Saab-Käufer Koenigsegg Branchen-Zwerg mit Extrem-Autos

Skurriler Saab-Interessent: Wenn Geld keine Rolle spielt, Tempo und Exklusivität dafür umso mehr - dann landet der experimentierfreudige Autointeressent irgendwann auch bei der schwedischen Marke Koenigsegg.


Eine Absichtserklärung gibt es schon und auf den ersten Blick wirkt das Geschäft auch sinnvoll: Der insolvente US-Autokonzern General Motors will seine ebenfalls insolvente schwedische Marke Saab lieber heute als morgen verkaufen. Die Gelegenheit scheint günstig, denn seit einigen Tagen gibt es Meldungen, nach denen die Supersportwagenmanufaktur Koenigsegg aus dem südschwedischen Ängelholm den etwa hundertmal größeren Autohersteller Saab übernehmen will.

Noch gibt es viele Fragezeichen, doch angeblich soll das Geschäft im dritten Quartal abgeschlossen werden. Dann würde Christian von Koenigsegg, seinem norwegischer Kompagnon Bard Eker, einem Designer und Koenigsegg-Miteigentümer, sowie einem US-Investor die 1937 gegründete Traditionsmarke aus Trollhättan gehören. Um die Übernahme des hochverschuldeten Autobauers den neuen Eignern schmackhaft zu machen, würde GM auf drei Viertel seiner Ansprüche verzichten; dazu gäbe es Staatshilfe von rund 600 Millionen Euro.

Mit dem Geld soll Saab, ein Unternehmen, das seit 1996 konstant Verluste verbucht und allein in diesem Jahr schätzungsweise ein Minus von 280 Millionen Euro einfahren wird, wieder flott gemacht werden. Vor allem auf vier neuen Modellen - angeblich sind die Autos schon so gut wie fertig - ruht die Hoffnung.

Der Kauf von Saab scheint jetzt beschlossene Sache

Koenigsegg kauft Saab - die Story ist eigentlich etwas für das Guinness-Buch der Rekorde. Wohl noch nie hat eine Firma, die 45 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr 18 Supersportwagen produziert hat, eine Firma mit rund 3400 Beschäftigten, die im gleichen Zeitraum etwa 93.000 Autos gebaut haben, geschluckt. Doch Koenigsegg ist eine Marke, die Superlative beinahe magisch anzuziehen scheint.

Nichts an dem 1994 von Christian von Koenigsegg gegründeten Unternehmen ist gewöhnlich. Von Anfang an wurde das Ziel proklamiert, "reine Fahrmaschinen" zu konstruieren und zu bauen - und, Ironie des Schicksals, zunächst griffen Firmen wie Saab und Volvo dem ungestümen Landsmann mit Entwicklungshilfe unter die Arme. Im Jahr 2000 dann begann die Serienproduktion; was die Stückzahlen betrifft zwar auf niedrigstem Niveau, doch ansonsten waren die Kennziffern schwindelerregend.

Geschwindigkeitsrekorde wie am Fließband

So hält beispielsweise der Koenigsegg CC8S, ein lediglich 1170 Kilogramm schwerer Extremrenner mit 664 PS starkem V8-Motor, nach Gerüchten der Vollgas-Szene den äußerst zweifelhaften Rekord der gravierendsten Tempoübertretung: Angeblich wurde ein solches Auto beim Gumball-3000-Rennen in den USA mit circa 289 km/h in einer 75-Meilen-Zone (circa 120 km/h) geblitzt.

Auch einen offiziellen Rekordwert gibt es. Das schon erwähnte Modell hielt vor einigen Jahren vorübergehend die Geschwindigkeitsbestmarke für Serienfahrzeuge mit 388 km/h, aufgestellt auf der Rennstrecke im italienischen Nardo. Und der Koenigsegg CCR (817 PS) galt 2005 als das damals schnellste Serienfahrzeug mit Straßenzulassung. Auf dem Autosalon in Genf 2008 dann stellten die Schweden die Variante CCXR vor, ein Fahrzeug, das schneller als 400 km/h fahren kann und dessen Motor je nach Tankinhalt bis zu 1018 PS mobilisiert.

Irrsinnige Fahrmaschinen für horrendes Geld

Der Extremismus auf Rädern ist auch finanziell keine Kleinigkeit. 1,5 Millionen netto zum Beispiel verlangt Koenigsegg für den CCXR - eine spezielle Einweisung durch einen erfahrenen Piloten auf einer Rennstrecke nach Wahl des Kunden inklusive. Das günstigste Modell kostet mindestens 650.000 Euro. Im kommenden Jahr soll erstmals ein Viersitzer angeboten werden. Der Prototyp des Modells Quant stand im Frühling auf dem Autosalon in Genf. Zwei Elektromotoren mit einer Leistung von insgesamt 700 PS sollen das Ungetüm abgasfrei über die äußerste linke Spur schieben.

Auch Saab pflegte stets das Image des etwas anderen Automobilherstellers und erfreute die Fans mit der Pflege kleiner Schrulligkeiten. Doch muss es nun gleich so extrem werden? Und kann eine Firma wie Koenigsegg einen Autohersteller wie Saab überhaupt zu neuem Glanz führen? Über ein Konzept, wie das gelingen soll, ist noch nichts bekannt. Vermutlich werden zunächst die pekuniären Eckdaten der Übernahme festgezurrt - und erst dann kommt die wirklich entscheidende Frage nach der Zukunft von Saab. Es sieht aus, als würde diese Zukunft zumindest spektakulär.



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