Start der Umweltzonen Kontrolle vielleicht - Strafe später

Solider Start für die Umweltzonen: Seit Neujahr dürfen Autofahrer in Berlin und anderen Großstädten nur noch mit Feinstaubplakette in die Innenstadt - erste Stichproben zeigen, dass die meisten sich an die Regeln halten. Ohne Vignette drohen bald Punkte und Geldstrafen.


Die seit Jahresbeginn geltende Plakettenpflicht für Kraftfahrzeuge in Berlin, Köln und Hannover ist nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) am ersten Werktag zu rund 75 Prozent befolgt worden. Das teilte die Organisation am Mittwoch in Berlin mit.

Hinweisschreiben der Stadt Köln, das auf die neue Umweltzone aufmerksam macht: Schonfrist bis mindestens Ende Januar
DPA

Hinweisschreiben der Stadt Köln, das auf die neue Umweltzone aufmerksam macht: Schonfrist bis mindestens Ende Januar

Die höchste Quote ermittelten die eigens dafür auf die vom DUH auf Straßen geschickten Messteams in Köln mit 84 Prozent. In Berlin waren es 75 und in Hannover 64 Prozent. Der Leiter Politik und Presse der Umwelthilfe, Gerd Rosenkranz, wies jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse von etwa 2000 Autos stammten und daher nicht als repräsentativ anzusehen seien.

Die neuen Plaketten kennzeichnen Pkw, Lkw und Busse entsprechend ihrer Emissionen. Die schadstoffärmsten Fahrzeuge bekommen eine grüne Plakette. Danach folgen gelb und rot. Autofahrer ohne Plakette müssen mit einem Bußgeld von 40 Euro und einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei rechnen - allerdings gibt es Übergangsfristen.

Insgesamt wollen knapp 20 deutsche Städte mittelfristig Umweltzonen einführen (siehe Übersichtskarte), die Regelungen sind jedoch in jeder Kommune anders. Auch bei der Kontrolle von Verstößen gibt es derzeit unterschiedliche Ansätze:

  • In Berlin wurden bereits am Neujahrsmorgen die ersten Autos überprüft. Bei Alkoholkontrollen hätten Beamte die Wagen auch auf die neuen Aufkleber hin inspiziert und die Autofahrer auf die Plakettenpflicht hingewiesen, sagte ein Polizeisprecher. allerdings gilt in der Hauptstadt eine vierwöchige Schonfrist.

  • In Köln kontrolliert die Polizei derzeit nicht. "Die Überwachung des Verbots obliegt nicht der Polizei, sondern ist Sache der Stadt", sagte eine Polizeisprecherin. Allerdings verteilen Bedienstete der Stadt Informationszettel an Autofahrer ohne Plakette.

  • In Hannover haben die Behörden entschieden, in den ersten vier Monaten Verstöße gegen die Auflagen nicht zu ahnden. Bis Ende April stehe an erster Stelle Information und Aufklärung, Sonderkontrollen durch die Polizei solle es nicht geben, so eine Sprecherin.

Während deutsche Großstädter relativ Preiswert davon kommen (einmalig circa 5 Euro), müssen Bürger der italienischen Stadt Mailand seit dem 1. Januar tief in die Tasche greifen: Um mit dem Auto ins Stadtzentrum zu fahren, müssen Bürger und Pendler eine Tagesplakette erwerben, berichtete die Zeitung "La Repubblica". Die Preise seien dabei je nach Auto von zwei bis zehn Euro pro Tag gestaffelt.

hil/rbü/AP/dpa/ddp/Reuters

SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zur Umweltzone:



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shep 02.01.2008
1. Volksverdummung
Was hier abläuft fällt doch wieder unter die Rubrik "Mal testen, wie sehr wir das Volk für blöd verkaufen können, ohne das es aufmuckt". Ziel soll ja eine Reduzierung der Feinstaubwerte sein, man weiß aber jetzt schon, dass mindest. 95% aller Autos weiter fahren dürfen. Dann wird die Plakette nach Kriterien vergeben, zu deren Ermittlung Feinstaubemissionen überhaupt nicht berücksichtigt wurden, sondern nur andere Emissionen. Und Dieselruß und Feinstaub werden munter in einen Topf geworfen. Und wozu brauche ich dann noch eine ASU Plakette? Besagt diese denn nicht, dass mein Auto die gesetzlichen Vorschriften erfüllt? Wie soll das mit ausländischen Autos funktionieren ? Den Aufschrei hätte ich gerne gehört wenn deutsche Autofahrer eine Plakette kaufen müssen um durch italienische Städte fahren zu dürfen! Und wenn tatsächlich Dieseruß (endlich) als Problem erkannt wird, warum werden dann Diesel PKW durch niedrige Mineralölsteuern noch gefördert? Das ist alles so daneben! Was mich noch brennend interessiert: Gibt es denn Kriterien, anhand derer der Erfolg der Maßnahmen meßbar ist, d.h, wird bei Nichterreichen der Kriterien dieses Gesetz wegen Wirkungslosigkeit wieder gestrichen (oder verschärft ? ). Ich habe davon nichts gehört, das alles wird doch nur gemacht damit die Politiker sagen können, sie hätten ja alles getan ... Volksverdummung eben.
Emmi 02.01.2008
2. Nein. Keine sinnvolle Idee.
Begründung: Als ich mir vor 5 Jahren ein damals modernes Auto kaufte, das wegen der zu erwartenden Fahrleistung ein Diesel werden sollte (inzwischen 200.000 km gefahren) hatte ich gar k(aum) eine Chance, ein weniger umweltschädliches Modell zu wählen, zumal das Thema Feinstaub damals noch nicht in den Medien angekommen war. Da die Nachrüstung mit einem Feinstaubfilter nicht nur teuer, sondern wie die Erfahrungen der letzten Monate zeigen sogar u. U. völlig sinnlos ist, ist es nicht einzusehen, wieso ich jetzt dafür bestraft werden soll, in dem ich bestimmte Stadtzentren nicht mehr befahren können soll, wozu ich ggfs. dienstlich sogar gezwungen sein werde. Oder erwartet man, dass ich mir ein neues Auto kaufe? Das ist aber in der (ökonomischen und ökologischen) Gesamtbilanz (und nicht nur durch die Brille der "Hauptsache unsere Straße ist feinstaubfrei"-Fraktion betrachtet) sicherlich nicht sinnvoll. Dass LKW in Stadtzentren nichts zu suchen haben, kann ich noch nachvollziehen, aber normale Bürger und ihrer Arbeit nachgehende Menschen zu drangsalieren, halte ich für nicht gerechtfertigt.
baerchen50, 02.01.2008
3.
Zitat von sysopDie seit Jahresbeginn geltende Plakettenpflicht für Kraftfahrzeuge in Berlin, Köln und Hannover ist nach wie vor umstritten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Ist die Plakette eine sinnvolle Idee?
Sinnvoll ? Alles dient nur einem Zweck, nämlich das Politiker sagen können "Wir haben etwas getan". Und bei der Einrichtung von Umweltzonen hat man doch glatt vergessen den Wind/das Wetter auszusperren - per Gesetz -. Dem nächsten Ost-/West-/Süd-/Nordwind kann man dann ja ein Knöllchen spendieren und einen Punkt in Flensburg verpassen. 18 Points sind schnell erreicht. Nur, wie entzieht man denen den Führer- äh Windflugschein ?
fsiggi, 02.01.2008
4. Besser als nichts
Als Radfahrer ist die Umweltzone richtig! Gerade alte Transporter, die vor mir an einer Ampel standen, haben mir Gifte und Staubpartikel ins Gesicht geblasen, so dass mir manchmal schlecht wurde. Diese Stinker werden jetzt wenigstens aus der Innenstadt ausgesperrt. Noch besser wäre, die würden gar keine AU-Plakette mehr bekommen. Die Feinstaubrichtlinie der EU stammt aus dem Jahr 1999 und ist seit 2005 bereits in Kraft.
Publizist73 02.01.2008
5. Gesundheit ist ein teures Gut - Umweltzonen volkswirtschaftlich sinnvoll
Im Jahr 2005 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ergebnisse einer Studie zur Feinstaubproblematik veröffentlicht. (http://www.euro.who.int/mediacentre/pr/2005/20050414_1?language=german) Eine Verringerung der Feinstaubbelastung kann durch Partikelfilter erreicht werden, und die Umweltzonen sind ein guter Schritt in die Richtung, die Luft und damit die Lebensqualität in den Städten zu verbessern. Auch volkswirtschaftlich sei eine Feinstaubreduktion sehr sinnvoll, wie die WHO berichtet: "Da eine lang anhaltende Belastung mit Feinstaub besonders gesundheitsschädlich und lebensverkürzend wirkt, muss die Verminderung der langfristigen Feinstaubkonzentration und -belastung Vorrang haben. Das brächte auch wichtige finanzielle Einsparungen mit sich. In der EU liegt der erwartete finanzielle Gewinn einer verminderten Sterblichkeit aufgrund von Feinstaub jährlich zwischen 58 und 161 Mia. €, die Ersparnisse bei den Krankheiten belaufen sich auf 29 Mia. €. Die entsprechenden Zahlen für Deutschland sind 13 bis 34 Mia. € bzw. 6 Mia. € jährlich." Wem die Gesundheit insbesondere von Kindern wichtig ist, der lässt einen wirksamen Partikelfilter einbauen und trägt damit direkt zur Feinstaubminderung und zum Gesundheitsschutz bei.
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