Spezialauto für die US-Polizei Der perfekte Peterwagen

Soldaten, Feuerwehrleute, Postboten: Für viele Professionen gibt es maßgeschneiderte Fahrzeuge. Nur die Polizei geht fast überall in umgerüsteten Familienkutschen auf Patrouille. Eine US-Firma plant jetzt Abhilfe - mit einem für Ordnungshüter maßgeschneiderten Streifenwagen.


Als Elwood Blues seinen Bruder Jake mit einem ausgemusterten 74er Dodge Monaco der Mount Prospect Police vom Gefängnis abholte, war der wenig begeistert. Nicht nur im Film "Blues Brothers" werden Streifenwagen gering geschätzt. Auch reale US-Galgenvögel machen vermutlich Witze über die Fahrzeuge der Polizei - wohl zu recht: Da kann der Sheriff noch so grimmig schauen, eine automobile Autorität ist er im Ford Crown Victoria oder Chevrolet Malibu auch mit Blaulicht und Rammbügel nicht.

Geht es nach William Santana Li, wird den Ganoven das Lachen bald im Halse stecken bleiben. Li ist Chef der US-Firma Carbon Motors aus Detroit und plant nichts Geringeres als den perfekten Streifenwagen. Statt wie bisher ein Serienmodell bloß umzurüsten, will er ein maßgeschneidertes Auto bauen, das perfekt für den Kampf gegen Gesetzesbrecher gerüstet ist. Li begann mit der Entwicklung des Wagens noch unter dem Eindruck der Terroranschläge auf das World Trade Center vor sieben Jahren, und bis zur Serienfertigung wird es noch mindestens drei weitere Jahre dauern. Doch dann erhofft er sich das große Geschäft. Li: "Allein in den USA werden jedes Jahr mehr als 75.000 Streifenwagen bestellt."

Geben die Behörden bislang rund 25.000 Dollar für ein Basisfahrzeug und noch einmal doppelt so viel für die Nachrüstung aus, sollen sie künftig aus einer Hand nicht nur billigere, sondern vor allem bessere Streifenwagen bekommen. "Jede Berufsgruppe, bis auf die Polizei, hat Spezialfahrzeuge", sagt Li und ergänzt: "Die Frauen und Männer, die unsere Gemeinschaft schützen, haben Besseres verdient."

Verborgener Rammschutz und LED-Blaulicht

Die maßgeschneiderte Limousine mit dem Entwicklungscode E7 ist 5,10 Meter lang, 1,98 Meter breit und schon auf den ersten Blick als amerikanischer Streifenwagen zu erkennen. Vorn im Kühler, hinten über dem Stoßfänger und ringsum auf dem Dach sind rote und blaue LED-Blinklichter und Stroboskop-Leuchten integriert. Außerdem trägt der Prototyp natürlich die klassische Lackierung der US-Polizei.

Anders als die aktuellen Dienstwagen der US-Cops ist der E7 extrem hart im Nehmen. Denn zwischen dem verborgenen Aluminiumrahmen und den schnell austauschbaren Karosserieblechen haben die Entwickler einen dicken Rammschutz versteckt, der nur um den Kühler herum aus der Frontpartie ragt. Von hinten zum Beispiel lässt sich der Streifenwagen selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, wenn er mit 120 km/h angerempelt wird.

Sicherheitszelle, Dieselmotor und Kampfjet-Cockpit

Eine Besonderheit sind auch die gegenläufig angeschlagenen Türen, wie sie sonst nur der Rolls-Royce Phantom bietet; das soll es erleichtern, Verdächtige in den mit Panzerglas abgetrennten Fond zu bugsieren. Als Antrieb plant Carbon Motors mit einem drei Liter großen Diesel, der rund 40 Prozent sparsamer sein soll als die aktuellen Benzinmotoren und obendrein auch mit Biosprit läuft. Die Maschine kommt auf 305 PS, bringt 570 Nm auf die Hinterräder und beschleunigt das Auto in weniger als sieben Sekunden auf Tempo 100. Als Höchstgeschwindigkeit sind Tempo 250 möglich.

Auch im Innenraum hat der E7 mit einem konventionellen Pkw nur noch wenig gemein. Das Cockpit gleicht dem eines Kampfjets, die wichtigsten Informationen werden direkt in die Frontscheibe projiziert, und bei Nacht erweitert sich das Blickfeld des Sheriffs von Morgen mit Hilfe einer Infrarot-Kamera. Außerdem scannt die Elektronik automatisch das Kennzeichen des Vordermanns, über einen großen Touchscreen in der Mittelkonsole haben die Beamten direkten Zugriff auf den Polizeicomputer und kommunizieren mit der Einsatzzentrale. Kameras und Mikrofone überwachen das Passagierabteil, das man übrigens auch mit dem Dampfstrahler reinigen kann.

1700 Polizisten beteiligten sich mit Vorschlägen

Bei der Arbeit verließen sich die Entwickler nicht allein auf eigene Erfahrungen, sondern es wurden auch Ideen und Vorschläge von mehr als 1700 aktiven Polizisten einbezogen. Deshalb bekommt der Streifenwagen zum Beispiel speziell geformte Klimasessel, in denen man auch mit umgeschnalltem Pistolengurt und angelegter Panzerweste noch bequem sitzen kann. Außerdem gibt es eine Rückfahrkamera, Sensoren zum Aufspüren von Sprengstoffen und Giftgasen sowie eine Fernbedienung, mit der man den Wagen schon starten kann, wenn man noch auf ihn zuläuft.

Carbon Motors kümmert sich nicht nur um Entwicklung und Produktion. Die Newcomer in dem Geschäft wollen auch Rücknahme und Verschrottung organisieren. Denn dass ausrangierte Streifenwagen bislang einfach verkauft werden, hat Mister Li als eines der größten Übel ausgemacht. Was damals bei den Blues Brothers schon im Film funktionierte, klappt heute in der Realität noch immer, sagt der Carbon-Chef: Immer wieder geben sich böse Jungs als Gesetzeshüter aus.



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