Speisen auf Reisen Urlaub für den Magen

Die schönste Zeit des Jahres beginnt oft mit einer langen Autoreise. Das strengt an, und deshalb sollten Pkw-Urlauber ihren Körper nicht mit schwerem Essen und allzu süßen Getränken belasten. Als Reiseproviant ist in jedem Fall leichte Kost zu empfehlen.
Von Dörthe Firchau

Lange Autofahrten strengen an. Besonders der Fahrer sollte, ähnlich wie ein Sportler vor einem Wettkampf, ausgeruht, locker und konzentriert an den Start gehen, um über längere Zeit sicher und umsichtig im Verkehrsstrom mitschwimmen zu können. Ein leerer Magen ist in solchen Fällen sicher ungeeignet, weshalb sich die Frage nach einer sinnvollen Ernährung vor und während vielstündiger Autofahrten stellt. Grundsätzlich gilt, dass Speisen und Getränke auf Reisen gut verträglich, leicht verdaulich und möglichst energiereich sein sollten, damit die Ausdauer und Konzentration unterstützt werden, die Verdauungsorgane aber möglichst wenig belastet werden.

Schon unmittelbar vor Reiseantritt sollte man deshalb Wert legen auf eine gesunde Mahlzeit. Denn um eine optimale Energieversorgung des Gehirns zu gewährleisten, damit die Konzentration auf hohem Niveau gehalten werden kann, müssen die richtigen Speicher im Körper gefüllt werden. In diesem Fall gilt: Die Zuckerzufuhr ist entscheidend. Dabei unterscheidet der Körper in langfristige und schnelle Zuckerstoffe, wie sie zum Beispiel in Traubenzucker enthalten sind. Die helfen kurzfristig, doch für eine konstante Konzentrationsfähigkeit ist der sich langsam aufspaltende Zucker wichtiger.

Wer zum Frühstück mit Vollkornbrot oder Brötchen mit Marmelade, Müsli, frischem Obst und Joghurt startet, erhöht eben diesen langfristigen Zuckerspiegel. Über den Stoffwechsel der Leber und der Muskeln wird das Gehirn mit Energie versorgt. Wer morgens nichts Festes frühstücken mag - vielleicht deshalb, weil die Reise schon in aller Herrgottsfrühe beginnt -, sollte auf Buttermilch- und Kefirgetränke zurückgreifen.

"Letztendlich ist es eine individuelle Entscheidung, was gegessen und getrunken wird", sagt Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). "Es gibt jedoch Tipps, die in jedem Fall beachtet werden sollten. Einer davon ist zum Beispiel, immer wieder kleine Pausen einzulegen und etwas zu trinken. Bei der Wahl der Nahrungsmittel sollte man auch auf die innere Stimme hören." Das gilt unter anderem dann, wenn einem vor Aufregung der Appetit vergangen ist. Zu fester Nahrung muss sich niemand zwingen. Für den Aufbau des Zuckerspiegels hilft es aber, Obstsaft, Tee oder Kaffee zu trinken.

Während der Urlaubsfahrt ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr für die Konzentration notwendig. Für Erwachsene liegt die ideale Menge bei 1,5 bis 2 Liter Mineralwasser, Früchtetee oder und Obstsaft pro Tag. Allein durch das Schwitzen im warmen Auto gehen viel Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe verloren. Schon bei zwei Prozent Flüssigkeitsverlust wird das Blut dicker, wichtige Nährstoffe kommen nicht mehr in ausreichender Menge ins Gehirn. Es macht also nicht viel Sinn, wenig zu trinken, um die Zeit für die Toilettenstopps zu sparen.

Kaffee wirkt manchmal erst nach einer Stunde

Wer zum Kaffee greift, um den Blutdruck schnell wieder in Schwung zu bringen, sitzt einem Irrtum auf. Kaffee entfaltet seine anregende Wirkung nämlich erst nach 20 bis 60 Minuten. Auch beim Kaffeegenuss sind die individuellen Gewohnheiten zu berücksichtigen. Größere Mengen Kaffee lassen den Blutdruck ansteigen, machen nervös und führen so zu mehr Stress.

Energy-Getränke hingegen helfen nur kurzfristig. Der Zuckerspiegel steigt rasch an. Er fällt aber schon nach zehn Minuten wieder rapide ab, und es folgt das Leistungstief, weil der Körper nach noch mehr Zucker verlangt. Dasselbe gilt für Traubenzucker und Schokolade. "Als gute Alternative bieten sich Müsliriegel an, gern mit etwas Schokolade. Das sättigt auch die Kinder", sagt Antje Gahl von der DGE.

Wer den ganzen Tag im Auto sitzt, quetscht die Muskulatur von Magen und Darm ein. Die Folge: Die Verdauung wird träge. Zur Entlastung sind deshalb Vollkornbrot mit fettarmem Belag, Obst- oder Gemüseschnitze und Milchprodukte zu empfehlen. Diese Nahrungsmittel sorgen nebenbei für genügend Vitamine und Ballaststoffe. An Obst- und Gemüseschnitzen ist alles erlaubt, was schmeckt. Auch hier rät Antje Gahl wieder, die individuellen Vorlieben zu berücksichtigen. "Wer von Kohlrabi Blähungen bekommt, isst besser Gurkenscheiben oder Karottenschnitze." Vorteilhaft sei es zudem, öfter zu pausieren und den Kreislauf und die Verdauung in Schwung zu halten.

Essen und Getränke sicher aufbewahren

Die Speisen und Getränke sollten während der Fahrt sicher aufbewahrt werden. Wer nicht auf den guten, alten Picknickkorb verzichten möchte, sollte diesen ergänzen durch die mit Kühlakkus gefüllte Kühltasche. So bleibt das Gemüse knackig und der Joghurt wird nicht ranzig.

Für das Essen in den Raststätten empfiehlt Antje Gahl Fischgerichte, Suppen und Milchprodukte. Andreas Rehm, Pressesprecher von Tank & Rast, des Betreibers von 380 Autobahnraststätten in Deutschland, weist auf das Angebot von Salaten und frisch gepressten Fruchtsäften hin. Rehm: "Im Laufe des Jahres gibt es Aktionen wie die 'Spargelzeit' oder 'Beerenstark' mit Fruchtjoghurts oder Erdbeershakes. Zur Hauptreisezeit reicht das Angebot von Lachssteak mit Kartoffeln, über eine Tomaten-Ciabatta mit Radieschensprossen bis zu Pommes und Fischstäbchen."

"Eine Mischung aus Salat und einem kleinen Hamburger ist zur kurzfristigen Sättigung in Ordnung, es muss ja nicht der Doppelwhopper mit der großen Portion Pommes sein.", sagt Antje Gahl. Generell gilt: Zu viel Fett macht müde. Und wer unbedingt auf halbem Wege nach Italien in seiner bayerischen Lieblingsgaststätte die Semmelknödel mit Schweinshaxe genießen möchte, kann dies gern tun. Hier rät Antje Gahl allerdings zu einem längeren Verweilen, ausreichend alkoholfreien Getränken und einem anschließenden Spaziergang. Denn wer sich schon während der Pausen entspannt, kommt gut erholt an seinem Urlaubsziel an.

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