Rückblick 2004 Kampf der Kompakten

VW Golf V gegen den neuen Opel Astra, Mercedes A-Klasse gegen 1er BMW – mit viel Spektakel und Kampfesgeist prallten die Neuvorstellungen in der Kompaktklasse des Jahres 2004 aufeinander. Daneben entdeckten die Kunden die Lust an den speziellen Segementen wie Roadster, Offroader und Vans.


Opel Astra: Opel eröffnete die Rabattschlacht, VW zog nach

Opel Astra: Opel eröffnete die Rabattschlacht, VW zog nach

Limburg/Gelsenkirchen - Die Automobilhersteller begehen den Jahreswechsel mit einem Konzert in Moll. Denn obwohl sie die Kunden 2004 mit insgesamt mehr als 100 neuen Modellen aus der Reserve locken wollten, werden die Zulassungszahlen dem Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg zufolge kaum jene des Vorjahres übertreffen. Und in den Kassen von Herstellern und Händlern herrscht ein Tiefstand, weil die Rabattschlacht aus den USA nach Beobachtungen von Marktforschern auch in Deutschland angekommen ist. Dennoch blickt die Industrie mit Optimismus nach vorn - schließlich stehen auch für 2005 mehr als 100 Premieren ins Haus.

In der Rückschau geht das Autojahr 2004 nach Einschätzung von Marktforscher Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen als Jahr der Schnäppchen in die Geschichte ein: "Seit den Erdölkrisen in den siebziger Jahren wurden keine höheren Rabatte mehr gegeben." Das durchschnittliche Rabattniveau habe mittlerweile 15 Prozent erreicht. Selbst bei Premium-Herstellern werde mit Nachlässen geworben. "Da ist der Kunde wirklich König."

Weg vom Einheitsbrei der Modelle

"Bei der Wahl der Modelle haben sich die Käufer vor allem auf ihr Gefühl verlassen," fasst Nick Margetts vom Analyse-Institut Jato Dynamics in Limburg den Trend des Jahres 2004 zusammen. Der Kunde habe dabei dem Einheitsbrei den Rücken gekehrt und sich in die kleinen, weiter aufgefächerten Segmente vertieft: "Die klassischen Fahrzeugkonzepte hängen am Tropf, und die Nische wird alltäglich."

BMW 1er: Die Münchner eröffneten im März das Duell

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Zwar halten Dienstwagenkäufer nach Margetts Worten den Limousinen und Kombis die Stange. Doch beim privaten Kunden werde der Wunsch immer mehr über das Budget und die technischen Anforderungen definiert und nicht über Klasse und Segment. "Und so kommen plötzlich auch Roadster, Vans, Offroader oder Kleinwagen gleichberechtigt auf die Einkaufsliste."

Die Autoindustrie hat auf diesen Trend schon im Laufe des Jahres reagiert. Zwar steht 2004 vor allem für den Wettkampf in der Kompaktklasse. Schließlich sind die fünfte Generation des VW Golf, die zweite Auflage des Opel Astra und der neue Ford Focus sowie in der Oberliga die Mercedes A-Klasse und der 1er-BMW aufeinander getroffen. Dennoch probten die Hersteller den Spagat zwischen Vernunft und Vergnügen: mit praktischen Fahrzeugen wie den Micro-Vans Renault Modus und Peugeot 1007, Sportwagen wie dem neuen Mercedes SLK oder dem nächsten Porsche 911, Cabrios wie dem 6er-BMW, dem Opel Tigra Twintop und dem "enthaupteten" Mini sowie Geländewagen wie dem neuen Land Rover Discovery oder dem Kia Sportage.

Klare Markenidentifikation Gleichzeitig haben sich die Hersteller weiter dem Design gewidmet. So steht 2004 nach Einschätzung des Schweizer Designers Frank M. Rinderknecht vor allem für eine klare Markenidentifikation. Dies lasse sich besonders am Plakettengrill von Audi festmachen. "Außerdem sehe ich einen Trend zu ausgeprägten Lichtelementen vorn wie hinten sowie eine neue, klare Linie und weiterhin die hohe Schulter."

Mini Cooper Cabrio: Spagat zwischen Vernunft und Vergnügen

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Technisch steht das Jahr 2004 neben der weiteren Verbreitung des Kurvenlichtes und der Einführung neuer Assistenzsysteme wie der Spurkontrolle bei Citroën vor allem für weiteres Wachstum im Diesel-Segment. "Die hohen Benzinpreise haben den Kunden die Laune verdorben und sie dem Selbstzünder in die Arme getrieben", sagt Marktforscher Dudenhöffer. Der Dieselanteil unter den Neuzulassungen sei dem entsprechend von 39,9 auf 43,0 Prozent gestiegen.

Allerdings war der Siegeszug des Selbstzünders begleitet von der Diskussion um den Partikelfilter. "Innerhalb von wenigen Monaten rückte das Thema vom Rand ins Rampenlicht", erklärt Analyst Margetts. Weil die Filter jedoch vielfach erst angekündigt wurden und auch die Frage des Aufpreises sowie ein möglicher Steuerbonus noch diskutiert werden, geht Dudenhöffer davon aus, dass das Thema auch 2005 auf der Agenda steht. "Diesel ohne Filter sind nächstes Jahr 'megaout'" lautet seine Prognose.

2005 im Zeichen der Nische

Das kommende Jahr wird nach Einschätzung der beiden Marktforscher weiterhin im Zeichen der Nischen und neuen Segmente stehen. Neue Fahrzeugkonzepte wie die Mercedes R- und B-Klasse sowie der Golf Plus dürften besonders viel Aufmerksamkeit erhalten. Zudem rollen mit der neuen M-Klasse von Mercedes, dem Audi Q7 und dem Range Rover Sport drei wichtige neue Geländewagen an. Open-Air-Fans dürfen sich auf einen offenen Micra, den "enthaupteten" Astra und den Golf mit massivem Faltverdeck freuen. Das Van-Segment bekommt mit dem neuen Opel Zafira, dem Mazda 5, dem Nissan Tone und eventuell bereits einem sportlichen Raumkonzept von BMW Zuwachs.

Mercedes SLK 350: Brachiale Maschine mit 272 PS

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Doch auch in die klassischen Segmente wird Bewegung kommen. Denn im automobilen Oberhaus will Mercedes mit der nächsten Generation der S-Klasse die Marktführung behaupten. Für Familienväter und Geschäftsreisende kommt die nächste Generation des VW Passat. Zudem stellt VW im Sommer den neuen Bora zu den Händlern. BMW bringt die neue Generation des 3er.

Und noch mehr Neues steht an: "Das lange vernachlässigte Segment der Fahrzeuge für weniger als 10.000 Euro kommt die nächsten Jahre in Schwung", erwartet Dudenhöffer. Er verweist dabei nicht nur auf den zum Frühjahr angekündigten VW Fox aus Brasilien. In der gleichen Liga sind auch ein neuer Kleinwagen von Kia, das Trio Citroën C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo sowie der aus Rumänien nun doch nach Westeuropa importierte Dacia Logan zu erwarten.

Von Thomas Geiger, gms



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