Spritpreis-Prognose Super-Benzin bald über 1,50 Euro

Autofahrer müssen sich auf weiter steigende Benzinpreise einstellen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet bei Super-Benzin in den nächsten Wochen mit einem Anstieg auf über 1,50 Euro je Liter.


Hamburg - Auch für Dieselkraftstoff erwartet die Energieexpertin des Instituts, Claudia Kemfert, neue Rekordstände. Sie sagte der "Bild"-Zeitung: "Der Dieselpreis wird in den nächsten Wochen bis auf 1,40 Euro pro Liter steigen." Sollte der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren, sei ein noch deutlicherer Anstieg zu erwarten.

Zapfpistole: Stetig in Richtung zwei Euro je Liter.
DDP

Zapfpistole: Stetig in Richtung zwei Euro je Liter.

Nach DIW-Berechnungen könnte das Preisplus bis zu 40 Cent pro Liter betragen. "Bei einem Eurokurs von 1,20 Dollar würde der Liter Diesel 1,75 Euro kosten, der Liter Super 1,87 Euro", sagte Kemfert.

Der Benzinpreis war am Mittwoch auf einen neuen Höchststand geklettert: Autofahrer mussten nach Angaben aus der Branche im bundesweiten Durchschnitt 1,46 Euro je Liter Superkraftstoff bezahlen, Diesel kostete 1,33 Euro. Superbenzin war damit teurer als während des Hurrikans "Katrina" im Spätsommer 2005, als der bisher höchste Preis festgestellt wurde.

Ursache für die hohen Preise an den Zapfsäulen seien Rekordnotierungen für die Produkte am europäischen Ölmarkt in Rotterdam, sagten Sprecher der Mineralölwirtschaft. Die Notierungen für einen Barrel (159 Liter) der US-Ölsorte WTI lagen zuletzt knapp unter 100 Dollar.

Auch die für Europa wichtige Nordseesorte Brent verteuerte sich weiter. In London legte die Notierung am Mittwoch um 1,36 auf 94,62 Dollar je Fass zu. Brent-Öl ist nach Angaben des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) damit seit Jahresbeginn über 70 Prozent teurer geworden.

Diesel kostet in Rotterdam mittlerweile 940 Dollar je Tonne, das sind 250 Dollar mehr als in der letzten Hochpreisphase. "Das kann auch der hohe Euro-Kurs nicht ausgleichen", sagte Barbara Meyer-Bukow, die Sprecherin des MWV.

Der Staat verdient mit

Mittelfristig wird der Spritpreis wohl eher noch steigen. Bei Öl gebe es "einen Trend zur Marke von 100 Dollar", erklärte der Energiefachmann Victor Shum von Purvin & Gertz in Singapur. Über allem liegt die Sorge, ob die Vorräte für die beginnende Heizperiode auf der Nordhalbkugel ausreichen.

Die steigenden Benzinpreise in Deutschland bescheren dem Fiskus in diesem Jahr offenbar Mehreinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Prognose des Automobilclubs ADAC berichtet, steigen die Einnahmen der Mehrwertsteuer aufgrund der höheren Spritpreise 2007 um rund 300 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.

Mögliche Mindereinnahmen durch einen Rückgang des Benzinverbrauchs sind darin jedoch nicht enthalten. Wie die Zeitung weiter schreibt, ergeben sich die höheren Mehrwertsteuer-Einnahmen durch die anteilige Berechnung der Steuer auf den Kraftstoffpreis.

hil/dpa/AP/ddp



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