Selbstverpflichtung Dreiviertel der großen Autobauer verfehlen Klimaziele

Die meisten der größten Autobauer bleiben weit hinter ihren selbst gesteckten Klimazielen zurück. Audi, BMW und VW liegen in der Negativliste weit vorne, ergab eine Studie. Ihre Autoren halten Strafen für angemessen, die EU droht mit Gesetzen.


Straßburg/Brüssel - 15 von 20 der größten Autofirmen handelten bei der Frage der Kraftstoff-Effizienz nicht schnell genug, heißt es in einem heute veröffentlichten Bericht der Umweltgruppe Transport & Environment (T&E). Sie verfehlten die mit der EU vereinbarten Klimaziele deutlich. Nach der freiwilligen Vereinbarung der Autobauer mit der EU sollte die Emission von Kohlendioxid bei Neuwagen bis 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer reduziert werden.

Nissan hält den Negativrekord in Europa, wenn es darum geht, die Emissionen bei den Neuwagen zu senken, heißt es in dem Bericht. In der Rangliste folgten Suzuki, Mazda, Audi, Volvo, BMW und Volkswagen. Volkswagen hat der Studie zufolge gerade mal die Hälfte des Abbauziels erreicht. Bei BMW sind es 40 Prozent und bei Audi sogar nur 35 Prozent. Hingegen würden Fiat, Citroën, Peugeot, Renault und Ford die Ziele bis 2008 erfüllen oder sogar übertreffen, wenn man ihre bisherigen Anstrengungen berücksichtige.

Die EU-Kommission drohte den Konzernen mit strengen Vorschriften, wenn sie ihren selbst auferlegten Vorgaben nicht nachkommen sollten. "Die Industrie muss ihre Anstrengungen deutlich erhöhen, um die EU-Ziele einzuhalten", sagte die Sprecherin von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas der Nachrichtenagentur AFP. Ansonsten könne die EU gesetzliche Vorschriften erlassen.

Autobauer-Verband: Bringschuld bei den Kunden

Die EU müsse sich von den freiwilligen Zielvereinbarungen verabschieden, forderte T&E-Mitarbeiter Aat Peterse. Auch die Schaffung rechtsverbindlicher Maßnahmen zur Verdoppelung der Kraftstoff-Effizienz im kommenden Jahrzehnt bezeichnete er als Zeitverschwendung. Strafen seien die einzige Möglichkeit, um den notwendigen Fortschritt zu erzielen, sagte Peterse. Der Verband T&E ist ein Zusammenschluss von 44 europäischen Organisationen. Ihm gehören auch die Deutsche Umwelthilfe und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) an.

Eine Sprecherin des Automobilhersteller-Verbands ACEA nannte die Studie dagegen irreführend. Die Selbstverpflichtung beziehe sich auf die gesamte europäische Industrie und nicht auf einzelne Konzerne. Nach ihren Angaben ist die Branche allerdings insgesamt im Rückstand: Nach letzten verfügbaren Zahlen von 2004 hatten alle Hersteller zusammen ihren CO2-Ausstoß nur gut halb so stark reduziert wie bis 2008 angestrebt. Die Verbandssprecherin sieht die Bringschuld bei den Kunden: "Sie müssen ihr Fahrverhalten ändern und andere Wagen kaufen."

abl/AFP/Reuters



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