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Neue Scheinwerfer:: Es werde Laserlicht

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Neue Scheinwerfer-Technologie Star Wars auf der Autobahn

Lichttechnologie ist die neue Wettkampfarena für deutsche Autobauer. Sie entwickeln Scheinwerfer für 600 Meter Helligkeit. Letzter Schrei ist das Laserlicht. Es bietet mehr Sicherheit und funkelndes Design - hat aber seinen Preis.

Eine Neumondnacht irgendwo in Frankreich, die schmale Straße ist menschenleer. Das Testauto strahlt aus hochmodernen LED-Scheinwerfern weit in die Dunkelheit. Dann beschleunigt der Fahrer auf mehr als 70 km/h und es folgt die wahre Erleuchtung: Aus den Scheinwerfen schießt eine gleißende Lichtkeule weit in die Nacht und lässt ein Straßenschild, noch ewig entfernt, den hellen Schein reflektieren.

Hinter dem Zauber steckt eine Neuheit, die BMW ab Herbst für den Hybrid-Sportwagen i8 anbieten wird: Laserlicht. Galt bislang LED-Licht mit einzeln ansteuerbaren Leuchtdioden als neuester Stand der Technik, etwa das so genannte Matrix-Licht im Audi A8, zücken die Entwickler jetzt das Laserschwert. "Wir verdoppeln die Leuchtweite gegenüber einem LED-Fernlicht von 300 auf 600 Meter", sagt BMW-Projektleiter Thomas Hausmann.

Allerdings schicken die Münchner keinen Laserstrahl direkt in die Nacht. Sondern im Innern des Scheinwerfers trifft ein Laser über ein System von Spiegeln auf einen Chip mit Phosphor-Kristallen; und die wiederum senden über einen Reflektor gleißend weißes Licht aus den Scheinwerferlinsen. Das ist völlig ungefährlich und wird vom menschlichen Auge sogar als angenehm empfunden - jedenfalls wenn man hinter dem Scheinwerfer steht.

Selbstzerstörungsmechanismus im Laserlichtsystem

BMW setzt die neue Technik zunächst lediglich als so genannten Booster fürs Fernlicht ein. Das Laserlicht wird erst oberhalb von mehr als 70 km/h eingeschaltet und auch nur, wenn die Umgebung komplett dunkel ist und keine anderen Verkehrsteilnehmer irritiert werden. Als Lichthupe lässt sich die Laserlichtkanone nicht gebrauchen. Überhaupt ist das neue Leuchtmodul gegen unerwünschte Handhabe geschützt. "Genau wie manche Handys zerstört sich die Elektronik selbst, wenn jemand daran herumschraubt", sagt Hausmann.

Neben besserer Sicht und damit Sicherheit biete das Laserlicht noch mehr Vorteile, erklärt Hausmann: Das System braucht im Vergleich zu den ohnehin schon effizienten LED-Leuchten 30 Prozent weniger elektrische Energie; auch das Gewicht sinkt um 30 Prozent. Und der benötigte Bauraum schrumpft auf das Format einer Zigarettenschachtel.

Wer ist der Hellste?

Unter Autoherstellern scheint ein Wettbewerb um Lux, Lumen und Leuchtweite zu entbrennen. Audi und BMW ringen derzeit darum, wer den längsten Lichtkegel zu bieten hat und wer die entsprechende Technologie zuerst einsetzen kann. Audi etwa hat angekündigt, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans drei R18-Rennwagen mit Laserlicht zu bestücken. BMW wird das Laserlicht ein paar Monate später, dafür aber in einem Serienauto auf den Markt bringen - gegen Aufpreis.

Cornelius Neumann vom Lichttechnischen Institut am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) interessiert sich nicht für das Gerangel der Hersteller, sondern allein für den Kundennutzen. "Mehr Sicht bedeutet immer auch mehr Sicherheit", sagt der Professor und verweist auf die Statistik. Danach entfallen zwar nur 30 Prozent aller Fahrten, aber 50 Prozent aller Unfälle auf die Nachtstunden. "Je mehr Licht man ins Dunkel bringt, desto besser", argumentiert er und erwartet vom Laserlicht einen Sicherheitsgewinn. Sobald die ersten Fahrzeuge mit dieser Lichttechnik auf der Straße sind, sollen entsprechende Daten erhoben werden.

Auch die Designer haben die Hightech-Scheinwerfer als Betätigungsfeld entdeckt, schließlich ist das der einzige Teil ihrer Arbeit, den man auch nachts sieht. Schon seit einiger Zeit sind so genannte Lichtsignaturen in Mode, mit denen Autos auch bei Dunkelheit eindeutig einer Marke zuzuordnen sein sollen. Jüngste Lightshow sind die je 47 Swarovski-Kristalle, die Mercedes in jedem Frontscheinwerfer des neuen S-Klasse Coupé extrovertierten Kunden anbietet. Das Auto funkelt dann auch in Sommernächten wie ein Weihnachtsschlitten.

Neue Lichttechnologie ist ein teures Extra

Für die Hersteller bedeuten derartige Lichtinnovationen vor allem auch eine Umsatzsteigerung. Ein aufwändiger Scheinwerfer koste schließlich mehr als mancher einfache Benzin-Motor, sagt ein Audi-Entwickler. Entsprechend happig sind die Aufpreise. Für das Laserlicht von BMW gibt es zwar noch keinen konkreten Preis, doch es dürfte wohl eine vierstellige Summe werden. Weil aber das Auto schon 126.000 Euro kostet, wird das kaum auffallen.

Generell werden aufpreispflichtige Scheinwerfer gern genommen. Bei BMW etwa liegen die so genannten Take-Rates, also die Entscheidungen für das Extra, bei den bis zu knapp 2000 Euro teuren LED-Scheinwerfern in der 5er-, 6er- und 7er-Baureihe bei mehr als 50 Prozent. Und selbst Seat kommt beim Leon, dem ersten Kompaktauto mit LED-Scheinwerfern, kaum mit der Lieferung hinterher, und kassiert für das Extralicht immerhin 1190 Euro Aufpreis.

Das Laserlicht war ursprünglich für Kino-Projektoren gedacht

Dass Laserlicht noch teurer werden dürfte, hat nicht nur mit dem großen Entwicklungsaufwand und den zunächst kleinen Stückzahlen zu tun. BMW-Projektleiter Hausmann sagt: "LED werden mittlerweile zu Hunderten angeboten und die Preise sind in den Keller gefallen. Doch für das Laserlicht im Auto gibt es derzeit weltweit nur einen einzigen Chip, und den lässt sich Osram teuer bezahlen."

Die Münchner Firma entwickelte den Chip ursprünglich nicht für den Einsatz im Auto, sondern für digitale Kino-Projektoren. Während die allerdings fest montiert und auf eine Umgebungstemperatur von 20 Grad ausgelegt sind, muss der Laserchip im Auto heftigen Vibrationen und Temperaturen zwischen minus 40 und plus 80 Grad standhalten. Hausmann: "Das macht die Sache nicht billiger."

Licht-Professor Neumann beobachtet die Entwicklung zu mehr Helligkeit auf dunklen Straßen dennoch mit Freude. Nicht nur wegen des von ihm prophezeiten Sicherheitsgewinns. Sondern auch, weil damit auch seine Zunft ins Rampenlicht rückt, denn in der Industrie gibt es größere Budgets und mehr Beachtung für Licht-Entwickler. Die Berufsperspektiven für Hightech-Beleuchter könnten kaum besser sein. Neumann: "In den vergangenen Jahren hatte ich keine Mühe, meine Studenten unterzubringen."

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