Seat Vaillante Ein Seat aus dem Comic

Belgien ist das Land der Comics. "Tim & Struppi" entstanden hier ebenso wie "Lucky Luke", und so ist es kein Wunder, dass viele belgische Kinder die Sprechblasen-Storys verschlingen. Der Autodesigner Luc Donckerwolke machte da keine Ausnahme.


Luc Donckerwolke hat die Autowelt bereits geprägt. Aus seiner Feder stammen zum Beispiel die Lamborghini-Modelle Murcièlago und Gallardo, kantige Sportwagenikonen, die der Marke zu einem ungeahnten Auftrieb verhalfen. Seit einigen Monaten nun ist Donckerwolke Chefdesigner von Seat, die spanische Marke gehört ebenso wie Lamborghini zur Audi-Gruppe innerhalb des VW-Konzerns. Und bei Seat kehrte der belgische Designer jetzt zu seinen Wurzeln zurück. Beim Genfer Salon ist das Ergebnis zu sehen.

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Seat Vaillante: Seat Vaillante

Seat Ibiza Vaillante heißt der Prototyp, für den "keine Produktionsabsichten bestehen", wie die Spanier versichern. Dabei wären die vermutlich gar nicht schlecht, denn der Wagen ist ein geschärfter Ibiza mit tollen 19-Zoll-Rädern, einer sportlich ausgeformten Karosserie und einem wunderbaren, sandig-matten Perleffektlack in tief schimmerndem Französisch-Blau. Unter der Haube steckt ein 1,8-Liter-Vierzylinder mit 240 PS - doch das ist nicht so wichtig.

Wichtiger ist der Name der Studie, der zu den angesprochenen Wurzeln von Monsieur Donckerwolke führt: Vaillante. Wer je die Comic-Zeitschrift "Zack" in die Hände bekam, dem wird es nun dämmern: Vaillante? Vaillant? Genau, Michel Vaillant war eine regelmäßige Rennfahrerstory in diesem Heft. Den Comic um den Vollgashelden hatte der bretonische Zeichner Jean Graton bereits 1957 erfunden - die Serie wird bis heute fortgesetzt.

Und wer weiß, wie viele Leser sie schon dazu animiert hat, sich näher mit dem Thema Auto oder Rennsport zu beschäftigen. Bei Luc Donckerwolke jedenfalls war es so. "Als Kind zog ich mir einmal ein afrikanisches Fieber zu, da ich damals mit meiner Familie in Burundi lebte", berichtet der heute 40-Jährige. "Um mir die Genesung zu erleichtern, schenkte mir mein Vater einen Michel-Vaillant-Comic, der mich sofort begeisterte. Von da an zeichnete ich Autos."

Die Leidenschaft führte Donckerwolke schließlich ans Schweizerische Arts Centre College of Design Europe, wo er Automobildesign studierte. Sie führte ihn aber auch zum Comic-Zeichner und Vaillant-Erfinder Graton. "Ich lernte Graton tatsächlich kennen und bot mich ihm als Zeichner von Michel-Vaillant-Wagen an, was ich heute immer noch hobbymäßig mache."

Vielleicht sollten Autodesigner viel öfter ihr zeichnerisches Talent und ihr Auto-Fachwissen in anderen Sparten ausleben. Womöglich fördert es die Kreativität. Die Lamborghini-Designs aus Donckerwolkes Feder jedenfalls sind atemberaubend. Für Seat hat der Belgier noch kein eigenes Auto entworfen - vom Ibiza Vaillante einmal abgesehen, aber der basiert erstens auf dem überarbeiteten Ibiza und ist zweitens viel mehr eine Hommage an den Rennfahrer-Comic als ein Autoprojekt. Gelungen ist es in beiderlei Hinsicht. Und bitte: Die irre Farbe, die könnte doch wenigstens in die Serienfertigung übernommen werden.



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