Seat Leon Konzern-Kannibale

Seat drückt aufs Tempo. Schon zwei Monate nach der viel beachteten Leon-Studie auf dem Genfer Autosalon präsentiert die VW-Tochter auf der Internationalen Motor Show in Barcelona im Mai die Serienversion. Und die Spanier haben Wort gehalten


Seat Leon: Handschrift von Chefdesigner Walter de Silva ist deutlich zu erkennen

Seat Leon: Handschrift von Chefdesigner Walter de Silva ist deutlich zu erkennen

Denn das fertige Kompaktmodell entspricht im Wesentlichen dem im März gezeigten Konzeptfahrzeug. Mal abgesehen von dem großen Waben-Maul in der Frontschürze, das einer tiefen Frontschürze mit drei vergitterten Lufteinlässen gewichen ist, und dem mittig-martialischen Endrohr am Heck, gingen die übrigen Stilmerkmale in die Serienversion über: die mandelförmigen "Luchsaugen" unter Klarglas, der breite Kühlergrill, die coupéähnliche Silhouette und der rund abfallende Rücken mit integriertem Dachspoiler.

Nach Altea und Toledo ist der Leon das dritte Modell, das die Handschrift von Chefdesigner Walter de Silva trägt. Das ist besonders deutlich zu sehen an der geschwungenen Linie in der Seitenansicht, der "dynamic line". Sie entspringt im hinteren Augenwinkel der Scheinwerfer, läuft leicht abfallend über beide Türen und verliert sich vor dem Hinterrad. Im Profil zeigt der Leon Coupé-Form, unterstützt durch die nach hinten ansteigende Fensterlinie mit dem in die C-Säule integrierten dritten Seitenfenster, in dem sich der Griff für die hinteren Türen befindet. Ein optischer Trick, mit dem der Ex-Alfa-Designer schon den Modellen seines früheren Arbeitgebers eine sportliche Eleganz verlieh. Das Heck zeigt ebenfalls ein vertrautes Bild mit schmalen, ums Eck laufenden Rücklichtbändern sowie dem großen Seat-Logo als Türöffner.

Gewachsene Neuauflage: 13,2 Zentimeter länger und 2,6 Zentimeter breiter

Gewachsene Neuauflage: 13,2 Zentimeter länger und 2,6 Zentimeter breiter

Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue Leon deutlich gewachsen. In der Länge um 132 auf 4315 Millimeter, in der Breite um 26 auf 1768 Millimeter, und auch der Radstand legte um 65 Millimeter auf 2578 Millimeter zu. Nur die Fahrzeughöhe ist mit 1,46 Meter nahezu identisch. Mit diesen Maßen verspricht Seat mehr Platz für alle fünf Passagiere.

Zur Markteinführung bietet Seat je zwei Benziner und Diesel aus dem VW-Regal. Den Einstieg macht ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 102 PS (75 kW), gefolgt von den beiden Selbstzündern 1.9 TDI mit 105 PS (77 kW) und 2.0 TDI mit 140 PS (103 kW). Top-Modell wird der 2-Liter-FSI-Benzindirekteinspritzer mit einer Leistung von 150 PS (110 kW). Alle Motoren erfüllen die Euro-4-Abgasnorm - die Diesel sollen serienmäßig mit Rußpartikelfilter ausgestattet sein. Weitere Motoren sind zunächst nicht vorgesehen, wären aber mit Blick auf die Genfer Studie, die als mögliche Cupra-Version im Gespräch ist, notwendig. Ein Turbo-FSI mit 200 PS aus Golf GTI und Audi A3 Sportback gibt's ja immerhin auch noch im Konzernregal.

Beide Top-Motoren mit zwei Liter Hubraum sind serienmäßig mit einem Sechsganggetriebe gekoppelt. Gegen Aufpreis ist der 2.0 FSI mit einer Sechsstufen-Automatik mit sequenzieller Tiptronic, der 2.0 TDI mit dem Direktschaltgetriebe (DSG) zu haben. Alle Leon-Modelle sind ab Werk mit ABS, TCS, ESP, elektromechanischer Servolenkung sowie Scheibenbremsen vorne und hinten ausgestattet. Für passive Sicherheit sorgen Front-, Kopf- und Seitenairbags (hinten gegen Aufpreis) sowie Dreipunktgurte auf allen fünf Sitzplätzen, vorne mit pyrotechnischen Gurtstraffern und integrierten Gurtkraftbegrenzern. Die Preise sind noch nicht bekannt - sollten aber wohl überlegt werden. Mit dem neuen Leon tritt im Herbst ein Ernst zu nehmender Golf-Gegner an, der mit seinem sportlich-dynamischen Styling und identischer Technik wie geschaffen ist, auch im eigenen Konzernrevier zu wildern.



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