Klimapolitik SPD-Politiker fordern Sondersteuern für SUV

Passen schwere SUV noch in die Zeit? Führende Sozialdemokraten wollen die "PS-Ungetüme" vom Markt drängen. Im SPIEGEL fordern sie Sondersteuern.

Porsche Cayenne: SUV als "Symbole für einen zunehmenden Egoismus in der Gesellschaft"
Bernd Weißbrod / DPA

Porsche Cayenne: SUV als "Symbole für einen zunehmenden Egoismus in der Gesellschaft"

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Prominente Sozialdemokraten kündigen den SUV den Kampf an. "Ich bin für eine kräftige Besteuerung solcher PS-Ungetüme, die eher in die unbefestigten Pisten des Wilden Westens passen als in unsere Städte", sagte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner dem SPIEGEL. "Das ist ökologisch geboten, trifft finanziell die Richtigen und ist auch im Sinne der Verkehrssicherheit für Fußgänger - gerade für Kinder. Diese merkwürdige Vorliebe für weit überdimensionierte Straßenpanzer ist das, was für manche US-Amerikaner ihre Schusswaffe ist." (Die ganze Geschichte lesen Sie hier).

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Heft 38/2019
Verteufelt, aber begehrt: Das SUV - Symbol für die deutsche Doppelmoral

Pünktlich zur Automobilmesse IAA in Frankfurt hatte sich in der vergangenen Woche die Debatte um die großen, schweren aber bei Kunden sehr beliebten SUV intensiviert. Angeheizt wurde sie weiter durch einen tödlichen Unfall in Berlin, bei dem ein SUV von der Straße abgekommen und über den Bürgersteig gerast war und vier Menschen getötet hatte. SUV stehen aber vor allem schon seit langem in der Kritik, weil sie mehr Sprit verbrauchen als Limousinen oder Kombis mit vergleichbarem Platzangebot und dementsprechend mehr CO2 ausstoßen. Sie stehen deswegen im genauen Gegensatz zu allen Bemühungen um eine Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Karl Lauterbach, der sich wie Stegner um den SPD-Vorsitz bewirbt, fordert: "Wir brauchen eine unbürokratische CO-Steuer mit Sonderaufschlägen für SUV. Diese Symbole für einen zunehmenden Egoismus in der Gesellschaft müssen aus den Innenstädten verdrängt werden." Fraktionsvize Matthias Miersch forderte, man solle "überlegen, ob wir übergroße Neuwagen beim Kauf teurer machen, damit die Menschen davon Abstand nehmen. Es sollte halt jeder wissen, der Platz in der Stadt ist begrenzt."

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insgesamt 433 Beiträge
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Seite 1
exHotelmanager 13.09.2019
1. Welche Kriterien will man ansetzen?
Gewicht? Leistung? Länge? Breite? Fläche? Verbrauch? Höhe? Oder gar Koeffizienten daraus wie beim DHL-Paket oder dem BoardCase? Und der Porsche GTS, AMG S63, Audi A8 (Politiker-Standard) werden geschickt herausgerechnet, denn diese Fahrzeuge sind ja sinnvoll und ökologisch? Es bleiben Fragen... Ich bevorzuge eine Sondersteuer auf graue Fahrzeuge, denn die sind wirklich gefährlich.
legtsichauchwieder 13.09.2019
2. KFZ-Steuer!
Wir haben doch seit Menschengedenken ein geeignetes Instrument zum Besteuern der KFZ: Die KFZ-Steuer. Macht die grossen Karren teurer und die kleinen und alternativ angetriebenen Karren billiger. Wo ist das Problem?
brutus972 13.09.2019
3. Was ist ein SUV?
Ist das schon ein crossover? Klar ist, dass die 5-Sitzer-PKW mit Benzin oder Diesel über 2 Tonnen nicht in die Stadt gehören. Das Schlimme ist, das sind meist Firmenwagen, die vom Staat subventioniert werden. Ich finde, dass Autos mit 30PS pro Sitzplatz und auf 150 km/h max bauart bedingt limitiert werden sollen. Das gilt auch für Elektroautos. Du kannst ja gar nicht so schnell in den Rückspiegel schauen, wenn da Boliden mit 500 PS und mehr, die weniger als 3 Sekunden brauchen, um von 0 auf 100 zu beschleunigen. Raser Idioten gibt es genug! Tempolimit 120 km/h ist auf der Agenda.
demiurg666 13.09.2019
4.
Ich fahre Tiguan, Benziner mit Partikelfilter. Breite ist gleich wie ein Golf, Länge kürzer als ein Kombi, er ist halt höher. Durch die Höhe und Form hat er einen schlechteren CW-Wert, was ja automatisch einem höheren CO2-Wert zu Folge hat, der aber über eine generelle CO2 Steuer mit abgegolten wird. Eine Strafsteuer erheben zu wollen ist also lächerlich und populistisch. Der Wagen hat sogar einen geringeren Verbrauch als das Auto, dass ich vorher gefahren bin. Also was außer der eigenen Unwählbarkeit will die SPD damit erreichen? Wieder kein Wort über Kerosinsteuer, Schweröl verbrennende Schiffe in Hamburgs Hafen oder irgendeine erkennbare zukunftsgerichtete Vision. Und wenn man dann noch bedenkt wie viele SUV in Deutschland unterwegs sind gräbt sich die SPD wirklich ihr eigenes Grab. Man könnte ja zum Beispiel Wälder auffordern und den ÖN attraktiv machen, bei vier Euro für eine Richtung ist es doch klar, dass jeder lieber das Auto nimmt, der kein subventioniertes ÖN-Ticket besitzt.
Das Pferd 13.09.2019
5.
Emotional: ja Ein SUV ist ein Schlag in das Gesicht von Leuten, die sich bemühen den CO2-Fußabdruck zu verringern. Die Panzer vor der Schule machen mich besonders wütend. Andererseits: Sachlich ist es sicher viel zu kompliziert. Ausweichen auf große Limousinen hilft dem Klima ja auch nicht, was ist mit dem Förster oder Gleisbauer, der einen Bedarf an der Fahrzeugklasse hat..... Alles viel zu kleinteilig. Aber man kann was anderes machen: Ein wenig den Kopf schief halten, wenn Onkel Franz zur Spritztour mit seiner neuen unnützen Protzkarre einlädt. Oder mal fragen, ob er einen neuen Job abseits der Zivilisation hat. Gleiche Behandlung für Tante Erna, wenn sie die Bilder von der Kreuzfahrt, zu der sie auch noch um die halbe Welt geflogen ist, vorzeigen will. Das muß so peinlich wie rauchen sein. Das hilft langfristig.
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