Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Unfallschutz für Fahrradfahrer Blasen Sie sich doch mal auf

Radler werden im Straßenverkehr oft von Autofahrern übersehen. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich auf dem Rad besser sichtbar zu machen. Nicht alle sind sinnvoll.

Radeln ist gesund, kann aber auch gefährlich werden. Denn ein Nachteil erhöht das Unfallrisiko: "Radfahrer gehen total unter. Sie sind so klein im Vergleich zu all den Autos", sagen die Studenten Freia Achenbach und David Gebka. Das wollten die beiden ändern. Doch wie macht man Radfahrer größer? Ihre Lösung: einfach aufblasen.

Bei Windstille sieht "Blow up" aus wie ein Cape

Bei Windstille sieht "Blow up" aus wie ein Cape

Foto: Abk Stuttgart

Achenbach und Gebka studieren an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste (ABK) in Stuttgart Industriedesign. Im vergangenen Wintersemester erhielten sie im Rahmen eines Projektes die Aufgabe, Accessoires rund ums Rad zu entwickeln. Da kam ihnen die Idee, Radfahrer durch zusätzliches Volumen sichtbarer zu machen - mit einer Jacke, die sich während der Fahrt aufbläst.

"Uns war Auffälligkeit ganz wichtig", erzählt Achenbach. So entstand eine Reißverschlussjacke namens "Blow up", bei der auf Höhe der Hüfte zwei Schlitze integriert sind. Durch sie strömt der Fahrtwind und bauscht den Blousonseidekittel auf. Der Fahrer sieht dann aus wie ein Seestern auf zwei Rädern.

"Die Testfahrten waren witzig", erzählt Gebka. "Die Leute haben sich regelrecht nach unserer Fahrerin umgedreht." Das Ziel der gesteigerten Aufmerksamkeit war also erreicht.

Die Stuttgarter Studenten greifen mit ihrer "Blow up"-Jacke das Sicherheitsproblem der Radfahrer mit Ironie und Witz auf, doch auch der klassische Fahrradhandel bietet einfallsreiche Lösungen - beispielsweise durch zusätzliche Beleuchtung an Rad und Kleidung.

So gibt es unter anderem im Helm integrierte Strahler, phosphoreszierende Alltagsschuhe, Spezial-Strumpfhosen oder Lampen, die Leuchtsymbole auf die Straße werfen.

Doch nicht alles, was leuchtet und blinkt, ist automatisch sicher - manches ist in Deutschland gar nicht erlaubt.

Hier ist eine Übersicht der Leuchtmittel:

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Foto: C-Timm/ schnieke

In der Straßenverkehrsordnung ist genau festgeschrieben, was hierzulande ans Fahrrad gehört:

  • ein weißer Scheinwerfer plus Reflektor
  • ein rotes Rücklicht plus Reflektor und ein kleiner Rückstrahler am Schutzblech
  • Speichenreflektoren oder Reflexstreifen auf den Reifen (erlaubt sind auch längliche Speichenclips)
  • Reflektoren an den Seiten der Pedale

Diese Beleuchtungsvorschrift - so behördendeutsch sie auch klingen mag - ist nach Ansicht von René Filippek, dem Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), durchaus sinnvoll. Weil dadurch eine einheitliche Silhouette entsteht, könne bei gesetzeskonformer Lichtausstattung jeder auf Anhieb erkennen, wenn sich im Dunkeln ein Radler nähert.

Eine zu willkürliche Beleuchtung sorgt dagegen für Irritationen: "Kommt ein Fahrer als elektrischer Reiter daher", so Filippek, "wird das im Straßenverkehr zum Problem."

Warnwesten sind kein effizienter Schutz

Generell empfiehlt er, im Dunkeln gut sichtbare Kleidung zu tragen - sei es, weil sie mit Reflektoren ausgestattet oder einfach hell ist. Von den in Mode gekommenen Warnwesten hält er dagegen nicht viel: Weil der Autoscheinwerfer auf die Straße gerichtet sei, bringe die Baustellenbekleidung oftmals weniger als von den Radfahrern erhofft. Am effektivsten, so Filippek, sei ein Reflektorband am Hosenbein - weil die charakteristische Tretbewegung deutlich mache, dass es sich um einen Radfahrer handle.

Grundsätzlich sieht der ADFC-Sprecher die Verantwortung aber bei den anderen Verkehrsteilnehmern: "Der Stärkere muss auf den Schwächeren Rücksicht nehmen." Zu viel Aufwand, um von Autofahrern besser gesehen zu werden, lehnt er ab.

Die Frage laute doch: "Kann man den Leuten zumuten, sich auf dem Rad zu verkleiden?"

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mhu