Rent-A-Wreck Rostlauben zum Mieten

Beulen, Kratzer, Rostflecken: Die Autos von David Schwartz sehen ziemlich mitgenommen aus, sie sind aber heiß begehrt. Seine Firma Rent-A-Wreck vermietet ausschließlich Karossen mit reichlich Patina - und ist inzwischen eine der größten Mietwagenketten der USA.
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Rent-A-Wreck: Beulen und Kratzer satt

Foto: Tom Grünweg

Die Mietwagen auf dem Parkplatz am Pico Boulevard wären hierzulande vermutlich allesamt dem Abwrackboom zum Opfer gefallen. Ob Ford Taurus, Chevrolet Malibu oder Toyota Corolla - alle sind verbeult, ihr Lack blättert ab, an Türen, Hauben und Dächern nagt der Rost. Das Gros der mehr als 500 Autos stammt aus jener Zeit, als Jimmy Carter noch US-Präsident war. Manche Autos sind noch älter, etwa das rote Plymouth Valiant Cabrio, Baujahr 1965. "Der läuft wie eine eins", sagt David Schwartz. "Die Autos sehen zwar alt aus, aber sie sind top in Schuss."

Eine Rostlaube als Mietwagen? Begonnen hat alles mit einem Scherz. Als Schwartz' Gebrauchtwagenhandel für "very used cars" in Santa Monica bei Los Angeles nicht in Schwung kommen wollte, sattelte er kurzerhand aufs Verleihgeschäft um - und nannte seine Firma "Rent-A-Wreck" (Miete ein Wrack) - die Selbstironie eines Ex-Hippies. Doch die Formulierung erwies sich als Glücksgriff, denn schon bald kamen neugierige Kunden und Kamerateams. 40 Jahre danach ist David Schwartz ein US-Mietwagen-Magnat. Zwar trägt er noch immer verwaschene T-Shirts und sitzt in einer baufällige Baracke - doch von dort regiert er ein kleines Imperium.

Schwartz stiefelt zu einigen der übelsten Rostlauben und startet deren Motoren. "Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren überhaupt mal ein Kunde damit liegen geblieben ist", beteuert der Chef auf dem Rückweg ins Büro. Dort beugt er sich über die Zeitung und studiert den Kleinanzeigenteil. Hier und bei Gebrauchtwagenhändlern findet er Nachschub - oft kauft er Dutzende Autos pro Woche. Die Optik ist schnuppe. "Nur die Technik muss stimmen und der Kilometerstand."

Für das rollende Altmetall zahlen die Kunden von Rent-A-Wreck nur eine Handvoll Dollar. "Im Schnitt kosten die Autos bei uns nur halb so viel wie bei Avis, Budget oder Hertz", sagt Schwartz, der lädierte Kleinwagen schon für weniger als einen Dollar am Tag verleiht. Doch nicht alle Schrottschleudern sind Schnäppchen. Für die ergrauten Klassiker aus den sechziger Jahren, die bei Fans und Filmstudios hoch im Kurs stehen, verlangt er 200 oder gar 300 Dollar pro Tag.

Schlabberlook und Gammelbude - aber ein ordentlicher Service

Der Dresscode in der Firma ist lax, und das Büro wirkt ebenso gammelig wie die Autos. "Wir tragen zwar keine Krawatten und haben auch nicht dauernd ein Klemmbrett unter dem Arm. Aber im Service sind wir ganz groß", sagt der kauzige Chef. So werden die Kunden beispielsweise am Flughafen abgeholt oder wieder hingebracht, es gibt eine intensive Beratung vor der Autoauswahl, und wer ein Navigationsgerät wünscht, kann sich eines aus den drei Umzugskartons im Büro auswählen.

Rent-A-Wreck liegt ein wenig versteckt, doch an Zuspruch mangelt es nicht. Touristen, besonders die aus Deutschland, schätzen die billigen Leihwagen, die man auch übers Internet reservieren kann. Und Hollywood steht Schlange. "In vielen Filmen fahren meine Autos", berichtet Schwartz. Auch diverse Stars habe er in seiner Kartei: Richard Gere, Oliver Stone oder Apple-Gründer Steve Jobs. "Die haben schon als No-Names bei mir gemietet und sind der Firma einfach treu geblieben", behauptet Schwartz.

Rent-A-Wreck ist inzwischen ein internationales Franchise-Unternehmen

Altpapierhaufen, Pappkartons, ein Billard-Tisch, auf dem sich die beiden Betriebs-Katzen räkeln, dazu einige demontierte Autorücksitzbänke als Sitzgelegenheit für Besucher - das wirkt ärmlich, doch man darf sich nicht täuschen lassen: Aus dem ehemaligen Ein-Mann-Betrieb ist ein großes Unternehmen geworden. In Santa Monica arbeitet ein halbes Dutzend Mitarbeiter, und in den USA gibt es mehrere hundert Filialen. Selbst ins Ausland hat die Franchise-Kette expandiert - Rent-A-Wreck gibt es beispielsweise auch in Skandinavien. Der Jahresumsatz des Unternehmens liegt bei rund 40 Millionen Dollar.

Schwartz ist schon weit über 70, steht aber immer noch täglich hinter dem Tresen. Der Ruhestand ist für den Mann kein Thema. "Ich fühle mich fit, komme jeden Morgen gern hier her und könnte ewig so weitermachen." Ein bisschen wie seine betagten Karossen.

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