Riesenlaster-Test Immer mehr, immer länger, immer weiter
Gigaliner: Test mit umstrittenen Riesenlastern wird ausgeweitet
Foto: Friso Gentsch/ picture-alliance/ dpaDer umstrittene Test mit Riesenlastern wird auf neue Straßen ausgeweitet. Die überlangen Transporter dürfen ab sofort auf rund 90 zusätzlichen Streckenabschnitten fahren, wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte. An dem Feldversuch bis Ende 2016 sind nun zwölf Bundesländer beteiligt, neu dabei sind Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
In Deutschland sind seit Anfang 2012 Gigaliner auf ausgewählten Strecken probeweise unterwegs. Das Streckennetz wurde zuletzt im September 2014 ausgeweitet. Für die gut 25 Meter langen Laster waren bisher schon rund 10.125 Kilometer Straße freigegeben, darunter mehr als die Hälfte der deutschen Autobahnen.
Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg hat auf Drängen der heimischen Autoindustrie drei Autobahnabschnitte freigegeben, dazu etliche Bundesstraßen und Nebenstrecken, die zur Belieferung von Werken benötigt werden. NRW lässt eine 17,80 Meter lange Kurzvariante der Lang-Lkw ins Land, sperrt sich aber gegen die ganz langen Laster.
Normalerweise dürfen in der EU Laster mit einer Gesamtlänge von maximal 18,75 Meter fahren. Bei dem Feldversuch gibt es zwei Typen von Langlastern: Ein Sattelkraftfahrzeug mit Überläge - 17,80 Meter (nur dieser Typ ist in NRW erlaubt) - oder solche, die samt Anhänger 25,25 Meter messen (6,50 Meter mehr als normalerweise Lkw samt Anhänger lang sein dürfen).
Nutzen bislang umstritten
Laut Umfragen sind die Riesenlaster in der Bevölkerung unbeliebt - und der wirtschaftliche wie ökologische Nutzen umstritten. Aus diesem Grund wird der Test in Baden-Württemberg auch wissenschaftlich begleitet.
Bisher beteiligen sich 45 Unternehmen mit 119 Lang-Lkw an dem Test. Der laufende Feldversuch soll die Chancen und Risiken des Einsatzes von Lang-Lkw überprüfen.
Nach einem im vergangenen September vorgelegten Zwischenbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen ersetzen zwei Lang-Lkw drei herkömmliche Lastkraftwagen. Die Bundesregierung erhofft sich Vorteile etwa für Paketdienste, Automobilzulieferer oder die Lebensmittelbranche.
"Mein Ziel ist es, nach Abschluss des Feldversuchs mit den Lang-Lkw in den Regelbetrieb zu gehen", erklärte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Skeptischer sieht das SPD-Fraktionsvize Sören Bartol: Zuvor brauche es den unwiderruflichen Nachweis, dass die Sicherheit im Straßenverkehr nicht beeinträchtigt werde. "Ansonsten sehe ich keine Möglichkeit, die Bedenken der Bevölkerung zu überwinden und eine breite Akzeptanz für den Lang-Lkw zu erreichen", sagte der SPD-Verkehrsexperte.
Die Grünen im Bundestag warnen dagegen vor den "Monster-Lkw". Schon im Test gebe es "massive Sicherheitsprobleme", etwa in Kreisverkehren oder an engen Kreuzungen. "Statt Überlänge-Lkw, die ein Ärgernis für jeden Autofahrer sind, brauchen wir endlich ein Konzept, das mehr Verkehr auf die Schiene bringt und damit die deutschen Straßen von Lkw entlastet", forderte Fraktionsvize Oliver Krischer. Auch der Linken-Obmann im Verkehrsausschuss, Herbert Behrens, sagte: "Schwerer Güterverkehr gehört auf die Schiene oder Binnenschiffe."
Komplett beteiligen sich bislang am Feldversuch nur sieben Bundesländer: Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt lassen die Riesenlaster nur auf Teilstrecken beim Feldversuch fahren.