsprechend aufgemachter Clio folgen soll. "In der Folge könnten wir uns auch einen Mégane Gordini vorstellen", sagt Marketingvorstand Eric Zuber wenig überraschend.

Während andere Hersteller, die alte Tuninglegenden wiederbeleben, die Leistung der Autos zum Teil deutlich anheben, will es Renault zunächst beim rein optischen Feinschliff belassen. Ein bisschen mehr Ausstattung, etwas mehr Farbe und Finesse im Innenraum und natürlich der typisch blaue Gordini-Lack ("bleue france") samt den beiden weißen Rallyestreifen sind gesetzt. Technische Änderungen oder gar stärkere Motoren seien dagegen nicht geplant, erläutert Marketingchef Zuber. Es ist auch gar nicht nötig, denn der Twingo mit 133 PS und der Clio mit 201 PS sind ohnehin bereits die stärksten Typen im jeweiligen Marktsegment.

Das Auto hätte Amédée Gordini zweifellos behagt. Denn der bei Bologna geborene Tuner war ein Leistungsfetischist. Bereits im Alter von acht Jahren wurde er bei einem Autorennen mit dem PS-Virus infiziert, und seit dieser Zeit trieb er sich am liebsten in Autowerkstätten herum. Er absolvierte eine Kfz-Lehre, bei der er sich unter anderem mit Eduardo Weber anfreundete, der später als Produzent von Vergasern bekannt wurde.

Gordini heuerte beim Motorenhersteller Isotta-Fraschini an, wo er unter anderem mit Alfieri Maserati zusammenarbeitete. Mit 19 entwickelte und baute er dort mit Teilen aus dem Lager sein erstes Auto und gründete 1925 eine eigene Firma, die sich auf Tuning spezialisierte und rasch einen nahezu mystischen Ruf genoss: Mit scheinbar magischen Fähigkeiten kitzelte "der Hexer" ungeahnte Leistungen aus den Motoren und fuhr Siege in Serie ein.

In den fünfziger Jahren mischte Gordini in der Formel 1 mit

Nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sich Gordini um das große Ganze und baute um seine Motoren herum gleich auch noch die kompletten Rennwagen, die von 1952 bis 1956 auch in der Formel 1 mitfuhren. Es war die Zeit, als Renault auf den Tüftler aufmerksam wurde. Das Werk bestellt bei ihm eine Dauphine, die Siegchancen im Rallyesport haben sollte - und Gordini lieferte prompt: 1957 errang der Kleinwagen bei der Mille Miglia einen Vierfachtriumph in seiner Klasse und preschte im Jahr darauf bei der Rallye Monte Carlo als erster ins Ziel.

Die Serie hielt an. Mittlerweile immer enger an Renault gebunden, kümmerte sich Gordini auch um die Veredelung von Serienmodellen und landet mit dem R8 den größten Erfolg. Bis zu 110 PS stark, gilt der "Gorde" als eines der rasantesten französischen Autos dieser Zeit und steht bei Fans noch heute hoch im Kurs. Guterhaltene Exemplare des kräftigen Klassikers werden mittlerweile für knapp 20.000 Euro gehandelt. Das kleine Stufenheckmodell bewährte sich damals nicht nur auf öffentlichen Straßen, sondern auch im Motorsport: 1964 errang ein R8 Gordini bei der Rallye "Tour de Corse" vier der fünf ersten Plätze.

1969 übernahm Renault die Tuningfirma endgültig

Um Gordini ans Unternehmen zu binden, wurde die Tuningfirma 1969 vollständig von Renault übernommen und eingegliedert; Gordini avancierte zum Leiter des Motorsportprogramms. 1975 schließlich wurde aus der "Usine Amédée Gordini" in Viry-Châtillon offiziell die Abteilung Renault Sport, die dem 1979 gestorbenen Tuner und seiner Ingenieurstruppe noch heute dankbar ist. Denn ohne deren Erfahrungsschatz wären der triumphale Auftritt der Alpine 443 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1978 und das Engagement mit den Turbomotoren der Formel 1 wohl anders gelaufen.

Zwar dürfte das Comeback des legendären "Gorde" und des Namens Gordini, den in 20 Jahren immerhin mehr als 200.000 Autos getragen haben, manch französischen PS-Fans zu einem munteren Gasstoß animieren, doch die ganz große Freude ist es noch nicht. Denn insgeheim warten die Insider auf die Renaissance des Alpine, an dem Renault noch immer alle Rechte hält. Offiziell gibt es keine Hinweise darauf, doch Marketingvorstand Zuber orakelt: "Wir haben ein entsprechendes Projekt, das schon sehr weit gediehen war, angesichts der Krise wieder eingefroren." Ob es nach dem Ende der Talfahrt wieder aufgenommen wird, ist noch nicht entschieden.



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