Stau-Ranking In diesen Städten verlieren Autofahrer die meiste Zeit

Der Verkehr in deutschen Städten wächst weiter. Laut einer Studie liegt die Stauhauptstadt im Norden - dort vergeuden Autofahrer 113 Stunden im Jahr. Es hängt offenbar auch mit dem Immobilienboom zusammen.

In deutschen Städten wird der Verkehr zunehmend dichter
Michele Danze/DPA

In deutschen Städten wird der Verkehr zunehmend dichter

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Der Verkehr in deutschen Städten wird immer dichter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung des Kartenherstellers TomTom. Trauriger Spitzenreiter im Stau-Ranking ist Hamburg, gefolgt von Berlin, Nürnberg und Bremen. Stuttgart folgt auf dem fünften Rang. München, Bonn, Frankfurt am Main, Dresden und Köln komplettieren die Top Ten der Städte in Deutschland, in denen Autofahrer die meiste Zeit durch Verkehrsbehinderungen verlieren.

Die Daten stammen aus Navigationsgeräten (fest in Autos verbaut oder mobil) sowie aus anderen Quellen wie der Navigationssoftware auf iPhones. Sie wurden 2018 erhoben. Nicht jedes Auto wird damit erfasst. Die Datenmenge reicht nach Ansicht von TomTom aber aus, um die Verkehrslage in den beschriebenen Städten präzise genug abzubilden.

Möglicher Einmaleffekt durch Großbaustellen

Einmalige Ereignisse wie größere Baustellen und Umleitungen fließen voll in die Untersuchung mit ein - so schneiden betroffene Städte in einem Jahr womöglich schlechter und im nächsten wieder deutlich besser ab. Einen großen Unterschied macht zudem, ob man Autobahnen im Stadtgebiet miteinbezieht. Wir haben uns in unserer Grafik dafür entschieden, die Städte nach ihrem Stauaufkommen sowohl mit als auch ohne Autobahn zu betrachten.

Die Platzierung hängt dabei jeweils vom sogenannten Staulevel ab, das die zusätzliche Reisezeit in Prozent angibt. Beträgt das Staulevel 33 Prozent auf einer Strecke, für die man ohne Stau 60 Minuten braucht, erhöht sich die Fahrzeit auf knapp 80 Minuten.

Autofahrer in Hamburg verlieren 113 Stunden pro Jahr

Spitzenreiter Hamburg hat 2018 ein Staulevel von 33 Prozent erreicht - das ist ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Dadurch verlieren die Hamburger jährlich 113 Stunden im Stau oder im stockenden Verkehr. Morgens lag das Stauniveau im Wochendurchschnitt sogar bei 54 Prozent, abends bei 59 Prozent. Eine Fahrt, die ohne Verkehrsbehinderungen in Hamburg 30 Minuten lang ist, dauert morgens also 46 Minuten und abends 48 Minuten. Besonders langsam floss der Verkehr Montagmorgen und Freitagnachmittag.

Etwas anders sieht es in Berlin aus, das mit einem Staulevel von 31 Prozent den zweiten Platz im Negativranking belegt. Die meiste Zeit benötigen die Hauptstädter bereits vor dem Start ins Wochenende am Donnerstagabend. Insgesamt verlieren die Pendler 103 Stunden pro Jahr durch den Verkehr. Eine andere Studie hatte Berlin zuletzt sogar als Stauhauptstadt ausgemacht.

U2-Konzert verstärkte Chaos in Berlin

Wie einzelne Ereignisse das Verkehrsaufkommen beeinflussen können, zeigt Dienstag, der 13. November, in Berlin. Es war der Tag mit der höchsten Verkehrsbelastung, mit einem Staulevel von 51 Prozent im Tagesdurchschnitt. Dazu trugen widrige Verkehrsbedingungen mit Wind und Regen bei - sowie die irische Rockband U2, die ein Konzert vor rund 17.000 Zuschauern gab.

Um zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr (nun 30 Prozent) lagen die Verkehrsbehinderungen in München. Dort lag das Staulevel morgens im Schnitt bei 55 Prozent, abends bei 58 Prozent. Die Münchener Pendler verloren übers Jahr 113 Stunden im Verkehr - und damit so viel wie in Hamburg.

Offenbar hängt der wachsende Verkehr auch mit dem Immobilienboom zusammen. Städte, in denen der Mietpreis pro Quadratmeter hoch oder in den letzten Jahren stark gestiegen ist, landen auch im Verkehrsindex auf vorderen Plätzen. Eine Erklärung der Studienautoren: Mit steigenden Mieten in der Innenstadt erhöht sich die Zahl der Arbeitnehmer, die sich eine Wohnung nur noch außerhalb der Stadt leisten können. Damit wächst die Zahl der Berufspendler.

So finden sich die vier Städte mit den höchsten Quadratmeterpreisen (München, Frankfurt am Main, Stuttgart und Berlin) unter den ersten fünf des Verkehrsindex wieder. Laut TomTom zeigten die Verkehrsmuster dieser Städte ein sehr hohes Verkehrsaufkommen am Morgen und am Abend insbesondere auf Ein- und Ausfallstraßen sowie Ringstraßen.



insgesamt 198 Beiträge
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rstevens 04.06.2019
1. In nicht wenigen dieser Städte verliert man noch mehr Zeit, ...
... wenn man sich auf den ÖPNV einlässt. Das ist ja das tragische. Das Problem des oft lückenhaften und trotzdem massiv überlasteten ÖPNV ist seit Jahrzehnten bekannt. Getan hat sich nichts. Leider... Meist hat man die Wahl zwischen 30-40 Minuten mit dem ÖPNV immer oder 30-40 Minuten mit dem Auto, wenn's ganz wild wird, allerdings nur 15-20 Minuten mit dem Auto, wenn man die Möglichkeit hat, nicht zur absoluten Rush-Hour zu fahren. Nicht selten reicht es, zu dem Zeitpunkt loszufahren, zu dem man mit dem ÖPNV auch losmüsste, nur dass man dann mit dem Auto in der halben Zeit da ist. Ich höre schon wieder alle "Fahrrad" schreien. Ja, das ist sicher für die Leute eine Option, die bereits in oder nah an der Stadt wohnen. Aber auch nur für diese. Wie auch immer, diese Meinungsmache nervt. Es ist mittlerweile bekannt, dass die SPON Journalisten keine Autos mögen. Vielleicht fangt ihr mal an, den Kommunalpolitikern journalistisch in den Hintern zu treten, endlich die Alternativen zum Auto auszubauen. Wenn Kapazität, Taktung und Zeitaufwand stimmen, würden auch mehr Leute das Auto stehen lassen. So viel Spaß macht es nämlich nicht, im Stau zu stehen. So lange das aber das kleinere Übel ist...
halverhahn 04.06.2019
2. Der "mögliche Einmaleffekt durch Großbaustellen"...
ist in Köln aber gerade nicht einmalig. Köln hat bereits seit Jahren bzw. wirklich seit Jahrzehnten (!!!) ganz bestimmte Großbaustellen, die irgendwie nie fertig werden oder nach Fertigstellung direkt wieder neu eingerissen werden, weil doch daran wieder was verschlimmbessert werden soll. Das sind aber die neuralgische Punkte von Köln, wo regelmäßig der Verkehr, speziell in den Rushhours am Morgen und abends, vollkommen zusammen bricht. Ich sage nur Leverkusener Brücke, Zoobrücke, Kreuz Köln-West und Kreuz Köln-Nord. Neben dem Heumarer Dreieck, wo generell immer extreme Staubgefahr droht. Autofahrer bzw Pendler versuchen nun, diese chronischen Staupunkte zu umfahren und dadurch knubbelt sich der Verkehr nun auch noch zunehmend im Kölner Süden bei Poll und dem südlichen Kölner Kreuz. Fazit: Köln ist in alle Himmelsrichtungen dicht, speziell morgens in die Stadt rein und abends wieder raus. Und das laste ich eindeutig dem absoluten Schrottmanagement dem zuständigen Straßenbauamts an. Koordination ist dort wohl ein vollkommenes Fremdwort! Daneben dauern die Baustellen viel viel zu lange bis sie mal fertig sind bzw werden. Einfach grausam! Das ist Bananenrepublik-like!!!
112211 04.06.2019
3. Auto im Dauerstau
Kein Wunder, wenn unbedingt das heilige Auto für die Fahrten in den Städten verwendet wird.
fördeanwohner 04.06.2019
4. -
Dazu fällt mir nur eins ein: A7! Die Großbaustelle, an der kaum jemand vorbeikommt. Und da Hamburg an diesem großen Fluss liegt, über den fast alle rüber/unter dem fast alle durch müssen, auch wenn sie gar nicht direkt in HH arbeiten oder leben, ist daran erstmal wenig zu ändern.
SvenausRbeiHH 04.06.2019
5.
"finden sich die vier Städte mit den höchsten Quadratmeterpreisen (München, Frankfurt am Main, Stuttgart und Berlin)" Berlin hat mittlerweile höhere Mieten als Hamburg? Das ist mal eine Erkenntnis.
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