Spritkosten-Explosion Neue Preisrunde an Tankstellen - Benzin teuer wie nie
Hamburg - Der Liter Superbenzin kostete am Freitag im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen 1,48 Euro, Diesel erreichte ein neues Rekordhoch von 1,37 Euro je Liter, wie Sprecher der Branche in Hamburg mitteilten.
Damit haben sich die Preise für Benzin und Diesel innerhalb einer Woche um rund elf Cent je Liter erhöht. Die Konzerne begründen die starken Preiserhöhungen mit entsprechenden Kostensteigerungen an den internationalen Ölmärkten - besonders am europäischen Ölmarkt in Rotterdam.
Angesichts der hohen Spritpreise machten sich Automobil- und Wirtschaftsverbände für einen Benzingipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stark. "Wir fordern einen Auto-Energie-Gipfel mit den maßgeblichen Größen aus Politik, Wirtschaft, Verkehr und Verbraucher", sagte der Präsident des Automobilverbands AvD, Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg, der "Bild"-Zeitung.
ADAC-Präsident Peter Meyer forderte, im Rahmen des Benzingipfels über Steuersenkungen für die Autofahrer zu sprechen. "Unsere Nachbarn machen uns vor, dass eine moderate Kraftstoffbesteuerung möglich ist", erklärte er in München. Spediteure verlangten Steuersenkungen für ihre Branche. Busunternehmer forderten eine deutliche Absenkung der Mineralölsteuer.
Regierungssprecher: Autofahrer sollen sparsamer sein
Merkel lehnte einen solchen Benzingipfel ab. "Es wird kein Krisengipfel stattfinden", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Bundeskanzlerin habe nicht die Absicht, zu solch einer Veranstaltung einzuladen. Steg rief zu Energie-Einsparungen auf und appellierte an die Autofahrer, spritsparend zu fahren.
In Frankreich dagegen trifft sich Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Samstag mit führenden Vertretern der Mineralölwirtschaft, um zu diskutieren, wie sich die Auswirkungen der jüngsten Benzinpreisanstiege auf die Verbraucher abmildern lassen.
Vize-Regierungssprecher Steg wies den Vorwurf zurück, auch der Staat würde über die Steuer abkassieren. Die Rohölkosten machen in Deutschland nicht den größten Teil des Endpreises aus. Der Löwenanteil vom Benzinpreis fließt über die Mehrwert-, Mineralöl- und Ökosteuer an den Staat mit aktuell rund 88 Cent pro Liter. Das sind mehr als 63 Prozent des Tankstellenpreises.
Höhere Preise drohen künftig auch wegen der Beimischung von Biosprit. Um ihre klimapolitischen Ziele zu erreichen, will die SPD will den Anteil von Biosprit in Benzin und Diesel deutlich erhöhen und nimmt wegen der höheren Produktionskosten auch höhere Verbraucherpreise in Kauf. Der Anteil von Biokraftstoffen solle bis 2020 auf ein Fünftel steigen, berichtete die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) für eine Emissionsschutznovelle. Derzeit werden dem Diesel rund fünf Prozent und dem Benzin rund zwei Prozent des aus Pflanzen gewonnenen Biosprits beigemischt.
Die Erhöhung des Biosprit-Anteils werde zu einem leichten Anstieg der Kraftstoffpreise führen, räumte Gabriels Sprecherin ein. Der MWV rechnete laut "Berliner Zeitung" auf Grundlage der heutigen Biospritpreise mit Teuerungen zwischen acht und zwölf Cent pro Liter Diesel oder Benzin.
itz/dpa/AFP