In Schweizer Mine Weltgrößtes Elektrofahrzeug muss (fast) nicht geladen werden

Ein 45-Tonnen-Lkw ist das größte E-Fahrzeug der Welt. Dass er niemals aufgeladen werden muss oder sogar Strom ins Netz einspeist, stimmt jedoch nicht. Effizienter als ein Diesel ist er trotzdem.

Muss dank seiner Route nur selten aufgeladen werden: Der elektrisch angetriebene eDumper
Andreas Sutter/ eMining/ Kuhn Schweiz

Muss dank seiner Route nur selten aufgeladen werden: Der elektrisch angetriebene eDumper


Mit einem elektrischen Lkw 65 Tonnen Gestein transportieren und dabei keinen Strom verbrauchen - was nach einem Perpetuum mobile klingt, schafft ein Muldenkipper mit E-Antrieb in der Schweiz - zumindest beinahe. Der (leer) 45 Tonnen schwere "eDumper" ist dort im Steinbruch einer Zementfabrik im Einsatz und muss kaum aufgeladen werden, erklärt Gernot Beutle, Vertriebsleiter von eMining, dem Hersteller des Lastwagens.

Möglich wird das durch sein spezielles Arbeitsprofil: Er wird im Steinbruch mit 65 Tonnen Gestein beladen, die er dann über eine Strecke mit einem 13-prozentigen Gefälle zur Abladestelle transportiert. Unterwegs bremsen die Elektromotoren den Riesen-Lkw und speisen die dabei entstehende Energie in die 700-kWh-Batterie. Bei normalen Bremsen würde die Energie in Form von Wärme an die Umwelt abgegeben.

Der Lkw ist effizienter als ein Diesel - aber speist keinen Strom ins Netz ein

Diesen Strom nutzt der Lkw anschließend, um wieder nach oben in die Mine zu fahren. Eigentlich soll er sogar bei der Abfahrt mehr Elektrizität als nötig produzieren, und diese überschüssige Energie ins Netz einspeisen, erklärt Beutle. Das habe man bis heute jedoch nicht geschafft - stattdessen muss er gelegentlich geladen werden.

"Der Lkw verbraucht Energie, aber sehr wenig - und ist deutlich effizienter als ein vergleichbarer Diesellastwagen", räumt Beutle ein. Das Ziel wird zum Beispiel durch die im Winter nötigen Schneeketten torpediert, die sich stark auf den Verbrauch auswirken. Trotzdem spart der eDumper jede Menge CO2, denn ein klassischer Muldenkipper würde rund 50.000 Liter Diesel pro Jahr verbrauchen - und damit 130 Tonnen Kohlendioxid freisetzen.

eDumper spart 1300 Tonnen CO2

Über zehn Jahre soll der Lastwagen, für dessen Herstellung ein gebrauchter Diesel-Lkw umgerüstet wurde, rund 300.000 Tonnen Gestein abtransportieren und damit 1300 Tonnen CO2 einsparen. Über diesen Zeitraum soll sich auch der Elektroantrieb finanziell lohnen - trotz der hohen Einstiegskosten. "Der eDumper ist rund zweieinhalb Mal teurer als ein Diesel-Lkw, lohnt sich aber durch die geringeren Betriebskosten", sagt Vertriebsleiter Beutle.

Elektrofahrzeuge seien im Bergbau jedoch nicht universell einsetzbar, sondern immer eine Insellösung, die perfekt auf ihre Aufgabe zugeschnitten sein müssen. "Jede Kilowattstunde Speicher extra kostet viel Geld und auch Nutzlast", schränkt Beutle ein. So kämen nur zehn bis 20 Prozent der Tagbaugruben für den Lkw infrage, da er in den übrigen Minen voll bergauf und leer bergab fahren müsste. Auf Diesel-Lkw könnte man laut Beutle allerdings auch dort theoretisch verzichten - allerdings nur mithilfe von Oberleitungen oder Schnellladestationen.

ene



insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
Mehrleser 23.08.2019
1.
Überschwere Kipper (300t) gibt es schon seit einiger Zeit als elektronische Variante mit Oberleitung. Der Umbauaufwand ist gering, da diese Fahrzeuge sowieso mit einem dieselelektrischen Antrieb ausgerüstet sind.
Leser161 23.08.2019
2. Albern
Die Effizienz liegt nicht am Fahrzeug sondern an seinem spezifischen Einsatzprofil. Genausogut könnte man ein Wasserkraftwerk zum effizientesten Fahrzeug der Welt erklären.
olli_b 23.08.2019
3. nicht albern
Zitat von Leser161Die Effizienz liegt nicht am Fahrzeug sondern an seinem spezifischen Einsatzprofil. Genausogut könnte man ein Wasserkraftwerk zum effizientesten Fahrzeug der Welt erklären.
Es ist die Kombination von beidem. Ein LKW ohne Energiespeicher könnte die Lageenenergie der Ladung nicht dazu verwenden, wieder bergauf zu fahren. Was hat ein Wasserkraftwerk damit zu tun?
olli_b 23.08.2019
4. nicht albern
Es ist die Kombination von beidem. Ein LKW ohne Energiespeicher könnte die Lageenenergie der Ladung nicht dazu verwenden, wieder bergauf zu fahren. Was hat ein Wasserkraftwerk damit zu tun?
Elektricman 23.08.2019
5. Die Überschrift stimmt nicht ganz!
Denn gerade diese Muldenkipper im Tage Bergbau werden überwiegend elektrisch betrieben. Der einzige Unterschied ist, das bei diesem Typ eine Batterie eingebaut wurde. Die anderen Brüder werden Dieselelektrisch betrieben. Durch riesige Elektromotoren können schon mal mit einer Fuhre 300 Tonnen bewegt werden. Im Vergleich sehen die Arbeiter wie kleine Ameisen zu diesen riesigen Muldenkippern aus. Das so ein Fahrzeug dann ein paar Millionen EURO kostet, ist klar.
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