Fahrbericht Skoda Kodiaq Der Bulli-Bär

So viel Platz, man könnte glatt Fußball spielen im neuen SUV von Skoda. Wirklich preiswert ist der Kodiaq allerdings nur in der Basis-Variante - und mit dem stärksten Motor steigen Preis und Lärmpegel.

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"Und, wie ist der so?"

Als Tester, so ist zumindest meine Erfahrung, hört man diese Frage bei zwei Sorten von Autos besonders häufig. Sorte eins: Sportwagen mit mehr als 300 PS. Sorte zwei: Modelle des Herstellers Skoda. Bei ersteren macht die Exotik den Reiz, bei letzteren das genaue Gegenteil. Skoda ist durchschnittlicher als die Durchschnittsmarke VW, aber preiswerter.

Beim neue Skoda-Modell Kodiaq erlebte ich etwas Neues: Ein Freund bat mich, in dem Testwagen mitfahren zu dürfen - er habe sich das Auto nämlich bestellt. Ohne ihn vorher ein einziges Mal in echt gesehen zu haben. Der Freund fährt derzeit noch einen BMW 5er Kombi.

Er hat, so viel schon mal vorweg, keine schlechte Entscheidung getroffen.

Der große Vorteil dieses Autos: Es bietet Platz im Überfluss. Der Kodiaq hat keinen Innenraum, sondern einen Innensaal. Kennen Sie diese typischen NBA-Profis, die wandelnden Zwei-Meter-Schrankwände? Vier davon passen bequem in den Wagen. Menschen mit Normalstatur können im Fond mit übereinandergeschlagen Beinen sitzen. Mein zweijähriger Sohn hüpfte aus seinem Kindersitz und lief zwischen Rückbank und Vordersitzen wie über eine Paradestraße. Und als Fahrer kann man sich den Sitz nach Belieben einstellen, ohne sich darum sorgen zu müssen, die Mitreisenden hinten einzuklemmen.

In den Kofferraum passt eine Kühltruhe auf einer Europalette. Na gut, vielleicht nicht ganz. Aber vier große Koffer sind für dieses Gepäckabteil keine Herausforderung. Optional kann hier auch eine dritte Sitzreihe eingebaut werden.

Mittlerweile obligatorisch ist das Schirmfach in den Türen, ein charmantes Plagiat von Rolls-Royce. Definiert man Luxus über großzügigen Raum, muss Skoda den Vergleich mit der Nobelmarke nicht scheuen.

Das Schirmversteck in der Türe
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Das Schirmversteck in der Türe

Interessanter ist natürlich der Vergleich mit VW. Der Wagen wird garantiert zu Verwerfungen im Volkswagen-Konzern führen, aber das ist das Problem von Wolfsburg. Im Grunde hat Skoda mit dem Kodiaq ja nicht nur den besseren Tiguan und preiswerteren Touareg gebaut - was das Platzangebot betrifft, hat die Schwestermarke gleich noch dem VW-Bus Konkurrenz gemacht: Dieses Auto ist der Bulli-Bär.

Wer also ein Fahrzeug mit extrem viel Platz zu einem fairen Preis sucht, kann hier aufhören zu lesen. Für 25.490 Euro gibt es die Basisversion des Kodiaq, mit 1,4-Liter-Benziner und 125 PS.

Vier NBA-Profis mit einer Kühltruhe im Kofferraum könnten mit dieser Motorisierung allerdings Probleme beim Bergauffahren haben. Möchten Sie weiterlesen?

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Skoda Kodiaq: Großzügiges Angebot

Unser Testwagen war mit dem Zwei-Liter-Dieselaggregat mit 190 PS und Allradantrieb ausgestattet. Die Variante hieß "Style", der Kofferraum öffnete und schloss sich elektrisch (400 Euro), die Stoßdämpfer ließen sich verstellen (Adaptives Fahrwerk, 940 Euro), das Auto hielt bei Bedarf automatisch Abstand zum Vordermann (Adaptiver Abstandsassistent, 820 Euro), hatte einen Spurhalteassistenten (820 Euro, hier und da mit etwas hektischen Eingriffen), die Ledersitze waren perforiert und in der Farbe "Glamour-Beige" gehalten (1890 Euro, durchaus glamourös und sehr bequem), die Anhängerkupplung ausschwenkbar (830 Euro), das Lenkrad beheizt (120 Euro) und das Infotainmentsystem mit Navigationssystem, Sprachbedienung, Acht-Zoll-Farbdisplay kostete noch mal 1560 Euro.

Mit diesen ganzen Annehmlichkeiten gleicht der Kodiaq einer Wellness-Lounge. Der Stress da draußen ist plötzlich ganz weit weg. Der Basispreis von 25.490 Euro allerdings auch. Die Mitgliedschaft im Wohlfühl-Skoda kostet in etwa das Doppelte.

Zum Design nur so viel: Wenn der Wagen nicht so groß wäre, könnte man ihn fast übersehen. Das Testauto hatte die Lackierung "Quartz-Grau". "Mausgrau" trifft es aber besser.

Der Elektroauto-Moment im Kodiaq

Das Platzangebot wie im Kleintransporter bleibt bei diesem Auto trotzdem beeindruckend, aber da ist noch eine andere Ähnlichkeit zu einem Nutzfahrzeug: der Motor. Wenn man den Startknopf drückt, ist man kurz irritiert. Ist das ein Elektroauto? Man hört ja gar nichts! Dann rüttelt sich aber mit leichter Verzögerung das Dieselaggregat wach, und bei Kodiaq denkt man plötzlich an den Bären, aber an diesen schrecklich lauten, den Grizzly.

Der Punch des Vierzylinders steht wiederum im krassen Gegensatz zu seinem Sound: Was die Kraft betrifft, ist der Kodiaq eher ein Knuddelteddy. Und weil es an dieser Stelle so schön passt: 5,7 Liter auf 100 Kilometer - mit diesem Normverbrauch bindet Skoda uns einen Bären auf. Irgendwo zwischen sieben und acht Litern liegt die Wahrheit.

"Traktor", sagte der Freund, der sich den Wagen schon bestellt hatte, in den Lärm hinein. Und als wir die erste Kurve gefahren waren sagte er noch, dass er dieses Auto ja nicht für die Rennstrecke gekauft habe.

Eigentlich unpraktisch

Vielleicht ist Skoda, diese Marke der Vernunftautos, mit dem Kodiaq ein bisschen von ihren pragmatischen Tugenden abgekommen. Denn wer extrem viel Platz für wenig Geld suchte, fand im Angebot des Herstellers ja bereits etwas Passendes: den Superb Combi, länger und breiter als der Kodiaq, aber leichter, etwa 20 Zentimeter niedriger und deshalb auch mit besserer Straßenlage und geringerem Verbrauch. Alles in allem ein viel pragmatischeres Auto als das neue SUV-Modell.

Andererseits wäre es aus kaufmännischer Sicht wohl eher unpragmatisch, würde Skoda nicht die SUV-Nachfrage bedienen. Nach der Mitfahrt im Kodiaq schien der Freund seine Entscheidung jedenfalls nicht bereut zu haben. Und wahrscheinlich wird es eine Menge Kunden geben, die sich wie er entscheiden.

Ein anderer Bekannter beklagte sich kürzlich darüber, dass sein Arbeitgeber nur Dienstwagen von BMW, VW oder Audi erlaubt, aber keinen Skoda.

Erste Frage, als er den Kodiaq sah: "Und, wie ist der so?"

Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Kodiaq TDI 4x4 DSG Style
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.969 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 8,6 s
Höchstgeschw.: 209 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 151 g/km
Kofferraum: 720 Liter
umgebaut: 2.065 Liter
Gewicht: 1.790 kg
Maße: 4690 / 1822 / 1680
Preis: 39.440 EUR
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insgesamt 187 Beiträge
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Seite 1
WolArn 06.03.2017
1.
"...und Lärmpegel", soll das wohl in der Überschrift heißen.
l1187158 06.03.2017
2. Rechtschreibung?
Schon den ersten Fehler in der Überschrift. Liest bei Ihnen eigentlich jemand die Artikel noch mal durch bevor diese Online gestellt werden?
bollocks1 06.03.2017
3. Gefällt...
...mir. Laut sind fast alle VW im Innenraum, wenn man auf den Pinsel tritt und der Skoda sicher auch. Leiser wirds ab A6...TD-Motor gut, DSG funktioniert ja auch seit einiger Zeit. Konkurrenz zum Tiguan? Wer kauft den Wagen mit 1,4 L Motoerchen ? Droehnt wenn der dreen muss und saugt.
observerlbg 06.03.2017
4. Auweia, den möchte ich mal in ein Kleinstadtparkhaus bewegen....
Und den gibts wirklich mit einem 125 PS Benziner? Da bekäme ich ja schon Angst bei stärkerem Gegenwind hier im platten Norddeutschland. Muss Skoda wirklich alle VW-Plattformen bedienen? Kommt demnächst ein Scirocco von Skoda? Könnte dann ja Luchs oder so heißen. Ach ja, ein größere T6, so mit Sprinter XL Maßen wäre doch auch ne tolle Idee.
bart001 06.03.2017
5. Hurra, noch eine graue Maus von VW
Aber zum Glück gibt´s ja noch Lichtblicke wie Alfa Romeo.
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