Staatsgelder für E-Autos Keine Kohle für Stromer

Vollladen, bitte: Deutschlands Autobauer wollen Staatsgelder, um ihren Rückstand bei E-Auto-Entwicklung aufzuholen. Die Kanzlerin sollte ihnen keinen Cent geben - denn die Innovationsversprechen der Konzerne haben sich häufig als Luftnummer erwiesen.
Kanzlerin Merkel bei der Eröffnung einer Elektrozapfsäule: Staatshilfe für Stromer

Kanzlerin Merkel bei der Eröffnung einer Elektrozapfsäule: Staatshilfe für Stromer

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Wenn die Autobosse Norbert Reithofer, Dieter Zetsche und Martin Winterkorn am 3. Mai bei der Kanzlerin zum Elektroautogipfel vorfahren, dann werden sie mit einer Stimme sprechen und Angela Merkel ihr dringendes Anliegen vortragen: Das elektrifizierte Automobil der Zukunft, so werden sie argumentieren, können BMW  , Daimler   und Volkswagen   nur dann bauen, wenn sie staatliche Unterstützung erhalten.

Wie bitte?

Einen Milliardenbetrag an Forschungszuschüssen wollen die Vorstandschefs der Kanzlerin abluchsen. Ihr Kernargument: Dem Autoland Deutschland muss die Neuerfindung des Pkw ein besonderes industriepolitisches Anliegen sein - um mit Toyota, Nissan oder General Motors in Sachen Elektromobilität mithalten zu können, sei ein nationaler Kraftakt erforderlich.

Mehr Umsatz als der Bundeshaushalt

Man muss kein Marktliberaler sein, um angesichts dieser Forderung Magenkrämpfe zu bekommen. Die deutschen Autobauer haben bereits den Hybridantrieb verschlafen, auch beim Elektroauto liegen sie nicht im vorderen Feld. Warum soll für diesen strategischen Patzer der Steuerzahler aufkommen?

Rechtzeitig zu antizipieren, wohin der Markt läuft und entsprechende Produkte zu entwickeln, ist schließlich eine der ureigensten Aufgaben von Unternehmen. Das gilt umso mehr, als es sich bei den Autofirmen nicht um Start-up-Butzen handelt. Immerhin generieren die Giganten zusammen in etwa so viel Jahresumsatz wie die Bundesregierung Steuern einnimmt.

Was die Forderung der Autokonzerne nicht nur dreist, sondern geradezu skandalös erscheinen lässt, ist der Umstand, dass sie bereits Fördergelder kassiert haben: 1992 bis 1996 unterstützte die Bundesregierung den Rügen-Versuch, bei dem Elektroautos wie der Golf Citystromer ausgiebig getestet wurden, mit einem Millionenbetrag. Zum Durchbruch des E-Mobils made in Germany hat es dennoch nicht gereicht. 15 Jahre später heißen die bei Elektroautos führenden Unternehmen Mitsubishi, Nissan und Tesla.

Versprochen, gebrochen

Sicherlich werden Zetsche und Co. Angela Merkel versprechen, dass diesmal alles besser wird. Vielleicht lassen sie sich sogar dazu hinreißen, konkrete Termine für den Verkaufsstart ihrer Elektrovehikel zu nennen. Die Kanzlerin sollte sich davon nicht beeindrucken lassen. Denn in der Vergangenheit haben die deutschen Hersteller selten geliefert.

Zwei Beispiele: Zusammen mit anderen europäischen Herstellern gelobten sie, den CO2-Ausstoß ihrer Flotte von 1998 bis 2008 auf 140 Gramm CO2 je Kilometer zu senken. Das Ziel wurde weit verfehlt. Und 2007 versprachen sie, keine klimaschädlichen Kühlstoffe mehr in ihren Klimaanlagen zu verbauen. Auch bei diesem Schwur wurden die Konzerne eidbrüchig.

Deshalb sollte die Bundesregierung den Herstellern diesmal keinen Cent geben.

Und wo wir gerade dabei sind: Auch der Plan für eine staatliche Koordinationsstelle zur Elektromobilität, die mit Dutzenden von Mitarbeitern Themen wie die Normierung von Ladekabeln bearbeiten soll, gehört in den Schredder.

Welche Standards sich durchsetzen, regelt der Markt. Bei Bedarf können sich die Autokonzerne sicherlich selbständig untereinander koordinieren - sie besitzen für so etwas nämlich eigene, ganz vorzüglich ausgestattete Gremien wie den Lobbyverband VDA. Und außerdem: Wann hat ein mit Beamten besetzter Koordinierungsstab je einer Innovation zum Durchbruch verholfen?

Das einzige, was den Autokonzernen in Sachen Elektromobilität Beine machen wird, sind letztlich kaufwillige Kunden. Wenn es eine hohe Nachfrage nach akkubetriebenen Fahrzeugen gibt, dann werden sich Stuttgart, München und Wolfsburg schon beeilen, entsprechende Produkte auf die Straße zu bringen. Dieser recht offensichtlichen Erkenntnis eingedenk fördern andere Länder wie die USA, Japan oder China deshalb auch den Absatz von Elektroautos - und nicht deren Entwicklung oder Herstellung.

Umweltprämie

Man könnte beispielsweise jedem Konsumenten, der ein Elektrofahrzeug erwirbt, einen Umweltbonus von 2500 Euro zahlen. Kommt Ihnen bekannt vor? Richtig, das Ganze hieß und kostete den deutschen Steuerzahler fünf Milliarden Euro. Gefördert wurden mit dem Geld allerdings keine Elektroautos, sondern Pkw mit herkömmlichem Verbrennungsmotor.

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