Smart-Weltpremiere Zwerg, die Zweite

Alle Ampeln auf Start: Mercedes nimmt einen neuen Anlauf, um den Smart doch noch zum Erfolg zu machen. In Stuttgart wurde jetzt bei einer Parkhaus-Party die zweite Auflage des Zwergs vorgestellt. Zwar ist nun vieles anders, doch genau besehen bleibt der Neue ganz der Alte.


Ach, wie schön kann Parken sein: Vor der Großgarage jubelnde Menschen, drinnen flackern bunte Lichter und erklingt beschwingte Musik, zwischen den Stellplätzen tanzen nette junge Menschen, an Platz herrscht kein Mangel, und auf dem Oberdeck des Parkhauses ist eine richtige Party im Gange. Dumm nur, dass das kein ganz normaler Einkaufstag ist. Denn die paradiesischen Zustände herrschen aus besonderem Grund: Mercedes enthüllt hier unter dem Himmel der Stuttgarter Innenstadt die nächste Generation des Smart Fortwo. Symoblischer Sinn des Aufwands: Der neue, kleine Zweisitzer soll die Stadt zum Spielplatz machen.

600 Gäste aus 36 Ländern waren gekommen, um gestern Abend die Weltpremiere zu feiern und sich vom Optimismus des Daimler-Chefs anstecken zu lassen. Dieter Zetsche ist überzeugt, dass der neue Smart, der im April als Coupé und als Cabrio an den Start gehen wird, "all das kann, wofür ihn seine Fans lieben – nur besser". Schließlich haben die Ingenieure vor allem Komfort, Agilität, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit optimiert, konkretisiert Smart-Chef Ulrich Walker. "Damit bleibt die zweite Generation zwar der Held im Dschungel der Großstadt", sagt Zetsche, doch sei der Smart nun auch auf der Landstraße daheim.

Champagner allein genügt nicht

Natürlich kann der Champagner nicht den schalen Beigeschmack wegspülen, den die Marke mit ihren Millionenverlusten hinterlassen hat – obwohl der Fortwo seit 1998 mehr als 750.000 Mal verkauft wurde. Doch gibt sich Walker zuversichtlich: "Ab dem nächsten Jahr schreiben wir Gewinne", sagt er. Der Grund: "Wir haben keine unprofitablen Modelle mehr im Portfolio", ruft er dem verblichenen Roadster und dem eingestellten Forfour nach und freut sich, dass die Kostenbasis dadurch nahezu halbiert wurde. Diesen Vorteil gibt Smart allerdings an den Konzern und nicht an die Kunden weiter: Die Preise des neuen Smart Fortwo sollen auch künftig auf dem Niveau des Vorgängers und damit weiterhin knapp unter 10.000 Euro beginnen.

Aber wen kümmern Analysen und Aktien, wenn es um neue Autos geht? Deshalb nehmen die Finanzen nur einen kleinen Teil der Präsentation ein. Und obwohl Importpartner Roger Penske eigens nach Stuttgart gekommen ist, spielt selbst das für 2008 anvisierte US-Debüt des Smart nur eine Nebenrolle. Der große Star des Abends ist stattdessen das kleine Auto, das seine Premiere unter einem strahlenden Feuerwerk feiert und die Zweifler auf den ersten Blick versöhnt. Denn auch nach dem Generationswechsel ist der Neue ganz der Alte – zumindest ohne Zollstock.

Quer Parken? Das geht nur noch in Riesenlücken

Wer allerdings das dankenswerterweise als Geschenk gleich mitgelieferte Metermaß anlegt, erkennt: Fünf Zentimeter mehr Radstand und 20 Zentimeter mehr Länge bietet der Neue. Außerdem ist der Smart rund vier Zentimeter breiter geworden. Das Wachstum dient dem Fahrkomfort, der Sicherheit und dem Kofferraum, der um 70 Liter zulegt und mit 220 Litern langsam alltagstauglich wird. Skeptiker dieses Wachstums werden so beruhigt: Nach wie vor gebe es kein Auto, das weniger Verkehrsfläche benötigt. "Und quer Parken ist weiterhin möglich", verspricht Walker.

Das Design sei "etwas maskuliner" und lebe von grimmiger blickenden Scheinwerfern, einem dynamisch aufsteigenden Schmiss in der Flanke, Lüftungsgittern über dem Hinterrad und dicken Backen am Po. Das charakteristische Merkmal der abgesetzten Sicherheitszelle wird aber ebenso übernommen wie die meisten Standards im Innenraum. Zwar ist das Cockpit nun gerade statt geschwungen, doch nach wie vor treten die Lüftungsdüsen deutlich aus den mit Stoff bespannten Konsolen heraus, die Zusatzinstrumente wachsen wie Blumentriebe aus dem Armaturenbeet, und natürlich sitzt auch der Schlüssel wieder am Schaltknauf. Neu dagegen sind einige Extras: So gibt es nun zu ESP und Frontairbags auf Wunsch Seitenairbags, ein Glasdach fürs Coupé, und das Cabrio bekommt ein neues Verdeck.

Dieselmotor zunächst nur mit offenem Filter

Weil der Smart künftig auch außerhalb der Stadtgrenzen besser punkten soll, wurde nicht nur der Fahrkomfort verbessert, sondern auch die Leistung gesteigert. Im Heck stecken deshalb nun auf einen Liter vergrößerte Dreizylinder. Sie leisten als Sauger 61 oder 71 beziehungsweise als Turbo 84 PS und erreichen nun 145 statt 135 km/h. Dabei sind alle drei Benziner mit weniger als fünf Litern zufrieden. Zum Sparbrötchen wird der Smart mit dem Diesel, dessen Leistung um zehn Prozent auf 45 PS steigt. Der serienmäßig gefilterte Motor (zunächst mit einem offenen System, ein geschlossenes Filtersytem gibt es erst ab 2008) soll im Mittel weniger als 3,5 Liter verbrauchen. "Günstiger kann man zurzeit nicht Auto fahren", sagt Walker.

Ach ja, und noch etwas haben die Entwickler verbessert: Das leidige Getriebe, über das sich Gastmoderator Niki Lauda bei der Premiere lautstark beschwerte, weil es ihm in seinen 500 Mietwagen beim Schalten immer die Kappe vom Kopf schleudert, wechselt die Gänge nun angeblich ohne Gedenksekunde. "Deine Mütze wirst Du also künftig aufbehalten", verspricht Chefentwickler Klaus Badenhausen.



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