Pannenserie bei US-Autobauer GM ruft mehr als 100.000 Pkw zurück 

GM kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen: Der US-Autobauer ruft erneut hunderttausend Wagen in die Werkstätten zurück. Diesmal geht es um Fehler bei Airbags und akustischen Warnsignalen.

Autos in einem Technik-Center von GM: Beispiellose Rückruf-Serie
AFP

Autos in einem Technik-Center von GM: Beispiellose Rückruf-Serie


Detroit - Nur einen Tag nach der öffentlichen Abrechnung von General-Motors-Chefin Mary Barra mit dem Zündschloss-Skandal hat der Autobauer vier neue Rückrufe gestartet. Insgesamt seien rund 106.000 Fahrzeuge aus den Jahren 2012 und 2014 betroffen, die weitaus meisten davon in den USA, teilte der Konzern mit.

Bei einer der Rückrufaktionen geht es um fehlerhafte Airbag-Anschlüsse. Betroffen sind rund 31.500 Fahrzeuge. Die Airbags könnten bei einem Unfall versagen. General Motors (GM) ist nach eigenen Angaben ein solcher Unfall mit einem Verletzten bekannt. Eine weitere Reparatur-Aktion erfolgt, weil akustische Warnsignale ausbleiben könnten, wenn beispielsweise der Sicherheitsgurt nicht angelegt wurde. Davon sind mehr als 57.500 Fahrzeuge betroffen.

Barra hatte weitere Reparaturaktionen bereits angedeutet. Es könne noch "ein paar weitere Rückrufe geben" bis zum Quartalsende, sagte sie bei der Pressekonferenz zum Zündschloss-Skandal.

Insgesamt hat der US-Konzern in diesem Jahr damit weltweit fast 15,9 Millionen Autos in 34 Rückrufen in die Werkstätten bestellt - davon 13,9 Millionen in den USA. Als größtes Problem gelten defekte Zündschlösser. Der Zündschlüssel kann wegen eines zu schwach ausgelegten Schalters bei voller Fahrt in die "Aus"-Position zurückspringen, was auch Airbags, Bremskraftverstärker und Servolenkung abschaltet. Mit dem Konstruktionsfehler werden laut GM mehr als 30 Unfälle mit insgesamt 13 Toten in Verbindung gebracht. US-Verbraucherschützer gehen von mehr als 300 Toten aus.

US-Medien sind seit Monaten voll von persönlichen Geschichten von Unfallopfern, viele davon Teenager, da die betroffenen Modelle zumeist günstigere Wagen für Fahranfänger waren.

Zündschloss-Skandal kostet 15 GM-Mitarbeiter den Job

Die defekten Zündschlösser waren seit mehr als zehn Jahren bekannt, der Rückruf erfolgte aber erst Anfang dieses Jahres. Barra sprach angesichts des Untersuchungsberichts von einem "Muster von Inkompetenzen und Versäumnissen". 15 Mitarbeiter wurden gefeuert. Offenbar hatten Ingenieure bereits ab 2001 Kenntnis von den defekten Zündschlössern.

Vergangenen Monat akzeptierte General Motors die Zahlung einer Geldbuße von 35 Millionen Dollar an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Dies ist das gesetzliche Maximum und die höchste Zivilstrafe, die von der NHTSA je wegen einer Rückrufaktion gegen einen Autobauer verhängt wurde. GM verpflichtete sich zudem zu weitreichenden Kontrollen seiner Sicherheitsstandards durch die Behörden.

Auch der US-Kongress und das Justizministerium untersuchen derzeit das Vorgehen von GM, darüber hinaus wurden eine Reihe von Schadensersatzklagen gegen den Konzern eingereicht. Hier könnten GM Milliardenzahlungen drohen. Wegen der Rückrufaktionen hatte der Konzern im ersten Quartal rund 1,3 Milliarden Dollar (953 Millionen Euro) zurückgelegt, der Gewinn schrumpfte dadurch um 85 Prozent. Im zweiten Quartal erwartet GM noch einmal Kosten von rund 400 Millionen Dollar.

mmq/AFP/dpa/Reuters

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brummkreissel 07.06.2014
1. Wer im Glashaus sitzt. ...
Auf Toyota ist vor noch nicht langer Zeit sogar Obama zugegangen. Wegen deren Qualitätsmängeln hat aber niemand sterben müssen. Jetzt zu lesen, dass GM noch viel größere Probleme hatte ist mehr als peinlich. Für GM und die beteiligten Behörden.
Mr Bounz 07.06.2014
2.
1. Qualität made in USA Da sollte so etwas wirklich niemanden überraschen. 2. 10 Jahre bekannt Der Konzern kommt aus den USA, dort geht es nur um noch mehr Gewinn und dann um noch mehr Gewinn. Ob das Produkt schrott ist, Menschen sterben usw. spielt da keine Rolle. Die Lösung: Alle Wagen bei Opel bauen lassen und dann ein dusseliges US Typenschild drauf und verkaufen. Wäre gut für Opel UND für die Kunden!!
ratte321 07.06.2014
3.
Made in USA/China
jasper366 07.06.2014
4.
Zitat von Mr Bounz1. Qualität made in USA Da sollte so etwas wirklich niemanden überraschen. 2. 10 Jahre bekannt Der Konzern kommt aus den USA, dort geht es nur um noch mehr Gewinn und dann um noch mehr Gewinn. Ob das Produkt schrott ist, Menschen sterben usw. spielt da keine Rolle. Die Lösung: Alle Wagen bei Opel bauen lassen und dann ein dusseliges US Typenschild drauf und verkaufen. Wäre gut für Opel UND für die Kunden!!
Ja genau, die Deutschen haben ja viiel weniger Mängel. VW wurde in China und Autralien seitns der regierungen zu einem Rückruf gezwungen (DSG Getriebe), hier in D handelt der Konzern 'mach Bedarf', sprich nur wenn der Kunde dem Autohaus durch dauernde Beschwerden tierisch auf die E... geht, wird gehandelt. Bereits vor über 15 Jahren hat dieser Konzern diverse Mängel klammheimlich bei einem Routinewerkstattbesuch (Inspektion z.B.) behoben. Wer nicht in die Markenwerkstatt fuhr (Garantie von VW waren damals wahnsinnige 12 Monate) kam natürlich nicht in den genuss dieser 'Reparatur' und konngte mit pech die später teure Behebung des Schadens selbst bezahlen.
ihawk 07.06.2014
5. USA Automobilindustrie
Kann mir jemand ein (!) US Auto nennen, dass in Frage kommt gekauft zu werden? Wer in den USA ein zuverlässiges und gutes Auto fahren möchte, greift vorzugsweise auf ein japanisches Modell zu und wer es sich leisten kann kauft sich ein deutsches Auto. Firmenwagen und Mietwagen sind aus der US Produktion, wohl mehr eine "politische" Entscheidung - in Wahrheit sind absurd hohe Rabatte für die Kaufentscheidung ausschlaggebend. Die US Autoindustrie hat sich durch Korruption, Protektionismus und Lobbyismus selbst erhängt und ist wohl nicht mehr zu retten.
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