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28. April 2013, 07:13 Uhr

Renault Twizy Sport F1

Das Kanonenkügelchen

Der Twizy ist das Öko-Aushängeschild von Renault. Jetzt hat sich die Motorsportabteilung des Herstellers über das Elektromobilchen hergemacht und es mit Spoilern, Slicks und dem Boost-System Kers aus der Formel 1 ausgestattet. Damit schießt der Winzling in sechs Sekunden auf 100 km/h.

Humor ist keine Schlüsselqualifikation für Ingenieure, doch in manchen Fällen ist er hilfreich: Zum Beispiel, wenn man entgegengesetzte Fahrzeugkonzepte zu einem Fun-Concept-Car vereint, wie es jetzt die Entwickler des französischen Herstellers Renault taten. Sie injizierten in das Elektromobil Twizy, das ökologische Aushängeschild der Marke, brachiale Formel-1-Technik.

"In erster Linie schmunzeln die Leute natürlich über so ein Projekt", sagt Jean-Michel Jalinier, "es enthält aber auch eine ernstzunehmende Botschaft. Es ist uns nämlich gelungen, eine so komplexe Technologie wie das Kers-System in einen völlig anderen Fahrzeugtyp zu integrieren."

Dort, wo im Twizy normalerweise der Beifahrer sitzt, ist nun das Kinetic Energy Recovery System (Kers) untergebracht. In der Formel 1 funktioniert die Technik so, dass Bewegungsenergie, die normalerweise beim Bremsen in Form von Reibungshitze verpuffen würde, gespeichert und bei Bedarf wieder in den Antrieb gespeist wird. Da der Renault Twizy, der von einer 18-PS-Elektromaschine angetrieben wird, beim Bremsen weit weniger kinetische Energie freisetzt als ein Formel-1-Rennwagen, lässt sich das Kers-System des E-Mobils per Drehregler am Lenkrad auch während der Fahrt - etwa auf Gefällstrecken - aufladen.

Die grundsätzliche Funktionsweise jedoch ist gleich: Wenn der Lithium-Ionen-Akku des Kers komplett geladen ist, können - wiederum per Drehregler am Lenkrad - von einem zweiten E-Motor bis zu 14 Sekunden lang 82 PS an zusätzlicher Leistung abgerufen werden. Damit zischt der Twizy mit insgesamt 100 PS vorwärts und kann in rund sechs Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigen. Viel schneller fährt der 564 Kilogramm schwere Elektroflitzer auch gar nicht, denn die Höchstgeschwindigkeit ist auf 110 km/h begrenzt.

Auch Volvo hat ein Kers-System für Pkw entwickelt

Wenn der schwarz-gelbe Twizy loslegt, dürfte sich das so ähnlich anhören wie eine Hornisse, die in Zaubertrank gebadet hat. Bei Renault heißt es, in Aktion verbreite das Kers-System ein hohes Surren und Pfeifen, die Motor-Generator-Einheit erreicht nämlich bis zu 36.000 Umdrehungen pro Minute. Den ersten offiziellen Auftritt hat der Renn-Twizy übrigens bei einer Renault-Rennsportveranstaltung im nordspanischen "Motoland Aragon", zwischen Zaragoza und Barcelona gelegen.

Während Renault von einem einmaligen Konzeptauto spricht, das keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Serienproduktion haben werde, gab der schwedische Hersteller Volvo jetzt bekannt, den Einsatz eines Schwungrad-Kers-Systems in Serienfahrzeugen zu prüfen. Hintergrund sind erfolgreich verlaufene Tests mit einem Volvo S60, dessen Vorderachse von einem herkömmlichen Verbrennungsmotor angetrieben wurde, und an dessen Hinterachse ein Kers-System mit einem Schwungradspeicher platziert war.

Bei jeder Verzögerung des Fahrzeugs wird die Schwungscheibe aus Karbon mit einem Gewicht von sechs Kilogramm und einem Durchmesser von 20 Zentimetern im Vakuum auf bis zu 60.000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt. Fährt das Auto wieder an, gelangt die so gespeicherte Bewegungsenergie über ein spezielles Getriebe an die Hinterräder. "Kombiniert mit einem Turbo-Vierzylinder, kann die Schwungradtechnik den Kraftstoffverbrauch um bis zu 25 Prozent senken gegenüber einem vergleichbaren Sechszylinder-Turbomotor", sagt Derek Crabb, Entwicklungsmanager bei Volvo.

Nach Angaben des Herstellers wäre diese Technik eine vergleichsweise billige, leichte und umweltfreundliche Methode, um den Verbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Ob sie jedoch zur Serienreife entwickelt wird, ist noch nicht endgültig entschieden.

jüp

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