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14. März 2019, 13:51 Uhr

Rückrufe

Mehr Sicherheitsmängel - Behörde schickt 3,7 Millionen Autos in die Werkstätten

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat im vergangenen Jahr so viele Pkw wegen Sicherheitsmängeln zurückrufen lassen wie noch nie. Bei der Gesamtzahl war eine deutsche Marke Spitzenreiter.

Die Autoindustrie kämpft in Deutschland zunehmend mit Qualitätsproblemen bei ihren Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für insgesamt rund 3,7 Millionen Wagen einen Rückruf an. Das waren sieben Prozent mehr als 2017, wie das Bundesverkehrsministerium auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag mitteilte. Das Schreiben liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Einen Negativrekord gab es bei sicherheitsrelevanten Rückrufen. Etwa 3,5 Millionen Pkw mussten in die Werkstatt, weil beispielsweise Lenkung, Bremsen oder Motoren nicht zuverlässig arbeiteten. Das waren 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Binnen sechs Jahren hat sich die Zahl sicherheitsbedingter Rückrufe mehr als vervierfacht - 2012 waren es nur etwa 824.000 Fahrzeuge gewesen.

Mehr Assistenzsysteme, mehr Probleme

"Das ist eine problematische Entwicklung, die der Branche zu denken geben sollte", sagte Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag. Neue Modelle würden immer schneller auf den Markt gebracht und die gleichen Teile in immer mehr Fahrzeugen verbaut. "Gleichzeitig steigt der Kostendruck bei den Zulieferern. Dann wird schnell beim Material gespart oder nicht so ausführlich getestet."

Die wachsende Nutzung von Fahrassistenten und Elektronik macht der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer für den Anstieg bei Rückrufen mitverantwortlich. "Je größer die Zahl der Funktionen ist, umso größer ist die Ausfallwahrscheinlichkeit für das Gesamtsystem", sagte Dudenhöffer dem "Handelsblatt", das zuerst über die Zahlen berichtet hatte.

Mercedes führt Negativrangliste an

Die Rückrufrangliste für das Jahr 2018 führt Mercedes deutlich an - knapp eine Million Fahrzeuge der Marke waren betroffen. Dahinter folgen VW mit etwa 460.000 und Audi mit gut 360.000 Wagen.

Daimler bezweifelt allerdings die Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes. Der Konzern könne "die Zahl der durch das KBA veranlassten amtlichen Rückrufe für Mercedes-Benz nicht nachvollziehen", teilte ein Daimler-Sprecher mit. Es seien höchstens etwa halb so viele Mercedes von Rückrufen betroffen wie von der Behörde angegeben. Das Unternehmen bemühe sich beim KBA um Aufklärung. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte das KBA seine Darstellung.

Dessen Angaben zufolge wurden 2018 insgesamt etwa 220.000 Autos im Zusammenhang mit dem Abgasskandal zurückgerufen. Davon stammten etwa die Hälfte von Mercedes. Nicht zu den offiziellen Rückrufen gezählt wurden die sogenannten freiwilligen Software-Updates, mit denen Hersteller den Abgasausstoß der Autos reduzieren wollen. Die neuen Programme sollen bei etwa 6,3 Millionen Fahrzeugen aufgespielt werden.

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