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01. Mai 2012, 16:07 Uhr

Sondermodelle für China

Prunk, Protz und PS

Aus Peking berichtet

Wohl nirgends auf der Welt verkaufen sich Luxus und Leistung derzeit besser als in China. Ob Ferrari, Aston Martin oder Rolls-Royce: Die Nobelmarken aus dem Westen liefern deshalb maßgeschneiderte Sondereditionen - und bieten ganz besondere Öffnungszeiten.

Auch 243 Prozent Import- und Luxussteuer auf Autos in China ändern nichts daran: Die Chinesen kaufen derzeit mehr Nobelautos und Supersportwagen als jedes andere Volk auf der Welt. Die Verkaufszahlen steigen stark und gleichen für die Hersteller so die Dellen aus, die Konjunkturschwankungen in Europa und Nordamerika hinterlassen. Um noch mehr Geld zu verdienen, bauen mehrere Luxushersteller jetzt spezielle Sondereditionen im Zeichen des Drachen.

Ferrari etwa verkaufte vor 20 Jahren das erste Auto nach China und feiert dieses Jubiläum jetzt mit einer Markenschau auf dem Gelände der Weltausstellung in Shanghai, sowie mit einer Special Edition des Ferrari 458. 20 Exemplare des Supersportwagens bekommen goldene Felgen. Außerdem läuft ein dunkler Streifen übers Fahrzeug - mit einem eingelegten goldenen Drachenmuster. Und als besonderen Clou gibt es die übliche Plakette mit der Seriennummer nun in Gold sowie einen Start-Knopf mit chinesischen Schriftzeichen.

Mit dem Drachen, in China das Symbol für Stärke und Macht, spielt auch Aston Martin mit der Edition Dragon 88. Wer einen DBS Volante, ein Virage Coupé oder ein V8 Vantage S Coupé aus der limitierten Serie bestellt, erhält ein Auto mit einem Markenlogo in 24 Karat Gold, mit Drachenstickereien in den Kopfstützen und die Auswahl zwischen drei Karosseriefarben: "Vulkan Rot" wie das Feuer eines Drachen, "Amethyst Rot", das für Chinesen Wohlstand, Frieden und Eingebung symbolisiert, und "Champagner Gold", das für Wohlstand, Prestige und Glück steht.

Allerdings ist das Fabelwesen kein Privileg für reiche Autokäufer. Auch bei Smart gibt es eine Dragon Edition, die erstmals auf der Autoshow in Peking zu sehen ist. Die trägt zwar nur ein paar Drachenlogos auf der rot-goldenen Karosserie - verfügt aber immerhin über den starken Motor von Tuningpartner Brabus. Und auch die Fiat-Chrysler-Marke Jeep stellt in Peking ein Sondermodell Wrangler Dragon vor, bei dem sogar auf dem Material der Geräuschdämmung unter der Motorhaube ein goldfarbener Drache aufgebracht ist.

Drache oder kein Drache - Luxus verkauft sich blendend

Auch ohne Drachen-Symbolik läuft das Geschäft. Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann ist zufrieden über 342 verkaufte Autos im vergangenen Jahr in China - ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und bei VW ist man stolz darauf, dass die Konzernmarke Bugatti mit dem Veyron - Grundpreis 38 Millionen RMB, umgerechnet also rund 4,75 Millionen Euro - das teuerste Auto im Land anbietet. Vier Exemplare wurden bereits verkauft.

Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht das Geld hat, um über die Anschaffung eines Autos nachzudenken, gibt es genug Käufer für die Luxuskarossen. Nach Angaben von VW-China-Marketing- und Vertriebschef Soh Wei Ming verfügen allein 80.000 Haushalte über ein frei verfügbares Einkommen von umgerechnet fünf Millionen Euro pro Jahr. Daher erscheint es nachvollziehbar, dass auch Rolls-Royce inzwischen die meisten Autos in China verkauft. Das feiert die britische BMW-Tochter mit der Weltpremiere der überarbeiteten Phantom-Langversion sowie mit dem Ghost-Sondermodell "Sechs Sinne". Leder, Wurzelholz, versteckte Lautsprecher im Dachhimmel sowie Jahrgangs-Champagner samt passender Gläser gehören zur Ausstattung.

Ein Rolls-Royce Phantom als Stretchlimousine

Solche Autos sind aber nichts gegen die Limousinen von Star Coach. Die chinesische Firma verpasst dem Rolls-Royce Phantom nicht nur einen goldenen Kühlergrill, sondern streckt die Karosserie auf geschätzt neun Meter. Und das ist nur die Spitze des Angebots: Ringsum die Messehalle parken Stretchlimousinen und Tuningmodelle deutscher Firmen wie Brabus oder Lorinser, die davon zeugen, dass auch für Umrüster in China die Umsätze zu machen sind.

Neben speziellen Serien brauche es allerdings auch ein etwas anderes Vertriebskonzept, um Luxusautos in China zu verkaufen, sagt Conrad Yan. Er leitet die erste Mercedes-Filiale der Welt, in der ausschließlich die Modelle des Werkstuners AMG verkauft werden. Das Geschäft befindet sich in einer noblen Shopping-Mall in Peking. "Arbeiten muss kaum ein Kunde mehr", sagt Yan. "Die stehen erst mittags auf, gehen dann shoppen und feiern abends Partys." Manche kaufen vorher noch ein Auto. Yan hat sich darauf eingestellt. "Unser Autohaus hat bis 22 Uhr geöffnet."

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