Sparmodelle in Genf Fahrt ins Blaue

Die Nachfrage ist groß, das Angebot bescheiden: Der Trend zu besonders sparsamen Autos hat viele Hersteller kalt erwischt. Mercedes zum Beispiel hat bisher keinen ökologisch durchkonstruierten Wagen im Angebot - mehrere neue Sondermodelle sollen die Kundschaft zwischenzeitlich bei der Stange halten.


Blue Efficiency nennt Mercedes drei neue Typen der Mittelklasse-Baureihe C-Klasse, die beim Genfer Autosalon (6. bis 16. März) debütieren werden. Ein "Paket intelligenter Maßnahmen", wie die Schwaben mitteilen, verringere den Verbrauch bei den betreffenden Modellen um bis zu zwölf Prozent. Allerdings: Es handelt sich nicht um grundsätzlich neue, effizientere Fahrzeuge - sondern um Spar-Sondermodelle. Die ganz normalen Autos mit den bekannten Verbrauchswerten werden trotzdem weiter gebaut.

Blue Efficiency: Die extra-sparsemen Modelle der Mercedes C-Klasse erhalten den neuen Namenszusatz.

Blue Efficiency: Die extra-sparsemen Modelle der Mercedes C-Klasse erhalten den neuen Namenszusatz.

Als "Blue Efficiency"-Typen werden ab dem Sommer der C 180 Kompressor, der C 200 CDI und ab Herbst auch der C 350 CGI angeboten - für jeweils 476 Euro Aufpreis gegenüber dem herkömmlichen Modell. Teilweise profitieren die Efficiency-Autos von identischen Sparmaßnahmen, teilweise wurden auch ganz gezielt Einsparmöglichkeiten genutzt.

Beim C 180 beispielsweise verringerten die Ingenieure den Hubraum von 1,8 auf 1,6 Liter, wobei die Leistung von 156 PS und das maximale Drehmoment von 230 Nm unverändert beibehalten wurden. Der kommende Sechszylinder-Benziner im C 350 wird der erste Ottomotor mit strahlgeführter Direkteinspritzung sein, was den Kraftstoffverbrauch gegenüber dem jetzt noch aktuellen V6-Motor um rund zehn Prozent drückt.

Das Dieselmodell C 200 wiederum spart Sprit (Durchschnittsverbrauch 5,1 Liter) alleine durch die allgemeine Diät, die den "Blue Efficiency"-Modellen angedeiht. Dazu gehört zum Beispiel eine Windschutzscheibe aus Verbundglas, die 1,2 Kilo leichter ist als bei den anderen Typen. Ebenso abgespeckt wurde an der Stirnwand und durch die geschmiedeten Leichtbaufelgen. Auf denen wiederum sitzen Reifen die aufgrund eines neuen Stahlgewebes nicht nur leichter sind, sondern auch einen um 17 Prozent verringerten Rollwiderstand aufweisen.

Feinarbeit erhielt das Spar-Trio auch in Sachen Aerodynamik. Der Unterboden wurde komplett glatt verkleidet, die Kühlermaske wurde zum Teil abgedeckt, die Trennfugen an den Scheinwerfern abgedichtet und die Außenspiegelgehäuse strömungsgünstiger gestaltet. Dazu wurde die gesamte Karosserie um eineinhalb Zentimeter tiefer gelegt. So realisierten die Techniker einen cW-Wert von 0,25 - die normale C-Klasse liegt bei 0,27 in dieser Kategorie.

VW stellt Golf-Studie mit Hybridantrieb vor

Doch nicht nur Mercedes, auch Volkswagen wird in Genf - neben dem Debüt des Scirocco - einige Sparvarianten ins Rampenlicht rollen. Etwa die Großraumlimousine Sharan Blue Motion, die mit 6,2 Liter Diesel je 100 Kilometer klarkommen soll, oder den Passat Variant TSI Ecofuel, der mit Erdgas fährt. Die Wolfsburger behaupten, dieser Wagen mit 150 PS fahre sich ebenso spritzig und dynamisch wie ein Modell mit Ottomotor. Auf den Markt kommen soll das Modell gegen Ende des Jahres.

Noch länger warten muss die Kundschaft auf den Golf TDI Hybrid. In Genf immerhin steht schon einmal eine Studie eines solchen Modells - also eines Kompaktwagens mit Dieselmaschine, Elektromotor und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Nach VW-Angaben verbraucht dieser Prototyp 3,4 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer; zudem kann das Auto mit Hilfe des Elektromotors auch auf Kurzstrecken völlig abgasfrei fahren. Auf die Straße kommt die Technik jedoch nicht vor 2011, wie man hört. Es bleibt also auch bei dieser Automesse dabei: Die Zukunft wird stolz gezeigt, aber wirklich beginnen wird sie erst in einigen Jahren.

jüp

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