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Elektroauto im Alltagstest, Teil 9 und Schluss Auf Wiedersehen, E-Mobil!

Es war eine Beziehung mit Höhen und Tiefen, jetzt ist sie erst einmal vorbei: SPIEGEL-ONLINE-Autor Christian Frahm hat seinen Elektromobil-Test beendet. Hier ist sein Resümee.

Worum ging's?

Versuchen kann man's ja mal: Christian Frahm lebt in einem Wohngebiet im Osten Hamburgs und möchte herausfinden, wie praktisch ein Elektroauto für ihn ist. Ein Test unter verschärften Bedingungen - denn er hat keine Garage und kann sein E-Mobil nur an öffentlichen Ladesäulen mit Strom befüllen. Auf SPIEGEL ONLINE berichtet er über seine Erfahrungen.

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Elektroauto im Alltagstest, Teil 9 und Schluss: Fahr zum Abschied leise, Servus!

Foto: Matthias Kriegel

Zum Abschied eine Ehrenrunde

Ich drücke auf den Startknopf des Renault Zoe und drehe meine letzte Runden. Ich bin früher aufgestanden als sonst, um in den Morgenstunden noch einmal durch die noch leeren Straßen zu surren. Höhepunkt der Tour ist die Fahrt über die Köhlbrandbrücke. Von hier oben überblickt man das gerade erwachende Hamburg. Leise rollt der Zoe über den Asphalt. Das Elektroauto wird mir fehlen. In ein paar Stunden wird es abgeholt, dann endet mein Dasein als Ladesäulen-Nomade.

Zeit für ein Fazit

Das Laden: Am Anfang stand die Frage, ob es gelingen würde, immer eine Lademöglichkeit zu finden. Das stellte sich als das geringste Problem heraus, denn die Ladesäulen, die etwa 800 Meter von meiner Wohnung entfernt liegen, waren nie belegt. Strom war somit immer vorhanden und den Ladevorgang selbst habe ich nach wenigen Tagen problemlos in den Alltag integriert.

Wichtigste Erkenntnis: Nicht nach Bedarf, sondern nach Gelegenheit Strom tanken. Ist die Energie des Akkus nicht vollständig aufgebraucht, dauert es auch nicht so lange, ihn wieder aufzuladen. Also lieber häufiger und dafür nur für kurze Zeit an die Ladesäule fahren. An der normalen Schuko-Steckdose ist das Laden auch kein Problem - sofern man genug Zeit mitbringt.

Das Bezahlen: Darin besteht bisweilen die größte Hürde für den E-Auto-Fahrer. Die Bezahlvorgänge sind deutschlandweit nicht einheitlich gestaltet und die Tarife ebenso undurchsichtig wie der Abrechnungsmodus. Es gibt Gratisangebote, aber auch Preise von bis zu 56 Cent pro Kilowattstunde. Die praktikabelste Bezahlart ist derzeit die Abrechnung per RFID-Chip, die Kunden bei vielen Stromanbietern ordern können. Sollte der Chip in anderen Regionen mal nicht funktionieren, bleibt noch das Direktbezahlverfahren per SMS - das kostet aber zusätzliche Gebühren.

Die Reichweite: Eines der größten Mankos der Elektroautos war bislang die geringe Reichweite. Mit der neuen Generation der Stromer und deren effizienteren Batterien hat sich dieses Problem fast erledigt. Im Renault Zoe kommt man mehrere Tage problemlos durch die Innenstadt, ohne den Akku nachladen zu müssen. Die realistische Reichweite von 300 Kilometern reicht zudem aus, um auch mal einen Wochenendtrip zu machen. Schwieriger dürfte es bei längeren Reisen sein, denn mehrstündige Ladepausen auf der Fahrt kann man wohl selbst enthusiastischen Elektro-Befürwortern nicht zumuten.

Der Anschaffungspreis: Ist immer noch hoch. Den Renault Zoe mit Batterie gibt es nach Abzug der Umweltprämie derzeit ab einem Preis von 28.200 Euro - im Vergleich zu ähnlich ausgestatteten Autos mit Verbrennungsmotor ist das ziemlich teuer.

Der Fahrspaß: Bei Weitem nicht das wichtigste, aber für viele Autofahrer ein interessantes Argument - und der kommt bei einem Elektroauto nicht zu kurz. Zugegeben, der Renault Zoe hat nicht den stärksten E-Motor unter der Haube, der zügige und ruckelfreie Ampelstart macht aber dennoch Spaß. Insgesamt ist das Fahren nahezu ohne Fahrgeräusche so angenehm, dass man es sehr schnell zu schätzen weiß.

Mein Eindruck: E-Mobile sind alltagstauglich und damit auf dem Weg raus aus der Zweitwagen-Nische, in der bislang vor allem solvente Idealisten zu den Käufern zählten. Nach meiner Zeit im Elektroauto habe ich deutlich weniger Bedenken und Vorurteile gegenüber den Stromern. Die E-Mobilität funktioniert längst nicht so schlecht, wie es oft den Eindruck erwecken mag.

Klar ist aber auch: Bis E-Autos ähnlich einfach in der Handhabung und günstig in der Anschaffung werden wie vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, ist es noch ein langer Weg. Wenn jedoch eintritt, was viele Studien prophezeien - nämlich dass in Zukunft vermehrt nicht der Besitz eines eigenen Autos, sondern vor allem Mobilitätsdienstleistungen wichtig werden -, gibt es nicht mehr viele Argumente gegen die E-Mobilität.

Ich bin mir nach meinem Test jedenfalls sicher, dass ich in ein paar Jahren, wenn der nächste Autokauf ansteht, wieder ganz entspannt und lautlos über die Köhlbrandbrücke surren werde - in einem E-Mobil.


Teil 1: Mein Leben als Ladesäulen-Nomade

Teil 2: Warum Ladesäulen den Dienst verweigern

Teil 3: So zäh fließt der Strom ins E-Mobil

Teil 4: Parkplatz gratis, Ärger umsonst

Teil 5: Langsam läufts

Teil 6: Preiskrampf an der Ladesäule

Teil 7: Auf den grünen Zweig gekommen

Teil 8: Hier kann nur ein Eup helfen

Wie gut kennen Sie sich mit Elektroautos aus? Testen Sie ihr Wissen in unserem Quiz.