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Rolls-Royce-Jagdwagen: Elefantenkanone am Heck

Foto: AFP/ Bonhams

Rolls-Royce-Jagdwagen Maharadscha auf der Pirsch

Der Maharadscha von Kotah war nicht nur unvorstellbar reich, er war auch ein begeisterter Jäger. Am liebsten schoss er Tiger oder Elefanten - und zwar vom Auto aus. Um seine zweifelhafte Leidenschaft auszuleben, ließ er sich 1925 einen speziellen Rolls-Royce anfertigen, der jetzt versteigert wird.

An diesem Auto klebt Blut, aber das macht es offenbar nur noch interessanter für viele Sammler. Das Auktionshaus Bonhams wird am 19. August im kalifornischen Carmel das sogenannte Tiger-Car inklusive Bewaffnung des ehemaligen Maharadschas von Kotah versteigern. Der Rolls-Royce Phantom I aus dem Baujahr 1925 wurde vom Londoner Karosseriebauer Barker nach den Wünschen des indischen Fürsten gebaut und ausgestattet - und soll nun nach Einschätzung von Bonhams für eine Summe zwischen 750.000 und einer Million US-Dollar (518.000 bis 691.000 Euro) den Besitzer wechseln.

Sahinb Bahadur, bekannt auch als Umed Singh II., war von 1889 bis zu seinem Tode im Jahr 1940 Mahardscha von Kotah. Gern lud er Gäste zur Jagd auf seine riesigen Ländereien, und standesgemäß wurde im Rolls-Royce auf die Pirsch gefahren. Der Wagen war zu diesem Zweck mit zwei Suchscheinwerfern ausgerüstet, verfügte über einen Neigungsmesser, ein Untersetzungsgetriebe für schweres Gelände und eine spezielle Hupe. Als Antrieb kam der damalige Rolls-Royce-Phantom-Standardmotor zum Einsazu, ein Reihensechszylinder mit 7,6 Liter Hubraum und Viergang-Schaltgetriebe.

Besondere Aufmerksamkeit ließ der Maharadscha der Bewaffnung des Autos zuteil werden. Auf einem Anhänger war ein Maschinengewehr montiert, direkt am Auto gab es eine kleine Kanone, um Angriffe wilder Tiere auf die Insassen abzuwehren. Dazu waren zwei abschließbare Gewehrschänke mit diversen Waffen an Bord; zudem war am Heck eine Lantaka-Kanone angebracht, mit der Elefanten erlegt werden konnten.

Ein Safe im Auto für etwaige Entschädigungszahlungen

Außerdem verfügt das Tiger-Car über einen verborgenen Safe. In dieser Schatulle, so teilt das Auktionshaus Bonhams in einer Beschreibung des Fahrzeugs mit, bewahrte der Mahardscha Bargeld auf, um Familien von Jagdhelfern, die beim Aufscheuchen der großen Tiere zu Tode kamen, gleich an Ort und Stelle entschädigen zu können.

Der Rolls-Royce wurde 1968 in Indien von einem britischen Experten entdeckt und nach England gebracht. In den siebziger Jahren wurde das Auto, das inzwischen restauriert worden war, in die USA verkauft. Dort wechselte es mehrmals den Besitzer, wurde Ende der achtziger Jahre nochmals restauriert und bei dieser Gelegenheit auch rot lackiert (die ursprüngliche Farbe war grau). Das Auto fahre sich ganz wunderbar, lässt der jetzige Besitzer verlauten. Mit dem Wagen werden übrigens auch die leere Munitionskiste, die kupfernen Seitenvorhänge, zwei Thermoskannen und der komplette Werkzeugsatz des Autos versteigert.

jüp
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