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07. Januar 2011, 13:37 Uhr

Spionage-Affäre bei Renault

Sarkozy setzt Geheimdienst auf Chinesen an

Die französische Regierung ist alarmiert wegen des mutmaßlichen Geheimnisverrats bei Renaults Elektroauto-Projekt. Einem Zeitungsbericht zufolge könnten die Hintermänner aus China kommen. Präsident Sarkozy hat jetzt den Geheimdienst eingeschaltet.

Paris - Die martialischen Worte von Eric Besson kamen offensichtlich nicht von ungefähr. Nur einen Tag nachdem der französische Innenminister im Zusammenhang mit der Affäre bei Renault von einen Wirtschaftskrieg gesprochen hat, setzt Präsident Nicolas Sarkozy die große Ermittlungsmaschinerie in Gang. Das Büro des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy habe den Geheimdienst DCRI mit der Untersuchung beauftragt, hieß es am Freitag in Regierungskreisen. Der Verdacht: Der Verrat könnte von einem Konkurrenten aus China veranlasst worden sein.

Nach einem Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro", die über enge Kontakte zum Elyseé-Palast verfügt, halten die französischen Geheimdienste die chinesische Spur für die wahrscheinlichste. Ein auf Wirtschaftsspionage spezialisierter Abgeordneter der Regierungspartei UMP bestätigte den Verdacht. Die Informationen zum Elektroauto, dem Vorzeigeprojekt von Renault, sollen über Mittelsmänner verkauft worden sein. Dabei sei es um Industriegeheimnisse für Elektroautos der zweiten Generation gegangen, die ab 2012 auf den Markt kommen sollen. Es habe sich vor allem um die Batterie und den Motor gehandelt, die ausspioniert worden sein sollen. Renault wollte sich zunächst nicht äußern.

Den Angaben zufolge gab es bereits im vergangenen August einen ersten internen Hinweis auf Mitarbeiter, die intensiv mit der Entwicklung des Elektroautos befasst waren - einem der Vorzeigeprojekte des Unternehmens. Die anschließenden Nachforschungen hätten das Unternehmen veranlasst, drei Führungskräfte zu suspendieren. Der Zeitung "Le Parisien" zufolge handelt es sich um Direktoriumsmitglied Michel Balthazard, dessen Assistenten, den für die E-Auto-Forschung zuständigen Bertrand Rochette sowie Matthieu Tenenbaum, den Vizechefs des Elektroprogramms von Renault. Das Direktorium ist unmittelbar Konzernchef Carlos Ghosn unterstellt.

Renaults empfindliche Stelle

Die Manager seien am Montag suspendiert worden und hätten unverzüglich ihre Büros räumen müssen, hieß es weiter. Eine solche Maßnahme kann ein Unternehmen beschließen, wenn das Verhalten eines Mitarbeiters den Betrieb zu beeinträchtigen droht. Der Arbeitsvertrag wird dann ausgesetzt, und die Gehaltszahlungen werden gestoppt. Anschließend können eventuelle disziplinarische Maßnahmen oder eine Strafanzeige beschlossen werden.

Zunächst hatte die französische Presse noch darüber spekuliert, dass die Manager wegen despektierlicher Äußerungen über die Elektro-Strategie kaltgestellt werden sollten. Nun verdichten sich aber die Hinweise, dass es sich um einen ernstzunehmenden Geheimnisverrat handelt.

Die Verräter treffen Renault an einer empfindlichen Stelle. Der Autobauer, der Klage gegen die Manager ankündigte, hat zusammen mit seinem japanischen Partner Nissan bereits vier Milliarden Euro in die Entwicklung der E-Autos investiert. 1,5 Milliarden davon flossen in die Batterieentwicklung.

Mitte dieses Jahres will das Unternehmen zwei Modelle mit Elektromotoren auf den Markt bringen, das Familienauto Fluence und das kleine Nutzfahrzeug Kangoo Express. Bis spätestens Mitte 2012 sollen zwei weitere Elektro-Modelle folgen, der Kleinwagen Twizy und die zur unteren Mittelklasse gehörende Limousine Zoe. Die Autos sollen keineswegs als Kleinserien auf den Markt kommen. Die Kapazitäten für die Batterie-Produktion soll in den kommenden vier Jahren 500.000 Stück erreichen.

China verfolgt ehrgeizige E-Mobil-Strategie

Konzernchef Ghosn hat sich damit recht einseitig auf den Elektromotor als Antrieb der Zukunft festgelegt. Andere Hersteller verfolgen dagegen mehrere Zukunftsstrategien, wie etwa die Brennstoffzelle oder verschiedene Formen des Hybridantriebs.

China verfolgt dagegen ein ebenso ehrgeiziges E-Auto-Programm wie Renault. Erst Ende Oktober hatte die Regierung erklärt, dass in solchen Fahrzeugen die Zukunft der Autoindustrie des Landes liege.

Um die Industriegeheimnisse Frankreichs in Zukunft besser zu schützen, plant die Regierung ein neues Gesetz. Der Staatssekretär für Außenhandel, Pierre Lellouche, forderte, das Vorhaben nun schnell voranzutreiben. Frankreich ist zusammen mit seinen japanischen Partnern führend bei der Entwicklung der Elektroautos und fürchtet, diese Rolle zu verlieren.

mik/Reuters/AFP

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