Smart-Streichkonzert Forfour no more

DaimlerChrysler radikal: Nachdem ein Verkauf der Marke Smart vorerst nicht in Frage kommt, verschärft der Konzern den Sparkurs: Der Viersitzer Forfour wird eingestellt, außerdem fallen 300 Jobs weg. Das Sanierungsprogramm kostetet eine Milliarde Euro.


Stuttgart - "DaimlerChrysler plant die Fokussierung auf den Smart 'fortwo', um die Marke nachhaltig zukunftssicher zu machen", teilte der Autokonzern am Vormittag in Stuttgart mit. Damit schrumpft die bereits vor einem Jahr aus Kostengründen um zwei Baureihen gekürzte Modellpalette auf ein Fahrzeug zusammen - den vor sieben Jahren auf den Markt gebrachten Zweisitzer.

Die Belegschaft von Smart am Stammsitz Böblingen soll um 300 auf 450 Mitarbeiter weiterschrumpfen. Die in zentralen Bereichen noch eigenständige Marke soll vollständig in der Mutter Mercedes aufgehen.

Für dieses neue Sanierungsprogramm bei der seit Marktstart 1998 defizitären Tochter Smart muss DaimlerChrysler eine Milliarde Euro aufbringen. Im vergangenen Frühjahr war die Belegschaft um rund 700 Stellen verringert worden, als das Modell Roadster eingestellt wurde und die Pläne für die geländegängige Variante "formore" aufgegeben wurden. Das hatte DaimlerChrysler bereits Kosten von rund 1,1 Milliarden Euro beschert und den Gewinn bei Mercedes im vergangenen Jahr verhagelt.

Ein Großteil der erneuten Milliarden-Last dürfte auf Schadenersatz an die Zulieferer und den Mitsubishi Motors entfallen. Der selbst verlustreiche japanische Autobauer und frühere Daimler-Partner baut das im scharfen Preiswettbewerb stehende viersitzige Modell "forfour" im niederländischen Born.

Aufsichtsrat muss noch zustimmen

2005 hatte Smart von den noch jungen Modell "forfour" nur 43.700 Stück verkauft, ein Viertel weniger als 2004.

Über die Kündigung der Auftragsfertigung bei Mitsubishi Motors und den Zeitpunkt der Produktionseinstellung müsse noch abschließend verhandelt werden, räumte DaimlerChrysler ein. Auch vom eigenen Aufsichtsrat muss der seit Jahresbeginn amtierende DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche die forcierte Sanierung von Smart noch absegnen lassen.

Über den Stellenabbau sollen bereits in der kommenden Woche Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufgenommen werden. Die Beschäftigten sind nicht vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Die Halbierung der Böblinger Belegschaft im vergangenen Jahr ist gerade abgeschlossen.

Dabei hatte Smart hohe Abfindungen gezahlt und die Mitarbeiter für die Suche nach neuen Arbeitsplätzen für mehrere Monate von der Arbeit freigestellt. Der Großteil der rund 700 überflüssig gewordenen Beschäftigten kam im Konzern unter oder fand außerhalb des Unternehmens neue Stellen.

itz/AFP/Reuters

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