Angeschlagener Autoclub Zehn-Punkte-Plan soll ADAC retten

Mehr Kontrolle bei Tests, keine Boni für verkaufte Autobatterien, strenge Regeln für den Einsatz der Hubschrauberflotte: Das sind einige Themen in einem Zehn-Punkte-Papier des ADAC. Der Club gelobt nach den Skandalen Besserung, die Führung wird geschont.

ADAC-Präsident Peter Meyer: Hubschrauberflüge sind in Zukunft gestrichen
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ADAC-Präsident Peter Meyer: Hubschrauberflüge sind in Zukunft gestrichen


Hamburg/München - Die einstige Institution ADAC ist mittlerweile zum Skandalverein verkommen. Jüngste Enthüllung: Beim Autopreis "Gelber Engel" wurde offenbar die Siegerliste der "Lieblingsautos" gefälscht. Was Präsidium und Geschäftsführung nicht schaffen - den eigenen Laden in den Griff zu kriegen - soll nun ein Chief Compliance Officer richten. In sogenannten Compliance-Programmen verpflichten sich Unternehmen zu internen Verhaltensregeln und Richtlinien. Beim ADAC soll die internationale Rechtsanwaltskanzlei Freshfields nun ein solches Regelwerk entwerfen. Das hat der Automobilclub am Freitag in einer Pressemitteilung angekündigt, in der neben einigen "Sofortmaßnahmen" auch die Eckdaten eines Zehn-Punkte-Plans präsentiert wurden.

Der Plan solle für eine "Erneuerung" des Vereins sorgen, heißt es in der Mitteilung. Die wichtigsten Maßnahmen und Punkte daraus:

  • Pannenhelfer sollen ab sofort keine Boni mehr für verkaufte Autobatterien erhalten. Bislang zahlte der ADAC seinen Mitarbeitern bei der Straßenwacht eine Prämie, wenn sie beim Wechsel einer defekten oder leeren Batterie eines der hauseigenen und relativ teuren Systeme an die Kunden verkauften. Die Fahrer sollen durch die Neuregelung "wirtschaftlich nicht schlechter gestellt werden", heißt es in der Mitteilung.

  • Um die Glaubwürdigkeit der ADAC-Tests zu garantieren soll in Zukunft kein Test mehr "ohne doppelte Qualitätskontrolle" stattfinden. Zuletzt gerieten vor allem die Reifentests des Clubs in die Kritik. Generell werden die Untersuchungen angezweifelt, weil der ADAC in vielen Fällen Produkte testet, die im eigenen Sortiment auftauchen und Anbieter analysiert, mit denen er selbst Geschäftsbeziehungen pflegt. Ein Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, dass die Tests durch externe Prüfer kontrolliert werden sollen oder zur Verifizierung wiederholt werden könnten.

  • Der Club will eine Webseite einrichten, auf der sowohl ADAC-Mitglieder als auch Außenstehende unter Klarnamen oder anonym auf Missstände innerhalb des Clubs hinweisen können. Für die Überprüfung der Hinweise soll der Compliance Officer zuständig sein. Wann die Seite freigeschaltet wird, steht laut Angaben eines ADAC-Sprechers noch nicht fest.

Der Präsident bleibt unangetastet

Als weitere Schlagworte tauchen auf dem Zehn-Punkte-Plan unter anderem Begriffe wie "Mitgliederbeteiligung", "Führung und Mitarbeiter" und "Strukturen und Rechtsformen" auf. Erdacht hat die Vorschläge die Vereinsführung unter Präsident Peter Meyer. Am Donnerstag hat sich der Verwaltungsrat - bestehend aus den Vorständen der 18 Regionalclubs - dem Plan angeschlossen. Jetzt sollen daraus konkrete Reformschritte abgeleitet und den Mitgliedervertretern auf der bereits angekündigten außerordentlichen Hauptversammlung zum Beschluss vorgelegt werden. Ein Termin für die Versammlung steht noch nicht fest.

Präsident Meyer wird in der Pressemitteilung mit den Worten zitiert, der ADAC brauche eine Zäsur, alles Etablierte müsse auf den Prüfstand gestellt werden. Seine eigene Person und die restliche Vereinsführung klammert Meyer dabei aus: Ein Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, dass es keinen Grund zu Zweifeln gebe, dass Meyer der Richtige für die Umsetzung der Reformen sei. Unter anderem sieht der Verein dieses Vertrauen in den Präsidenten durch den Zuspruch der Regionalvorstände bewiesen.

Bleibt die Frage, warum Meyer erst jetzt darauf pocht, Praktiken wie die Autobatterien-Prämien oder Hubschrauberflüge für Präsidiumsmitglieder abzuschaffen.

In ein paar Tagen droht ein weiteres Fiasko

Bereits für Anfang nächster Woche hat der ADAC eine Pressekonferenz angekündigt, auf der die Untersuchungsergebnisse der Wirtschaftsprüfer der Firma Deloitte rund um den Autopreis "Gelber Engel" bekanntgegeben werden sollen. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wird dann enthüllt, dass die Betrügereien bei der Wahl zum "Lieblingsauto" weitaus gravierender sind als bisher angenommen. Die Autohersteller wollen ihre bisher erhaltenen Preise zurückgeben, sollte sich der Verdacht erhärten.

cst

insgesamt 123 Beiträge
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Seite 1
pirx64 07.02.2014
1. Vom Kopf
Zitat von sysopDPAMehr Kontrolle bei Tests, keine Boni für verkaufte Autobatterien, strenge Regeln für den Einsatz der Hubschrauberflotte: Das sind einige Themen in einem Zehn-Punkte-Papier des ADAC. Der Club gelobt nach den Skandalen Besserung, die Führung wird geschont. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/skandale-beim-autoclub-adac-praesentiert-zehn-punkte-plan-a-952102.html
Der Fisch stinkt vom Kopf her, aber der Kopf will bleiben. Na super.
dipl-inge 07.02.2014
2. Warum immer 10 Punkte?
Es heißt immer 10 Punkte Plan egal wo. In der Politik gibt es auch immer 10 Punkte Pläne. Warum sind es nie nur 7 oder 8 Punkte? Oder mal 13 oder 18 Punkte? Alles nur Augenwischerei. 10 Punkte Pläne sind ein unglaubwürdiges Marketinginstrument um die eigene Heut zu retten. Hört sich ja auch so verdammt gut an so ein 10 Punkte Plan. Was für Spinner da!
96fan 07.02.2014
3. ...
Zitat von sysopDPAMehr Kontrolle bei Tests, keine Boni für verkaufte Autobatterien, strenge Regeln für den Einsatz der Hubschrauberflotte: Das sind einige Themen in einem Zehn-Punkte-Papier des ADAC. Der Club gelobt nach den Skandalen Besserung, die Führung wird geschont. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/skandale-beim-autoclub-adac-praesentiert-zehn-punkte-plan-a-952102.html
Frau Aigner könnte da Hilfestellung geben, die hat Erfahrung mit Zehn-Punkte-Plänen.......
Alfr. Tetzlaff 07.02.2014
4. Unentbehrlicher Mann!
Hauptsache mein Freund Reindl bleibt erhalten. Dieser gibt einem ständig die gleichen Tipps für´s Benzinsparen (z.B. Fuß vom Gas, viel Herumrollen, oder sehr beliebt: nur tanken, wenn es nötig ist), auch wenn mein Hinterrad eiert, es windig draußen ist oder bei sonstigen Unannehmlichkeiten der Autofahrer...
wolfgang2014 07.02.2014
5. Nicht nachvollziehbar
Es ist nicht nachvollziehbar, dass Hr. Mayer nicht die Konsequenzen zieht und seinen Hut nimmt. Als pflichtbewusster Präsident des ADAC hätte er selbst keinerlei persönliche Vorteile für sich in Anspruch nehmen dürfen und obendrein wissen müssen, was die untergeordneten Schienen so alles treiben. Im Gegenteil, er hat diese Schiebereien gefördert, damit -höchst wahrscheinlich- die Gelder reichlich fließen.
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