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Saab-Studie Phönix: Volle Kraft voraus

Foto: Martial Trezzini/ dpa

Saab-Studie Phönix Schwungvoll aus der Asche

Der schwedischen Marke Saab, die vor einem Jahr noch ums Überleben kämpfte, gelang in Genf eine echte Überraschung: Enthüllt wurde ein spektakulär gestyltes Coupé mit dem beziehungsreichen Namen Phönix. "Wir wollen provozieren", sagt Saab-Designer Jason Castriota.

Die Kombiversion des 9-5 sollte die Neuheit sein, mit der der Saab auf der Messe das Publikum anlocken wollte - das verkündeten jedenfalls Offizielle des schwedischen Traditionskonzerns noch kurz vor der Eröffnung des Genfer Automobilsalons. Wirtschaftlich ist das Modell sicher äußerst wichtig für die Marke, die im Frühling 2010 nach jahrelangem Siechtum von General Motors an den holländischen Sportwagenhersteller Spyker verkauft wurde. Denn Autos der gehobenen Mittelklasse werden nunmal häufig in der Kombi-Version gekauft.

Doch dann stand da noch ein weiteres, verhülltes Modell auf dem Messestand, flach, kompakt, rätselhaft. Als das Tuch vom Auto weggezogen war, hatte der 81. Genfer Autosalon die nächste dicke Überraschung: die Saab-Studie Phönix. Das 4,42 Meter lange Coupé mit dem Namen des mythischen Vogels, der verbrennt, um aus seiner Asche neu zu erstehen, soll wohl vor allem ein Zeichen dafür sein, dass Saab wieder da ist. Und vor allem: das jetzt ein neuer Höhenflug beginnen soll.

Allerdings nicht mit einem 2+2-Sitzer wie dem Modell Phönix. "Es ging bei diesem Auto darum, mal wieder etwas Provokatives zu zeigen", sagt Saab-Desgner Jason Castriota. Trotzdem sei das Auto keineswegs nur ein Knalleffekt für das nach abgefahrenen Mobilen lechzende Messepublikum. "Wir möchten wieder zu einem Design kommen, an dem sich die aeronautische Vergangenheit von Saab ablesen lässt. Unsere Autos müssen wieder vollkommen unverkennbar werden, und da muss man anfangs auch mal ein bisschen phantasieren", erklärt Castriota.

Er meint damit zum Beispiel die zahlreichen exaltiert anmutenden Details wie etwa die merkwürdigen Spoiler an den Flanken oder das stark eingezogene Heck. "Diese Dinge sehen aufregend aus, erfüllen aber allesamt eine aerodynamische Funktion. Das Auto hat nämlich den exzellenten Luftwiderstands-Beiwert von 0,25", wirbt Castriota. Und völlig daherphantasiert wirkt die Karosserie auch nicht. Der Bug, so sagt der Designer, zeige bereits alle wesentlichen Merkmale der Mittelklasse-Baureihe 9-3, die im kommenden Jahr an den Start gehen soll. Außerdem stehe die Studie auf der neuen, so genannten Phönix-Plattform - also exakt jener technischen Grundlage, die auch die Basis des Saab 9-3 bilden wird.

Neben der neuen Technik werden auch frische Interieur-Ideen umgesetzt

Wiedersehen wird man aber nicht nur technische und gestalterische Komponenten der rassigen Studie, sondern vermutlich auch einzelne Details der Ausstattung. Das Interieur ist nüchtern, klar und reduziert gestaltet - hier und da gibt es Anklänge an die Luftfahrtgeschichte von Saab, sonst aber weicht die Tradition einem kühlen Hightech-Ambiente. Rechts neben dem Lenkrad gibt es beispielsweise einen großen Touchscreen. Auf ihm läuft - und das ist wohl das Innenraum-Detail mit der größten Seriennähe - das neue Infotainment-System, IQon genannt, bei dem Saab auf die Android-Software von Google setzt und dadurch eine Plattform für Software schafft, die die Nutzer sich bei Bedarf ins Auto holen können.

Der Hybridantrieb der Studie wirkt zunächst wie eine Kulturrevolution im Hause Saab, doch die Chancen für die Realisierung stehen nicht schlecht. Denn der neue Saab-Eigner Spyker hat eine Kooperation mit BMW vereinbart, und eine Frucht dieser Zusammenarbeit könnte der 1,6-Liter-Turbobenziner mit 200 PS sein, den Saab übernehmen darf. Der 34 PS starke Elektromotor an der Hinterachse des Phönix-Coupés ist auch keine Zukunftsmusik. Denn Peugeot hat den Motor für die Hybridversion des 3008 entwickelt und gerade in eine ebenfalls neue Kooperation mit BMW eingebracht. Warum also sollte nicht auch Saab von diesem Industrie-Zusammenspiel profitieren?

Saab soll mit dem kommenden Modell 9-3 ganz neu starten

Die Fahrleistungen jedenfalls klingen vielversprechend: Von 0 auf 100 schafft es die Studie in 5,9 Sekunden, bei 250 km/h Höchstgeschwindigkeit liegt die freiwillige Selbstbeschränkung, und über einen errechneten Durchschnittsverbrauch von 5,0 Liter je 100 Kilometer kann man auch nicht meckern. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Doch wenigstens sind solche Melodien bei Saab wieder zu hören. Vielleicht ist es auch als gutes Zeichen für die Marke zu werten, dass sich ihr niederländischer Besitzer Victor Muller, wie man dieser Tage immer wieder hört und liest, sich von der von ihm wiederbelebten Sportwagenmarke Spyker trennen will, um sich ganz auf die Reanimation von Saab zu konzentrieren. Denn dort gibt es reichlich zu tun. Designer Castriota: "Vom künftigen 9-3 sind bereits drei Karosserievarianten fertig. Wir stehen bereit."