Rückruf-Debakel Toyota-Chef entschuldigt sich

Toyotas Vorstandschef bricht sein Schweigen: Akio Toyoda hat sich bei den Kunden des japanischen Autokonzerns für die Probleme mit defekten Bremsen und Gaspedalen entschuldigt. Die Qualitätssicherung will er künftig persönlich überwachen.

Toyota-Chef Akio Toyoda: Entschuldigung für die technischen Probleme.
REUTERS

Toyota-Chef Akio Toyoda: Entschuldigung für die technischen Probleme.


Nagoya - Der Präsident des japanischen Autobauers Toyota hat nach den Massen-Rückrufaktionen die Qualitätssicherung zur Chefsache erklärt: Sein Unternehmen werde eine weltweite Taskforce zur Qualitätsverbesserung einsetzen, sagte Konzernchef Akio Toyoda, der Enkel des Unternehmensgründers, am Freitag. Toyoda werde persönlich die Qualitätskontrolle überwachen, teilte der weltgrößte Autobauer weiter mit.

Die Rückrufe täten ihm "außerordentlich leid", sagte Toyoda und entschuldigte sich bei den Kunden für die Qualitätsmängel. "Die Sicherheit der Kunden ist für uns das Wichtigste." Akio Toyoda war in den letzten Tagen ins Zentrum der Kritik gerückt, weil er seit Beginn der Krise in der Öffentlichkeit praktisch unsichtbar war.

Der 56-Jährige hatte zuvor lediglich eine kurze, improvisierte Äußerung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos abgegeben und sich ansonsten mit keinem Wort zum größten Rückruf der Konzerngeschichte geäußert. Allein in den USA sind 2,3 Millionen Autos zahlreicher Baureihen von den klemmenden Gaspedalen betroffen, weltweit sind es rund fünf Millionen. Zudem gibt es Probleme mit der Elektronik und den Bremspedalen des Hybridautos Prius. "Bitte glauben sie mir, Toyotas Autos sind sicher", sagte der Firmenchef weiter.

Japans Außenminister Katsuya Okada sieht durch die weltweiten Rückrufaktionen bei Toyota das Image japanischer Produkte insgesamt in Gefahr. Die Pannenserie schädige sicherlich nicht nur den Ruf von Toyota alleine, sondern sei ein "Problem für die gesamte japanische Autoindustrie und für das Vertrauen in die japanischen Produkte" insgesamt, sagte Okada am Freitag der Nachrichtenagentur Kyodo.

Wer wusste wann was?

Toyota hat am Freitag Vorwürfe zurückgewiesen, schon 2007 von den Problemen mit klemmenden Gaspedalen gewusst und nichts unternommen zu haben. Zwar habe ein Testfahrer beim Model Auris im August 2007 vom Gefühl eines klemmenden Gaspedals berichtet, sagte ein Sprecher von Toyota Motor Europe in Brüssel. Daraufhin habe man umfangreiche Tests in Europa und Japan vorgenommen, dabei sei das Problem aber nicht aufgetreten. "Es gab für uns überhaupt keinen Grund, von einem klemmenden Pedal zu sprechen", sagte Plas.

Im Jahr 2008 seien dann 26 Kundenbeschwerden bekannt geworden und im August 2009 schließlich das Design des Gaspedals bei der Produktion geändert worden. Die "Wirtschaftswoche" hatte am Donnerstag berichtet, der Autobauer habe bereits seit 2007 von klemmenden Gaspedalen in seinen Fahrzeugen gewusst.

Das Toyota-Management sei damals ausdrücklich und mehrmals auf die Probleme hingewiesen worden. Der Fahrer des betroffenen Wagens habe nach Aussagen von beteiligten Personen während der Fahrt den Fuß unter das Pedal schieben müssen, um es in die Ausgangsstellung zurückzuziehen.

hil/AP/AfP/Reuters



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BeckerC1972, 04.02.2010
1.
Klar ist das eine Krise - auch wenn das Wort etwas inflationär gebraucht wird in letzter Zeit. Gerade für die Marke Toyota ist ein Einbruch im Bereich der Zuverlässigkeit, der angeblichen Kernkompetenz des Herstellers schlechthin, ein Drama. Dieses kombiniert mit dem unsäglich schlechten Kommunikationsverhalten, wird Toyota über mindestens 20 Jahre zurück werfen. Was bleibt ist ein angeschlagener Hersteller von Fahrzeugen die einst die Zuverlässigkeit gepachtet hatten - und nun offensichtlich Probleme mit der eigenen Qualitätskontrolle haben. Schade eigentlich. Jetzt kann Toyota bald wieder bei Null anfangen.
danys86 04.02.2010
2. Ein Fingerzeig
Eine schlimme Nachricht für das Unternehmen Toyota, aber gleichzeitig ein Fingerzeig auf die Gefahren weitgehend vereinheitlichter Produktions- und Modellstrukturen, bei denen ein kleiner Fehler in einem Cent-Bauteil in hunderttausenden Modellen zu schwerwiegenden Folgen führen kann. Wehe dem Massenhersteller, der bei der Qualität der Bauteile auch nur ansatzweise Sorgfalt fehlen lässt.
JensDD 04.02.2010
3. Ja sicher
Zitat von sysopNoch vor Monaten galt Toyota als unangefochtene Nummer eins im weltweiten Automarkt - jetzt muss der größte Autokonzern der Welt Millionen von Autos zurückrufen. Krise beim Auto-Primus?
aber nicht erst seit heute. Berichte über vertuschte Qualitätsmängel an sicherheitsrelevanten Teilen gabs doch letztes Jahr schon reichlich. Toyotas Saubermann-Image ist dahin. Und wie es letztes Jahr schon begründet wurde, liegts am neuen Management und deren Umgangsformen, wäre wohl den Alten die den Laden aufgebaut haben nicht passiert. Nun kommen frischgebackene Beweeller ans Ruder, von Zahlen, Tabellen und Powerpoint haben die bestimmt Ahnung, von Technik nicht. Aber warum solls in dieser Firma anders sein als im Rest der großen Compagnien.
grauer kater 04.02.2010
4.
Zitat von sysopNoch vor Monaten galt Toyota als unangefochtene Nummer eins im weltweiten Automarkt - jetzt muss der größte Autokonzern der Welt Millionen von Autos zurückrufen. Krise beim Auto-Primus?
Wenn ein Grosser stolpert und ein, zwei, eventuell drei Schritte gehen muß, um das Gleichgewicht wieder zu erlangen, kommen die Revoluzzer, Besserwisser und Feinde aus den Löchern und glauben ihre Chance sei gekommen. Es werden sich noch Einige wundern, wie schnell Toyota wieder voll da ist. Man hätte den Analysten und Ratingagenturen lieber vor der Bankenkrise auf die Finger schauen sollen als jetzt ein seriöses Unternehmen derart niederzuschwätzen.
Hilfskraft 04.02.2010
5. Auto-Rückrufe kosten Toyota ...
man sollte diese Tatsache gewinnwirksam werbetechnisch in der deutschen Autobranche ausnutzen. Es gibt doch nichts Besseres, als wenn sich ein harter Konkurent selbst zu Fall bringt. NUTZT DIE GUNST DER STUNDE! Toyota ist auch nicht zimperlich!
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