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Schlafen im Auto: Na dann, gute Nacht

Foto: Autohimmelbett

Schlafen im Auto Ab in die Kiste

Die Sitzlehne nach hinten stellen? Es geht auch bequemer: Wer im Auto schlafen möchte, kann sich für wenig Geld ein bisschen Luxus gönnen. Sechs Beispiele für praktische Umrüstungen.

Im Auto zu übernachten, ist für viele Menschen ein Albtraum. Warum sollte man sich das freiwillig antun? "Weil man dann wirklich unabhängig ist", sagt Jochen Küster, "es bedeutet Freiheit." Küster muss es wissen. Er rüstet seit rund dreißig Jahren Kastenwagen wie VW Caddy, Citroën Berlingo, Opel Combo oder ähnliche Typen zu Mini-Wohnmobilen um.

Sitzen, Kochen, Essen und natürlich auch Schlafen - das alles geht im Auto. Im Prinzip bietet ein entsprechend ausgestatteter Pkw all das, was auch in klassischen Campingbussen wie VW California, Mercedes Marco Polo oder Ford Nugget vorhanden ist. Nur eben eine Nummer kleiner und vor allem zu einem Bruchteil des Preises.

Angebote ab 1200 Euro

Ein fabrikneuer Campingbus kostet mindestens 40.000 Euro, und dafür gibt es gerade mal die schwächste Motorisierung und die Basisausstattung. Eine Wohn-Schlaf-Kochreinrichtung von Küsters Firma C-Tec kostet, je nach Fahrzeug und Zubehör zwischen 3000 und 4000 Euro. Binnen weniger Minuten lässt sie sich ins Auto ein- und ausbauen.

In dieser Größenordnung bewegen sich auch die Preise anderer Anbieter solcher Wohnmodule, von denen es Dutzende gibt. Eine Auswahl:

  • Ein Schlafsystem für den VW Touran bietet zum Beispiel die bayerische Firma VanEssa ab 1195 Euro an. Das Gestell lässt sich ohne Bohrungen oder Schrauben im Fahrzeug befestigen, gilt damit als Ladung und erfordert keine gesonderte TÜV-Abnahme - ein Detail, das auch auf alle anderen hier vorgestellten Umbauvarianten zutrifft. Meist handelt es sich um modular aufgebaute Systeme, bei denen Bett, Küchenausstattung, Staufächer, Sitzgelegenheiten, Kühlbox und teilweise auch eine Chemietoilette miteinander kombiniert werden können.
  • Der hessische Hersteller Reimo bietet ein aus vier Elementen bestehendes Schlaf-, Küchen-, Staumodul für VW Caddy und Citroën Berlingo an (ab 1458 Euro), mit dem sich die Kastenwagen in Kleinstraumwohnungen verwandeln lassen.
  • Ein ähnliches Angebot hat die WUK , ein Kürzel für "Wohnmobil-Ultra-Kompakt", aus Bayreuth im Programm, wobei deren VW-Caddy-Ausbau ab 2950 Euro kostet und sogar drei Schlafplätze bietet (zwei Erwachsene, ein Kind).
Kombi-Box von Ququq in einem VW Caddy

Kombi-Box von Ququq in einem VW Caddy

Foto: QUQUQ

  • Die Firma Ququq Campingbox aus Nordrhein-Westfalen (Werbeslogan: "In einer Minute vom Kombi zum Camper") verkauft ihre sogenannte Kombi-Box mit Kocherschublade, zwei Zehn-Liter-Wassertanks sowie Doppelbett inklusive Kaltschaummatratze für 2190 Euro.
  • Wer es noch rudimentärer mag, ist bei Jens Buse richtig. Der gelernte Maschinenschlosser aus Westerkappeln hat das sogenannte Autohimmelbett erfunden, eine Schlafgelegenheit, die sich bei jedem Hochdachkombi unters Dach bauen lässt, indem die Befestigungsösen für das Gepäcknetz benutzt werden. Soll im Auto geschlafen werden, lässt sich das Bett (ab 1245 Euro) mit wenigen Handgriffen - auf Wunsch gibt es auch einen Kurbelmechanismus - absenken. Und schon kann man, wie in einer Höhle, auf halber Höhe im Auto schlummern.

Das rät der Schlafforscher

Bleibt die Frage, ob man in einem derart umgerüsteten und mithin engen Auto überhaupt erholsamen Schlaf findet. Professor Ingo Fietze vom Schlafmedizinischen Zentrum der Berliner Charité sieht da kein grundsätzliches Problem. "Etwa zwei Drittel der Deutschen sind begnadete Schläfer. Und die werden auch in einem Auto problemlos schlafen - auch wenn es vielleicht etwas enger, wärmer oder lauter ist als gewohnt."

Je nach Komfort kann eine Schlafstätte im Auto nach Ansicht von Fietze sogar attraktiver sein als ein Hotelbett: "Eine Nacht im Auto hat ja auch ein bisschen was von Abenteuer, und vermutlich schätzen vor allem junge Leute die kuschelige Enge." Wichtig ist dabei aber eine ausreichende Belüftung: "Es ist wohl sinnvoll, eine Seitenscheibe oder das Schiebedach einen Spalt geöffnet zu lassen", rät der Professor.

Wer trotz der entsprechenden Auto-Ausrüstung unsicher ist, ob er im Wagen schlafen kann, für den hat Schlafforscher Fietze noch einen Tipp: "Wer unter einem Baum parkt, in dem der Wind rauscht oder am Rand eines plätschernden Baches, schläft vermutlich besser ein. Denn ein monotones Geräusch kann dabei helfen."

Wichtig - vor allem für Bachrandparker - ist nur noch dies: Handbremse anziehen!

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