Skoda-Studie Vision C Weg von der Hausmannskost

"Simply clever" lautet der Markenslogan von Skoda, und mit Schlichtheit brachte es die VW-Marke zum erfolgreichsten Importeur hierzulande. Jetzt scheint das nicht mehr zu reichen. In Genf enthüllt der Hersteller solider Alltagsautos erstmals ein Coupé.

Skoda

Jozef Kaban streicht über die Karosseriekanten, wie ein Messerschleifer, der eine Klinge prüft. Er pustet Staubkörner weg, die kein Mensch außer ihm sieht, er tätschelt Blech und lächelt versonnen. Jozef Kaban ist der Designchef von Skoda und hat nun etwas abgeliefert, das die Marke als Meisterstück propagiert: die Studie Vision C.

Nun sind auch aktuelle Skoda-Typen wie der Octavia oder der Rapid zwar schlicht, aber nicht unansehnlich. Doch das giftgrün lackierte Konzeptauto Vision C ist von ganz anderem Kaliber. "Es ist das erste Skoda-Coupé der Neuzeit", hebt Kaban an. "Und stärker denn je bringen wir hier Dynamik und Eleganz zum Ausdruck." Tatsächlich ist der flache Viertürer mit dem mächtigen Bug und dem breiten Heck eine Studie, wie man sie im VW-Konzern eher von Audi erwartet hätte.

"Schön und Skoda - das war bislang ein Widerspruch", sagt Paolo Tumminelli, Professor an der Köln International School of Design. "Denn wenn die Marke zu schick geworden wäre, hätte ja keiner mehr einen Audi oder VW gekauft." Ein Skoda musste bislang immer auch als Nicht-VW zu erkennen sein, sagt Tumminelli.

Natürlich ist hinterm Tankdeckel ein Eiskratzer versteckt

Inwieweit das nun anders wird, ist noch offen, denn noch ist das Coupé eine Studie. "Zudem haben wir etliches dafür getan, dass die Vernunft nicht auf der Strecke bleibt", sagt Kaban. Dann zählt er die praktischen Eigenheiten des Konzeptautos auf. Die A-Säule zum Beispiel ist so gebogen, dass der Wagen nicht nur schnell aussieht, sondern auch genügend Kopffreiheit bietet. Auch im Fond können zwei Erwachsene in den wie Sessel ausgeformten Sitzen bequem reisen. Und weil die Kofferraumklappe sehr breit ist und bis weit ins Dach reicht, könnte man mit dem Coupé wahrscheinlich sogar einen Kühlschrank kutschieren.

"Wer sagt denn, dass man in einem emotionalen Auto auf Funktion verzichten muss?", fragt Kaban mit einem zufriedenen Lächeln. Selbst markentypische Details wie der Eiskratzer im Tankdeckel fehlen bei der Studie nicht. Dazu gibt es Highend-Spielereien, wie Bildschirme für die Hinterbänkler, die auf Knopfdruck aus den vorderen Kopfstützen ausfahren; und die Nackenkissen im Fond lassen sich so drehen und versenken, dass, wenn niemand hinten sitzt, die Kontur nicht gestört und der Rückblick nicht beeinträchtigt wird.

Für Skoda hat das Messemodell vor allem zwei Bedeutungen: Es soll erstens auf die kommende Designsprache der Marke einstimmen. Und es soll zweitens Lust machen auf ein Nischenmodell, das tatsächlich als viertüriges Coupé in etwa zwei Jahren als Serienauto erwartet wird.

Stärkster Fronttriebler des Konzerns ist jetzt ein Seat

Eine dritte Wirkung, die so ein Skoda-Modell haben könnte, dürfte nicht jedem im VW-Konzern willkommen sein. Denn eine Design-Trendwende der tschechischen Einfach-Marke könnte das fein ausbalancierte Markengefüge der Wolfsburger Autostrategen durcheinander bringen. Denn wenn nun auch Skoda die Karosserien mit einem rassig-leidenschaftlichen Schwung formt, dann könnte das zumindest die Kreise von Seat (Slogan: "auto émocion") und eventuell auch Audi stören.

Zumindest nach außen hin demonstriert die Wolfsburger Zentrale Gelassenheit. Der stärkste Fronttriebler des Konzerns ist nicht mehr der Golf GTI, sondern der Seat Leon Cupra, der Octavia Combi bietet mehr Stauraum als ein Golf Variant, und noch ehe der Golf mit Plug-In-Hybrid-Antrieb vorfährt, darf der Audi A3 E-tron auf die Straße. Warum sollte da nicht auch das schönste Mittelklasse-Coupé künftig aus Mladá Boleslav kommen? Der VW CC jedenfalls sieht gegen den Vision C ahnlich altbacken aus wie der Audi A5 Sportback.

"Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich in Europa viele Privatkunden bald keinen Audi und vielleicht auch keinen VW mehr leisten können. Schon deshalb ist Skoda gezwungen, sogenannte Lifestyle-Modelle anzubieten - damit der VW-Konzern keine Marktanteile an die koreanischen Hersteller verliert", erklärt Paolo Tumminelli. Das leuchtet ein.

In einem Konzern, in dem der Vorstandsvorsitzende jedes neue Auto bis ins Detail bewertet und frei gibt, lässt sich eh schwer die Legende von der rebellischen Tochtermarke stricken. So steckt auch hinter der Studie Vision C vermutlich ein ausgeklügelter Plan. Ob er auf geht, muss sich erst noch zeigen.



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
stuhlsen 08.03.2014
1. Sehr schönes Coupé
Erinnert mich an mein schönes Peurgeot-406er Coupé vor zehn Jahren, das letzte, das Pininfarina gestylt hat. Bin ohnehin auf der Suche. Das wäre was für mich.
kc85 08.03.2014
2. Welches Coupe bitte?
Ich sehe da ein stinknormales Fließheckauto. Und kein wirklich schönes. Und das ein Skoda auch wie ein Audi mit etwas Skoda-Lametta aussehen könnte, ist eine Erkenntnis, da wäre ich wirklich nie drauf gekommen (Achtung: Ironie). Wer halbwegs rechnen kann, kauft schon heute lieber bei Skoda oder Seat als bei VW oder Audi ein. Einen aktuellen Superb finde ich jedenfalls stimmiger als diese Designgurke. Dass VW oder Audi künftig nicht mehr "leistbar" sein könnten, ein Skoda jedoch schon, zeigt nur, dass die Preise für die Verpackung der weitgehend identischen Technik bei den erstgenannte Marken einfach nur abgehoben sind, auch jetzt schon. Ob der Michel dann wirklich lieber einen Super-Audi-Design-Skoda nimmt, als einen VW, wage ich trotzdem zu bezweifeln. Tut er ja jetzt (wohl aus Imagegründen) auch nicht. Ich in gespannt, wann der erste Skoda im Lambo-Look präsentiert wird. Wäre dann ja nur konsequent. kc85
assiwichtel 08.03.2014
3. Coupe?
Zitat von sysopSkoda "Simply clever" lautet der Markenslogan von Skoda, und mit Schlichtheit brachte es die VW-Marke zum erfolgreichsten Importeur hierzulande. Jetzt scheint das nicht mehr zu reichen. In Genf enthüllt der Hersteller solider Alltagsautos erstmals ein Coupé. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/skoda-vision-c-erstes-viertueriges-vw-der-tschechischen-vw-tochter-a-956208.html
Sieht ja ganz nett aus, Die Scheinwerfer vielleicht etwas weniger aggressiv gestalten das nächste mal. Ich vermute aber, daß dieses Modell auf dem Weg zur Serie noch viel Federn lassen muß, wäre die Kunkurrenz zu den teuren Konzernschwestern zu groß. Was ich mich aber frage: Wo sind die Bilder vom Coupe? Das Auto hier hat ja nun mal vier Türen, als kein Coupe!!
hgri 08.03.2014
4. Ich bin nicht mehr
in dem Alter, in dem man diese Kiddi-Ausdrücke benutzen sollte, Ich mach's trotzdem: Leider sehr geil! Wirklich Irre gut! Unangestrengte Formgebung. Eine Geradlinigkeit, die keinesfalls langweilt. Das Auto ist als Volumenkörper erfassbar und wird nicht durch -zig Lichtkanten, Sicken, Hutzen etc. bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst. Ich bin begeistert. Und ja, er schaut von der Seite ein wenig nach Passat CC aus. Trotzdem Klasse.
Smartos 08.03.2014
5. Ah, ein Skaudi!
... und wie immer bei dem Konzern die viel zu hoch angesetzte "Gürtellinie". Vermutlich wieder mit mehr Power als ein LKW unter der Haube aber eben ohne Fahrkultur.
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