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Rolls-Royce Cullinan: Emily weg, Heckflügel dran

Foto: Rolls-Royce

Rolls-Royce Cullinan Spoileralarm!

Der Anblick dieser Bilder ist - gelinde gesagt - verstörend: Ein Rolls-Royce mit Heckflügel. Wer macht sowas? Tatsächlich ist der Hersteller selbst für den Tabubruch verantwortlich. Er dient Testzwecken für ein anderes umstrittenes Projekt.

Rolls-Royce steht für opulenten Luxus bei gleichzeitigem Understatement - das Design eines Wagens der britischen Traditionsmarke ist immer staatstragend, nie extravagant. Als nun Bilder von einem Rolls-Royce mit Heckspoiler auftauchten, fragte man sich zuerst: Auf welchem Trainingsgelände eines Fußballvereins sind sie entstanden? Ist das die neueste Errungenschaft von Mario Balotelli oder hat sich hier Marco Reus zur bestandenen Führerscheinprüfung belohnt? Ein verspäteter Aprilscherz vielleicht?

Die Wahrheit ist: Der geflügelten Rolls ist vom Hersteller genau so gewollt. Die Briten haben ihn selbst gebaut, keine durchgeknallte Customizing-Werkstatt war daran beteiligt.

Laut Pressemitteilung handelt es sich bei dem Prototyp um eine gekürzte Version des Modells Phantom Series II, das der Entwicklung eines Allradantriebs und neuer Fahrwerktechnik diene. In Kürze soll eine Testflotte ausschwärmen und die Technologie auf ihre Tauglichkeit proben.

Das alles geschieht im Rahmen eines Projekts, das unter Autoliebhabern sowieso umstritten ist: dem Bau eines Rolls-Royce-Geländewagens.

Die BMW-Tochter hatte die Entwicklung eines SUV im Februar bekannt gegeben, ohne dabei die drei Buchstaben zu verwenden. In der jüngsten Mitteilung geht dieser Eiertanz weiter: Rolls-Royce wolle das "Magic-carpet"-Fahrgefühl, also den schwebegleichen Zustand eines fliegenden Teppichs, dessen sich die Marke selbst rühmt, "nicht nur auf der Straße, sondern auch Off-Road" garantieren. Wieder kein Wort von einem Geländewagen. Aber bevor der Prototyp sich richtig dreckig macht, soll er sowieso zuerst auf Pflastersteinwegen getestet werden. Hier will der Hersteller herausfinden, ob die neue Aufhängung seinen Ansprüchen genügt.

Der Flügel wird gestutzt

Spätestens 2018 soll der Rolls-SUV - derzeit trägt das Projekt den Arbeitstitel "Cullinan" - auf den Markt kommen. Dann ganz bestimmt ohne Heckspoiler, soviel steht fest. Rolls-Royce lässt nämlich wissen, dass vom Design des Prototyps auf keinen Fall auf das Aussehen des geplanten Serienfahrzeugs geschlossen werden dürfe. Einzig die Abmessung des Testwagens könne dem geplanten Modell entsprechen.

Damit kann allerdings nur die Länge gemeint sein: Wenn der Prototyp schon kürzer als der Phantom II ist, muss er wenigstens höher als jeder andere Rolls-Royce werden. Sonst geht nämlich der Witz mit dem Namen nicht auf: Schließlich nimmt "Cullinan" Bezug auf den größten jemals gefundenen Diamanten. Kleiner geht's bei Rolls-Royce einfach nicht.

Ob der Heckspoiler wirklich aus Gründen des besseren Abtriebs am Prototyp klebt oder es sich bei dem Flügel um ein - zugegeben geniales - PR-Gimmick handelt, geht weder aus der Pressemitteilung hervor, noch war von Rolls-Royce dazu ein Statement zu bekommen. An gleich drei Pressestellen war niemand erreichbar.

Kein Wunder: Wahrscheinlich ist das Marketing dauerbeschäftigt, Bestellungswünsche abzubügeln.

cst
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