Soziales Netzwerk für Autofahrer Flirten im Verkehr

Verwünschungen, Liebesbotschaften, Respektsbekundungen: Es gibt so vieles, was man den anderen Autofahrern sagen oder an den Hals wünschen möchte. Ein soziales Netzwerk sorgt nun dafür, dass die Nachricht beim Empfänger ankommt.
flincar.com: Über Nummernschilder Botschaften an Autofahrer senden

flincar.com: Über Nummernschilder Botschaften an Autofahrer senden

Foto: Michael Lauer

Der Typ im Audi, der einem die Vorfahrt nimmt, das Mädchen im Ford, das in den Rückspiegel und einem direkt in die Augen schaut, der Senior im Heckflossen-Mercedes, der vielleicht sein Auto verkaufen möchte. Wer sich im Auto bewegt, kennt diese Situation: Man möchte Kontakt aufnehmen. Und kann es nicht.

Jetzt kann man: Denn bei dem Onlinedienst flincar.com  meldet man sich nicht nur mit dem Namen an, sondern auch mit dem Nummernschild - und kann so Botschaften an andere Verkehrsteilnehmer senden und über das eigene Kennzeichen Nachrichten empfangen.

"Man wird den Verkehr anders wahrnehmen", verspricht Constantin Essmeyer. Der Wirtschaftsstudent aus Wilhelmshaven ist einer der Erfinder von flincar. Zusammen mit seinem Schulfreund Michael Lauer, einem Mediengestalter aus Magdeburg, hat der 27-Jährige die Seite eingerichtet.

Die Idee sei ihm beim Lesen der Lokalzeitung gekommen, erzählt Essmeyer. Ihm sei aufgefallen, dass in Annoncen immer wieder Leute über ihre Autokennzeichen gesucht werden: "Habe Dich in einem grünen Golf mit der Nummer XYZ gesehen, bitte melde Dich". Diese Suche soll jetzt im Internet stattfinden, auf flincar. Nur gezielter, umfangreicher und billiger.

Das Autokennzeichen als Chiffrenummer

Der Dienst ist kostenlos. Man legt ein Profil an und kann dann an jedes beliebige Nummernschild in Deutschland eine Nachricht schreiben. Oder bis zu drei Fahrzeuge angeben, über deren Nummernschilder man Botschaften empfangen kann.

"Klarnamen erwarten wir nicht", sagt Essmeyer. Ob das eine gute Idee ist, wird sich noch herausstellen. Denn seit flincar im November 2011 online gegangen ist, wird vor allem eins: gemotzt.

"Die meisten Einträge sind Beschwerden", gibt Essmeyer zu. Im Alltagsverkehr überwiegen nun mal die Situationen, in denen man andere Fahrer eher anbrüllen als ihnen etwas zusäuseln möchte. "Das macht die Seite erst richtig interessant", findet der Student.

Derzeit würden er und sein Mitstreiter die Kommentare kontrollieren, bei Verbalattacken unter der Gürtellinie werden die Einträge gelöscht. Außerdem könnten Beleidigungen von den Mitgliedern gemeldet werden.

Der Gründer ist unerreichbar

Dass sich Essmeyer und Lauer selbst um die Kontrolle der Kommentare kümmern können, liegt an deren bescheidener Zahl. Noch herrscht auf flincar nämlich nicht viel Verkehr. Einige Hundert Mitglieder hätten sich bislang registriert, so Essmeyer, aber genutzt werde die Seite immerhin täglich. Die beiden Gründer hoffen, dass bis Ende 2012 rund 10.000 Leute auf flincar aktiv sind.

Ein ähnliches Angebot in den USA hat diese Marke bereits weit überschritten: Die Onlineplattform bump.com  ist im März 2011 online gegangen, laut den Betreibern haben sich dort schon 75.000 Leute registriert. Von solchen Zahlen können Essmeyer und Lauer im Moment nur träumen. Als erste Reklame haben sie Aufkleber drucken lassen.

An eine Vermarktung von flincar denke er noch nicht, sagt Essmyer, dazu brauche es viele Mitglieder. Irgendwann solle das Start-Up aber Profit abwerfen. Vielleicht leistet er sich dann sogar ein Auto - dem Gründer von flincar kann man bislang mangels Kennzeichen nämlich noch keine Nachricht hinterlassen.

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