Roadradio Autoradio ohne Auto

Die Situation ist kurios. Seit zehn Uhr Vormittags am vergangenen Freitag ist "Roadradio" auf Sendung, das erste bundesweite "Autoradio", doch kein Autofahrer wird es vorerst in seinem Wagen hören können. Musik und Informationen spielen derzeit ausschließlich im Internet.

"In der Medienbranche wird so viel erzählt, wir dagegen wollten erst einmal etwas auf die Beine stellen, und dann darüber reden", sagt Stefan Fellenberg, geschäftsführender Gesellschafter der media four media GmbH, die Roadradio veranstaltet. Binnen sechs Wochen, so Fellenberg, sei die Idee eines ausschließlich mit Auto- und Verkehrsthemen befassten Radiosenders (www.roadradio.de)  realisiert worden. Rund 50.000 Euro Eigenkapital investierte der 42-Jährige, der einräumt, das Projekt bringe "im Augenblick null Einnahmen".

Doch das Konzept klingt überzeugend. Popmusik aus den aktuellen Hitparaden sowie aus den letzten vier Jahrzehnten - rund 1000 Titel stehen auf der Playlist - garnieren die Wortbeiträge, die knapp die Hälfte des Programms ausmachen. Derzeit ist eine Redaktion von drei Mitarbeitern damit beschäftigt, "aktuelle Meldungen aus den Rubriken Autotest, Autokauf, Service, Motorsport, Versicherung, Reise, Youngtimer und Oldtimer zusammenzustellen", zählt Fellenberg auf.

Gesendet wurde zum Beispiel ein Beitrag über den korrekten Wechsel von Winter- auf Sommereifen oder ein Vergleich zweier so genannter Youngtimer aus den 70er Jahren, einem BMW und einem Alfa Romeo. Außerdem eine Sendung über 50 Jahre Flügeltürer.

Fellenberg: "Uns interessiert alles zum Thema Auto. Normale Nachrichten gibt es bei Roadradio nicht. Sollte zum Beispiel der Bundeskanzler in seinem Audi in einen Unfall verwickelt sein, werden wir natürlich berichten: Und zwar vor allem darüber, wie der A8 sich bei der Karambolage geschlagen hat."

Das große Manko von Roadradio ist, dass es bislang nur übers Internet zu empfangen ist. Doch das soll sich nach den Plänen von Fellenberg bald ändern. Bis Mitte des Jahres möchte er eine Satellitenfrequenz für seinen Sender haben - die Bewerbung wird in diesen Tagen abgeschickt. "Bis Ende 2004", sagt Fellenberg, "wollen wir in mehreren digitalen Radioprojekten mit von der Partie sein". Und in etwa eineinhalb Jahren hofft der Senderchef dann auf eine Hörfunkfrequenz. Vor allem aber die neue Digitaltechnik soll Roadradio beschleunigen, so die Erwartungen von Fellenberg. Dann könne das Programm flächendeckend im Auto empfangen werden. Auch Telematikanwendungen und eigene Audio- und Informationskanäle für Automobilhersteller seien dann möglich.